Vielfältig einsetzbar: Kulturelle Bedeutung mit einer heilenden Wirkung

Misteln – Druidenkraut und Vogelfutter

Misteln gelten als wichtige Nahrungsquelle in den Wintermonaten.
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Misteln gelten als wichtige Nahrungsquelle in den Wintermonaten.

Germering – Die Bäume haben ihr Laub verloren, und in den kahlen Kronen sieht man jetzt grüne, rätselhafte Kugeln: Misteln. In der Weihnachtszeit wird die immergrüne Pflanze gerne zur Dekoration verwendet, aber auch in der Medizin findet sie erfolgreich Anwendung. Für Vögel ist die Mistel eine wichtige Nahrungsquelle in den Wintermonaten, so beschreibt es der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Germering.

In der grauen Winterzeit sind die immergrünen Mistelzweige besonders für Dekorationszwecke beliebt. Im Haus aufgehängt, sollen sie nach alter Überlieferung vor bösen Geistern und Feuer schützen. Einst galten Misteln als Zeichen der Götter und Symbol von Weisheit und Frieden. Plinius der Ältere beschreibt, dass sie bei den Galliern nur von Druiden mit goldenen Sicheln gesammelt wurden. Heute dürfen Misteln für den Eigengebrauch gepflückt werden. Der Bund Naturschutz weist darauf hin, dass dies nur in kleinen Mengen und außerhalb von Schutz- und Privatflächen auf öffentlich zugänglichen Bereichen gestattet ist. Der Baum darf dabei selbstverständlich nicht beschädigt werden. Wer Misteln verkaufen möchte, benötigt eine Genehmigung. Neben ihrer kulturellen Bedeutung werden Misteln auch für ihre heilende Wirkung geschätzt und in der Medizin für alternative und ergänzende Therapien eingesetzt. Die Pflanzeninhaltsstoffe, insbesondere das Mistellektin und das Viscotoxin, wirken positiv auf das Immunsystem und werden seit einigen Jahren in der Krebstherapie verwendet. 2003 wurde die Mistel deshalb sogar zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Spektakuläre Lebensweise als „grüner Mitesser“

„Misteln wachsen mit ihren Wurzeln auf Bäumen und gelten als Halbschmarotzer. Sie können bis zu 70 Jahre alt werden“, erklärt Hans-Jürgen Gulder vom Germeringer Bund Naturschutz. Die Mistel bohrt ihre Wurzeln in die Leitungsbahnen der Bäume und entzieht ihnen mit zunehmenden Alter Wasser und gelöste Nährsalze, so dass die Astbereiche oberhalb des Mistelbusches nicht mehr ausreichend versorgt werden können und dürr werden. Trotzdem kann die Pflanze selbst Fotosynthese betreiben und somit einen Teil ihrer Nahrung herstellen.

Ausbreitung durch Vögel

Die sehr klebrigen, weißen Mistelbeeren reifen im Winter und werden nahezu ausschließlich durch Vögel wie zum Beispiel Mistel- und Wacholderdrossel oder durch exotische Wintergäste wie den Seidenschwanz verbreitet. Die Tiere schlucken die Beeren im Ganzen hinunter, dadurch bleibt der Mistelsamen unverletzt und wird im Vogelkot wieder ausgeschieden. Bei manchen Vogelarten, die nur das Fruchtfleisch fressen, bleibt der Samen am Schnabel kleben. Durch Putzversuche gelangt er dann zufällig an die Wirtsbäume und kann dort keimen. Die nährstoffreichen und süßen Beeren sind damit eine höchst attraktive Winternahrung für zahlreiche Vogelarten.

Zunehmende Gefahren für Bäume

Als Folge der rasant ansteigenden Klimaerwärmung breiten sich die Misteln in den letzten Jahren in einem Ausmaß aus, das zu großer Sorge Anlass gibt. Das gilt vor allem für Kiefern und Tannen, aber auch für Weiden, Pappeln, Birken und Vogelbeeren. In Jahren mit langanhaltenden Heiß-Trockenphasen wie 2015 oder 2018 schwächt der Wasserverbrauch der Misteln zusätzlich die ohnehin kritische Wasserversorgung der Bäume. Das kann dazu führen, dass diese vorzeitig eingeschlagen werden müssen. Außerdem wird die Wirtspflanze für weitere Schadorganismen disponiert. Besonders problematisch ist der zunehmende Befall von Apfelbäumen in Streuobstbeständen, die aufgrund ihrer Artenvielfalt von hoher ökologischer Bedeutung sind. Der stellenweise massive Befall ist jedoch auch eine Folge von Überalterung und fehlender Pflege durch regelmäßige Baumschnitte. Hintergrund ist der hohe Arbeitsaufwand und das Wegbrechen von landwirtschaftlichen Betrieben und Obstbauern. „Umso wichtiger sind daher staatliche Förderprogramme für die artenreichen Streuobstwiesen, Neupflanzungen junger Bäume und engagierte Bürger, die sich für die landschaftsprägenden Obstbaumgürtel einsetzen“.

red

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