Hecken statt Mauern

Mit großer Mehrheit beschlossen: Brucker Stadtrat einigt sich auf umfangreiche Freiflächen- und Gestaltungssatzung

Blickdichte, undurchlässige Einfriedungen sollen bei neuen Bauvorhaben in Fürstenfeldbruck nur noch in Ausnahmefällen genehmigt werden.
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Blickdichte, undurchlässige Einfriedungen wie diese sollen bei neuen Bauvorhaben nur noch in Ausnahmefällen genehmigt werden.

Fürstenfeldbruck – Mit großer Mehrheit verabschiedete der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung eine Gestaltungssatzung für die Große Kreisstadt. Groß angelegte Stein- und Schottergärten will man damit bei Neubauten ebenso verhindern wie blickdichte Mauern. Zudem müssen künftig Flachdächer ab einer bestimmten Größenordnung sowie Garagen und Carports begrünt werden.

Dem umfangreichen Regelwerk liegen zwei Anträge zugrunde: Vor drei Jahren beantragte die BBV-Fraktion, Einfriedungen von Grundstücken im Stadtgebiet per Satzung so zu regeln, dass diese keine wandartige Außenwirkung haben und für Kleintiere durchlässig sind. Ein Jahr später forderte die SPD ein Verbot von reinen Stein- und Schottergärten. Man wolle darauf hinwirken, „eine auf die heimische Insekten- und Tierwelt angepasste Begrünung der Gärten“ zu erzielen.

Ein Arbeitskreis hat unter Mitwirkung des Umweltbeirats aus beiden Anträgen einen umfangreichen Satzungsentwurf erarbeitet, der Regelungen zu Einfriedungen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie der Gartengestaltung bebauter Grundstücke beinhaltet. Ziel der Satzung ist es, „eine angemessene Durchgrünung und Gestaltung von Gebäuden und Baugrundstücken sowie deren Einfriedungen insbesondere im Hinblick auf ökologische, artenschutzrechtliche, klimatische und stadtplanerische Gesichtspunkte zu erreichen.“

Vorbehalte bei CSU und Freien Wählern

Vorbehalte kamen vor allem aus Reihen der CSU und Freien Wähler. So bewertet etwa Hans Schilling (CSU) das Ansinnen der BBV durchaus positiv, aber der vorgelegte Entwurf schieße „am Ziel vorbei“ und sei „ein zusätzliches Bauhemmnis.“ Vor allem die festgelegten Dach- und Fassadenbegrünungen kritisieren viele Christsoziale. So sollen Flachdächer ab 20 Quadratmeter sowie Garagen und Carports dauerhaft begrünt werden. Dächer mit Photovoltaik-Anlagen sind von dieser Regelung jedoch ausgenommen. Fraktionskollege Franz Höfelsauer würde lieber auf Freiwilligkeit setzen, statt auf Verbote. Zudem sieht er sich in seiner Entscheidungsfreiheit über das eigene Grundstück beschnitten.

Die Satzung gelte „nur für Neubauten. Altbestand und bereits genehmigte Bauvorhaben sind davon nicht betroffen“, entgegnete Baustadtrat Johannes Dachsel. „Es ist nicht so schlimm, wie von vielen befürchtet“, versuchte BBV-Sprecher Christian Götz die Kritiker zu beschwichtigen. Es stünden „viele praktische Sachen drin“ und biete immer noch viele Freiheiten. Außerdem wird der Erlass nach einer Geltungsdauer von zwei Jahren überprüft. Dann könne man gegebenenfalls immer noch Korrekturen vornehmen.

Thomas Brückner (Grüne) begrüßt ebenfalls die neue Verordnung. Begrünte Fassaden und Dächer seien eine Bereicherung und hätten zudem eine Schutzwirkung. Auch unterstützen sie die Artenvielfalt und üben als Luftreiniger einen positiven Einfluss auf das Mikroklima in städtischen Gebieten aus. CSU-Fraktionschef Andreas Lohde steht dem Entwurf zwar auch nicht vorbehaltlos gegenüber, sieht „aber durchaus Handlungsbedarf“ und stimmte mit einer zweidrittel Mehrheit für den Erlass der Gestaltungs- und Freiflächensatzung.

Peter Fischer

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