Milchviehhalter ziehen Bilanz

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Fassten die aktuelle Situation der Milchbauern zusammen: (Von links) Georg Spicker, 2. Vorsitzender Bund der Michbauern Fürstenfeldbruck, und Johann Schamberger, 1. Vorsitzender des BDM im Landkreis.

Maisach – Anlässlich des Besuches von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am 3. September im Maisacher Festzelt, fand zeitgleich ein Pressegespräch der Mitglieder des BDM-Kreisteams (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V.) auf dem Milchviehbetrieb Georg Spicker statt.

„Wir wollen auf die Entwicklungen der Milchviehbetriebe unter Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner aufmerksam machen“, erzählt Georg Spicker, 2. Vorsitzender des BDM-Kreisteams Fürstenfeldbruck. Ein am Hof befestigtes Banner mit der Aufschrift „Die Konzerne bestimmen jeden Tag, wer isst und wer lebt, und wer hungert und wer stirbt. Unsere Politiker dürfen nicht weiter Handlanger der Konzerne sein“ soll die Probleme der Milchwirtschaft verdeutlichen. 

Der beschleunigte Strukturwandel habe viele Veränderungen mit sich gebracht. Allein im Jahr 2012 haben fast fünf Prozent beziehungsweise 4350 der deutschen Milchviehhalter die Milchproduktion aufgegeben. Insgesamt waren es 15000 in der fünf Jahre dauernden Amtszeit. „Einen Strukturwandel gibt es zwar immer, aber fünf Prozent Betriebsaufgaben sind viel. Ich bin in Maisach der letzte Milchviehhalter“, so Georg Spicker. Gründe dafür seien nach Ansicht des BDM darin zu sehen, dass die Bundesministerin seit 2008 jegliche Maßnahmen, die die Milchviehhalter zum Gegensteuern gefordert haben, abgelehnt habe. Sie folgte damit der Kampagne der deutschen Milchindustrie, die einen möglichst günstigen Einkauf von Milch anstrebten. Die Folgen seien immer wiederkehrende Milchmarktkrisen.

Georg Spicker spricht außerdem von der zunehmenden Importabhängigkeit. Deutschland und die EU produzieren immer größere Milchmengen und es werden immer mehr Milchprodukte ohne Wertschöpfung exportiert. Der daraus resultierende Futtermittelbedarf wird über Importe aufgefangen und dadurch heimische Landwirtschaft zerstört. Die Mitglieder des Kreisteams sehen in der großen Exportorientierung Probleme: „Heutzutage ist alles dem Wirt-schaftswachstum unterstellt. Der Markt braucht Regeln, sonst bricht er total zusammen“, betont Georg Spicker.

Deswegen fordert der BDM eine flexible Marktsteuerung, die durch strategische Produktionsreserven, einer freiwilligen Mengenstilllegung gegen Vergütung und durch strategische Lagerhaltung erreicht werden könne. „Wir Milcherzeuger sollen die Möglichkeit haben, zeitlich befristet einen Teil unserer Milchproduktion stillzulegen“, sagt Georg Spicker. „Mit einer Ausfallentschädigung bei Produktionsverzicht können Marktverwerfungen ausgeglichen werden.“

Der BDM steht für eine gesellschaftsverträgliche, nachhaltige und vielfältige Milchwirtschaft zum Nutzen aller. Er setzt sich für Nachhaltigkeit ein, indem er die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Milchsektors stärkt und strebt ein Wirtschaften an, das weitgehendst von den Steuergeldern der öffentlichen Haushalte unabhängig ist.

Nicole Burk

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