Mitgliederversammlung

Metzger-Innung in der Krise

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Metzger-Obermeister Engelbert Jais (links) und sein Stellvertreter Bernhard Huber denken laut über einen Abschied bei den Neuwahlen im Herbst nach

Droht der Brucker Metzger-Innung das Aus? Bei der Mitgliederversammlung am 22. März im Gasthaus Mösl in Germerswang kündigte Obermeister Engelbert Jais an, bei den turnusmäßig anstehenden Neuwahlen im Herbst nicht mehr antreten zu wollen.

Germerswang – Auch der stellvertretende Obermeister Bernhard Huber wollte sich hinsichtlich einer erneuten Kandidatur nicht festlegen. „Ich werde aber alles daransetzen, dass wir eine Vorstandschaft auf die Beine stellen“, versprach Jais. Der Luttenwanger Metzgermeister, der neben Huber und Hermann Eberle aus Karlsfeld zu den drei Gesellschaftern des neuen Brucker Schlachthofs zählt, appellierte vor allem an die „jungen Wilden“ unter den Mitgliedern der 20 Metzgerbetriebe im Landkreis. Als eine der „letzten Möglichkeiten“ sieht Jais dabei, eine Fusion mit einer benachbarten Innung. Der Beauftragte der Kreishandwerkerschaft, Ehrenhandwerksmeister Franz Höfelsauer warnte vor der Auflösung der Innung und hielt auch eine Fusion nicht für sinnvoll. Er gab der jetzigen Vorstandschaft vielmehr mit auf den Weg, in Ruhe einen Nachfolger aufzubauen. Das gehe nicht von heute auf morgen, denn so ein Ehrenamt müsse derjenige auch mit seinem Betrieb vereinbaren können. „Der Obermeister präsentiert die Innung in der Öffentlichkeit“, stellte Höfelsauer aber die Verantwortung heraus, ebenso wie die Wertschätzung und das Ansehen, das einem Obermeister dabei widerfahre. 

Metzger-Innung auf der FFB-Schau?

Einen bereiten Raum nahm eine Diskussion unter den 14 anwesenden Metzgern ein, ob sie erneut an der im Herbst in Olching stattfindenden FFB-Schau teilnehmen sollen oder nicht. „Eine bessere Möglichkeit, unser Handwerk einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es nicht“, brach Wolfgang Wirth aus Puchheim eine Lanze für eine erneute Teilnahme, „aber wir brauchen auch mehr Unterstützung durch die Innung.“ Der stellvertretende Obermeister, Bernhard Huber aus Jesenwang, der mit Jais verstärkt im neuen Schlachthof engagiert ist, forderte die anwesenden Metzger zu einer aktiven Teilnahme auf. „Es müssen alle mitziehen, ansonsten wird das nichts“, sagte er. „Unsere gläserne Wurstküche zählte stets zu einem Anziehungspunkt bei der Messe“, sprach sich auch Jais für eine erneute Teilnahme aus und freute sich über die konstruktive Diskussion, die ihn zuversichtlich stimmte. Die Metzger kamen überein, bis Ende Mai eine „Mannschaft“ aufzustellen, wer und an welchem Tag der insgesamt fünf Tage dauernden Messe zur Verfügung steht. 

Freude über Schlachthof-Wiedereröffnung

Die Schließung des Brucker Schlachthofes wegen Verstöße gegen den Tierschutz im Mai des vergangenen Jahres und Wiedereröffnung unter dem Namen „Schlachthof Hasenheide“ mit einem neuen Führungsteam waren das beherrschende Thema beim Jahresbericht von Obermeister Engelbert Jais. „Ich war sofort der Meinung, der Schlachthof muss erhalten bleiben“, berichtete Jais von der schwierigen Zeit bis zur Wiedereröffnung. „Unsere 20 Innungsbetriebe brauchen einen regionalen Schlachthof. Drum haben wir neun Monate dafür gekämpft. Wir mussten quasi bei null anfangen“, ließ Jais die Zeit des Umbaus des Schlachthofs insbesondere des tierschutzrelevanten Bereichs noch einmal Revue passieren. Man habe sich ein eigenes Konzept ausdenken müssen, ohne jegliche Unterstützung. Am Ende sei die Regierung von Oberbayern bei der Abschlussbegutachtung gar begeistert gewesen. Mit Stolz erfüllte den Obermeister dabei, als der Schlachthof dann endlich die Betriebserlaubnis erhielt. „Die Mühen haben sich gelohnt. Jetzt sind wir total happy.“ Seit sechs Wochen wird geschlachtet im neuen Schlachthof. „Es sind alles neue Leute, die erst eingearbeitet werden müssen“, informierte Jais. Man werde nur langsam den Betrieb hochfahren. „Wir üben keinen Druck auf die Mannschaft aus“, sagte Jais. 

„Der Tierschutz muss passen."

Einziger Wermutstropfen: die Gebühren seien höher geworden, im Verhältnis aber immer noch in Ordnung. Im Schlachthof sei es immer noch günstiger, als wenn Tierärzte zu einzelnen Metzgern fahren würden. Dass auch das Schlachten als solches teurer geworden sei, sei folgerichtig – schließlich sei jetzt der Tierschutzbeauftragte fest angestellt, was natürlich mehr koste als früher. Jais: „Der Tierschutz muss passen. Da spare ich null, da gibt es keine Diskussionen.“ Gleichwohl findet im April nochmals ein Gespräch mit Landrat Thomas Karmasin wegen der Fleischbeschaugebühren statt. 

Dieter Metzler

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