Mordsgeschichten im Umfeld von Bruck - Ein Erstlingskrimi, der nichts auslässt

Die von Markus Ridder, geb. 1971, geschriebene "Die Krabbe" nur schlicht als Krimi zu betiteln, ist untertrieben. Der mit 375 Seiten reichlich ausgewachsene Kriminalroman ist zu Genüge ausgestattet mit Konflikt- und Gewaltfeldern. Das Erstlingswerk des heute in München lebenden Autors lässt nichts aus, was menschliche Verwerfungen anbelangt.

So schildert Ridder fast genüsslich über eine Strecke von insgesamt 35 Seiten den Mord an einer jungen Frau, deren einzige Schuld darin bestand, als vermutete Augenzeugin “zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein". Man wird später die zerstückelte Leiche in ihren Einzelteilen aus dem Ammerseefischen. Originalton des Täters: “Den Kopf hatte ich mir bis zum Schluß aufgehoben.“ Der Liebreiz der Seen-Landschaft um Landsberg einschließlich der häufigen Naturbilder und sehr präzisen Ortsbeschreibungen kontrastiert mit der desolaten Grundstimmung des Protagonisten: Geldsorgen, berufliche Fehlschläge und Mobbing, Lügen, Verdächtigungen und (Ent-)Täuschungen, häusliche Gewalt, Ehebruch und schließlich Erpressung und Mord sind nur einige der Themen, mit denen sich „der Held“ der Geschichte herumschlagen muss. Max Baum, Hauptfigur des mit großem erzählerischem Geschick inszenierten Stoffes, hat eine Vorliebe für Lech, See und verschlammte Golfteiche, ist nachtaktiv, ständig übermüdet und wirft sich des öfteren mal eine “Handvoll Wasser ins Gesicht“. Er ist verheiratet mit einer Lehrerin, die in ihrer Herkunft einen nachteiligen “asiatischen Hintergrund“ vorweist. Kim ist mit ihrem beruflichen Leidensweg die zweite Ebene dieses Kriminalromans. Insgesamt ist es ein unausweichlicher, erschreckender Sog, in den der in Landsberg tätige Detektiv und frühere Journalist Baum gerät – und mit ihm seine Ehefrau. Baum wird getrieben von finanziellen Sorgen und so dazu verleitet, von der Ermittler- auf die Täterseite zu wechseln. Doch was als einmalige Angelegenheit geplant war, entwickelt seine ganz eigene Dynamik: So gilt es die Tat zu vertuschen und ständig neu auftretende Spuren zu beseitigen – auch wenn dies neue Verbrechen mit sich bringt. Hier kommt aus Fürstenfeldbruck eine lebenserfahrene, charismatische Kommissarin samt ihrem mitermittelnden Gehilfen ins Spiel, denn die hiesige Polizeidienststelle ist bekanntlich auch für den Landkreis Landsberg a. Lech zuständig. Und Max Baum ahnt Unheil in seiner Detektei: “Ich sprang zum Fenster. Das hatte gerade noch gefehlt. Der erdgraue Passat dieser komischen Fürstenfeldbrucker Kommissarin!“ Frau von Schmettau scheint das Lügengebilde des sich tarnenden Täters zu durchblicken, zögert aber mit einem intuitiven Zugriff aufgrund der noch nicht ganz geschlossenen Beweiskette. Dennoch: Die Schlinge um den Hals Max Baums wird immer enger. Bis zum Schluss bleibt offen, ob Baum entkommen wird oder ob ihn die Fürstenfeldbrucker Kommissarin dingfest machen kann. Hieraus bezieht das Buch eine unwiderstehliche Spannung, der sich der Leser kaum entziehen kann. Über Fürstenfeldbruck schreibt der Autor im Zusammenhang mit einem Besuch von Max Baum bei seinem Freund Jens, der hier lebt und arbeitet, “Die Bundesstraße läuft direkt durch den Ortskern dieser kleinen Stadt hindurch, zerreißt sie förmlich mit ihrer Karawane aus Blech, die sich Tag für Tag über sie hinwegwälzt. Der Ort wäre perfekt für uns gewesen Vor einigen Jahren, als wir beschlossen hatten, ins Münchner Umland zu ziehen, hatten Kim und ich hier einmal eine Stadtbesichtigung gemacht. Der Ort wäre perfekt für uns gewesen: Nicht zu groß, nicht zu klein, hat einen S-Bahn-Anschluß und ist nahe an München gelegen - doch schreckte uns die Verkehrssituation ab, so dass wir uns für das Landsberger Umland entschieden. Dabei hatte Fürstenfeldbruck sehr schöne Ecken!“

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