Vom Mossad-Agenten zum Schriftsteller – Nach dem Buch über Sylvia Rafael plant Moti Kfir ein weiteres Buch

Moti Kfir, früherer Leiter der "academy for special operations" des israelischen Mossad, beim Interview in der Lobby eines Hotels in Tel Aviv. Foto: Hedwig Spies

Mit seinem Buch über die von ihm rekrutierte Mossad-Agentin Sylvia Rafael trat der ehemalige Leiter der Akademie für spezielle Operationen der Einheit 188 des israelischen Geheimdienstes Mossad, Moti Kfir , erstmals ans Licht der Öffentlichkeit. Er hat Sylvia Rafael für den Mossad rekrutiert und mit dem israelischen Erfolgs-Autor Ram Oren ein Buch über die Zeit nach dem Olympia-Attentat geschrieben, das nun auch in die deutsche Sprache übersetzt und in Deutschland verlegt wurde. Moti Kir, nun Geschäftsmann in Tel Aviv, plant ein neues Buchprojekt über den Jüdischen Widerstand während der deutschen Okkupation in Frankreich im 2. Weltkrieg und die Verfolgung der Juden.

Drei Jahre habe er an dem Buch über die von ihm rekrutierte Sylvia Rafael gearbeitet, sagt Moti Kfir bei einem Interview am 22. Februar 2012 in der Lobby eines Tel Aviver Hotels. Eine "outstanding personality“ – eine außergewöhnliche Persönlichkeit sei die inzwischen an Blutkrebs verstorbene ehemalige Agentin gewesen, so Kfir. Er hebt ihre Kompetenz hervor, ihre uneigennützige Art: Der Mossad hege eine Vorliebe für Mitarbeiter, die ihre Motivation nicht „by money“ – durch finanzielle Anreize – beziehen, sondern dem Jüdischen Staat und seiner Sicherheit zu dienen bereit sind. In jeder Lage und unter einer Legende. „Man muss lügen, aber man darf nicht sich selbst belügen“, sagt Moti Kfir. Wer rekrutiert wird, durchläuft strenge Prüfungen und einen harten Test beim Psychologen des Geheimdienstes. In einem Tel Aviver Café wurde Sylvia Rafael in Kenntnis gesetzt, dass sie die Hürden für ein Training beim Mossad erfolgreich gemeistert habe. Den wirklichen Namen ihres Recruiters „Gad“ kannte sie nicht. „She was balanced“, sagt Moti Kfir. Das bedeutet, die aus Südafrika nach Israel eingewanderte Tochter eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter war eine ausgeglichene Persönlichkeit. Am härtesten im Leben eines Agenten sei, dass man nicht einmal mit dem Ehe- oder Lebenspartner über die geheime Arbeit sprechen könne. „Clandestine“ – „Geheimhaltung“ sei unabdingbare Voraussetzung. Im Gegensatz zu etlichen europäischen Geheimdiensten wie z.B. dem BND, dessen Mitarbeiter unbewaffnet operieren, droht Feinden des Staates Israel wie z.B. nach dem Olympia-Attentat dem „Roten Prinz“ und seinen beteiligten Terroristen des Schwarzen Septembers die „assassination“ - Liquidierung durch Agenten. Zwar dauerte die Verfolgung von Ali Hassan Salameh schließlich sechs lange Jahre und führte zu der tragischen Verwechslung mit einem unschuldigen Kellner marokkanischer Herkunft in Lillehammer/Norwegen, doch Sylvia Rafael, die nach dem Ereignis aus dem Dienst ausgeschieden war und später ihren norwegischen Strafverteidiger heiratete und in Norwegen selbst ins Visier der Terroristen geriet, erlebte noch eine Genugtuung: das Ende der Verfolgungsjagd in Beirut, wo der von Arafat unterstützte „Rote Prinz“ einem Sprengstoff-Anschlag zum Opfer fiel. Dessen zweite Ehefrau, eine libanesische Schönheitskönigin, und mit dem zweiten Kind schwanger, mußte vom Balkon ihres Hauses in einer Prachtstraße Beiruts den Tod ihres Mannes miterleben. Moti Kfir lebt seit seinem Ausscheiden aus dem Mossad als Geschäftsmann in Tel Aviv. Nicht weit vom Geburtsort des „Roten Prinzen“ entfernt lag auch die Farm des ehemaligen Agenten, der sich auch mit der Schafzucht beschäftigte: „See my hands, Iam a farmer“, kokettiert Kfir und setzt im gleichen Moment hinzu, dass er einen akademischen Grad an der Sorbonne erworben habe. Europa und speziell Frankreich waren sein früheres Operations-Feld. Nicht nur deshalb dreht sich ein neues Buch-Projekt von Moti Kfir um den Jüdischen Widerstand in Frankreich während der Deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg und um die Verfolgung der Juden.

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