Multimedia ohne Grenzen - Internet-Fahnder gab Eltern Tipps - Bundesverfassungsgerichts-Urteil erschwert Fahndung

Längst ist das Internet zum wichtigsten Medium für Kinder und Jugendliche geworden. 80 Prozent der sechs bis 17-Jährigen haben zu Hause Zugang zu einem Computer. Eine tolle Sache, doch das Surfen im weltweiten Netz ist für die Kids nicht ohne Risiko. „Multimedia ohne Grenzen? – oder – Nur ein Mausklick bis zum Grauen!“ Auf Einladung des CSU-Ortsverbandes Gröbenzell referierte Deutschlands Internet-Fahnder Nummer eins, Kriminalhauptkommissar und EDV-Sachverständiger Rainer Richard im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Hanns Seidel Stiftung über die Gefahren im Internet. Trotz des brisanten Themas fanden nur zehn interessierte Besucher den Weg in den Seminarraum im Freizeitzentrum an der Wildmoosstraße.

Nur zu gern nutzen Jugendliche das Internet zur Kommunikation. Chatrooms laden zum Plaudern ein. Bei den sozialen Netzwerken gehen die Jugendlichen sehr offen, oft zu freizügig mit ihren Daten und Fotos um. Doch gerade dadurch machen sie sich anfällig, einmal Opfer einer virtuellen Mobbing-Attacke zu werden, berichtete Richard. Je mehr persönliche Daten sie von sich preisgegeben, desto größer ist die Chance, im Netz verunglimpft zu werden. Dabei sollten sie sich bewusst sein, das Personalagenturen, wenn es um eine berufliche Bewerbung geht, auch das Internet für Recherchen über die Person nutzen, warnte Richard. Wie schnell beispielsweise ein Porträtbild dabei zu einem Pornobild umgestaltet werden kann, demonstrierte der seit 1995 beim Münchner Polizeipräsidium als Internet-Fahnder tätige Richard mit wenigen Mausklicks. Der junge Chatter sollte unbedingt wissen, dass der Chatpartner nicht derjenige sein muss, für den er sich häufig ausgibt. Gerade Pädophile nutzen gezielt Chatrooms, um minderjährige Opfer zu finden. Getarnt als Gleichaltrige machen sie unmissverständliche Angebote, selbst, wenn es zu keinem Treffen kommt, kommen die Triebtäter bis ins Kinderzimmer – per Webcam. Während in Bayern die Quote der Eltern unter fünf Prozent bei der Online-Kommunikation liegt, erfreut sich das Chatten bei den Kindern größter Beliebtheit. Hier sind es nahezu 80 Prozent. Richard riet, die Eltern sollten in den Netzwerken und Chatrooms nach Bildern und Texten von Bekannten suchen. Auf diese Weise könnten die Jugendlichen am ehesten verstehen, warum man persönliche Daten und private Fotos nicht ins Internet stellen sollte. Diese könnten sonst allzu leicht auch für das so genannte Cybermobbing genutzt werden. Falls Bilder der Kinder unerlaubt im Netz auftauchen, rät Richard zur Offensive: Eltern sollten das Geschehene dokumentieren, Beweise sammeln, Screenhots machen und möglichst zur Polizei gehen. Deutschland, so Richard, habe zwar eines der besten Jugendschutzgesetze überhaupt, doch Anbieter von Gewalt und Pornografie im Internet kümmere das wenig. Mit schockierenden Bildern demonstrierte er, was Kinder alles erwartet: Folter- und Vergewaltigung – nicht nachgespielt, sondern echt – sind im Internet leicht zu bekommen. In den Niederlanden, so Richard, laufen Hardcore-Pornos unverschlüsselt über den Fernsehschirm. Das Internet kennt keine Ländergrenzen und was in Deutschland gelte, das ist beispielsweise in den USA ohne Bedeutung. Eine Kontrolle sei fast nicht möglich. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Frühjahr 2010, wonach die Speicherung der Telekommunikationsdaten für verfassungswidrig erklärt wurde, stelle einen Freibrief für die Täter dar und erschwere eine Fahndung, bedauerte Richard das Urteil. Zum Abschluss gab der Internet-Fahnder den Zuhörern Tipps auf den Weg. Wichtig sei vor allem die persönliche Zuwendung, so Richard. Strikte Verbote hingegen seien der verkehrte Weg, vielmehr Verständnis und verstärkte Kontrollen sowie technische Vorkehrungen wie beispielsweise die Installation von Filtersoftware oder eine Software für Zugangsbeschränkungen. Für wichtig sei vor allem aber die Erziehung zu mehr Medienkompetenz, damit die Kids die problematischen Seiten des Internets meiden und die positiven sinnvoll nutzen.

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