Modehaus Kohl schließt

Modehaus Kohl gibt auf 

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Das Modehaus Kohl und der Tally Weijl Store prägten lange Zeit das Stadtbild, Mitte des Jahres ist damit Schluss.

Fürstenfeldbruck – Eine Ära in der Kreisstadt geht Mitte des Jahres zu Ende. Mit dem bekannten Modehaus Kohl in der Brucker Hauptstraße macht ein weiteres Fürstenfeldbrucker Traditionsgeschäft dicht.

112 Jahre prägte das Modehaus Kohl das Bild der Brucker Innenstadt. Mit dem Hauptgeschäft schließt zu gleicher Zeit auch der angegliederte Tally Weijl Store seine Pforten. Dies gab nun die Geschäftsleitung des Modehauses Kohl am 22. Februar bekannt. Von der Schließung sind rund 30 Angestellte betroffen, die ihren Arbeitsplatz verlieren.

Konkurrenz Einkaufszentren und Internet

Der starke Wettbewerb durch die Pasing Arcaden und das Internet machen es immer schwieriger am Markt zu bestehen, führte Prokuristin Elisabeth Heinz, die Tochter des im Dezember 2016 verstorbenen Geschäftsinhabers Wilhelm Kohl, als Hauptgründe der Geschäftsaufgabe an. „Sowohl Augsburg als auch die Pasing-Arcaden sind Orte zum Wohlfühlen mit bequemen Parkmöglichkeiten und einem vielfältigen Angebot. Dies schätzen die Kunden“, ergänzte Heinz ihre Aussage.

Verwinkelte Verkaufsflächen, keine Parkplätze

„Wir mussten eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll in den nächsten Jahren“, erklärte Heinz. Dabei sei eine Planung mit Weitsicht notwendig. „Leider konnten wir kein anderes etabliertes Textilunternehmen für die Immobilie und den Geschäftsbetrieb begeistern, so dass uns am Ende nur die Schließung übrig bleibt.“ Mit ausschlaggebend dürften dabei die zahlreich verwinkelten Verkaufsflächen gewesen sein, die ein Nutzung erschweren und für andere Handelsunternehmen unattraktiv machen. Aus diesem Grund hat sich die Familie entschlossen, die Gebäude an den lokalen Bauträger Vilgertshofer aus Alling zu verkaufen. So sei eine Modernisierung der Flächen bei bestehendem Ensembleschutz möglich, erklärte Heinz.

Mit Kolonialwaren hat alles begonnen

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, sagte die Prokuristin. „Insbesondere wegen der vielen Mitarbeiter. Wir sind zu einer echten Familie zusammengewachsen.“ Vor allem die Unterstützung durch die Mitarbeiter sei in den vergangenen Jahren einfach überwältigend gewesen. „Das hat uns sehr stolz gemacht. Umso mehr schmerzt es, dass nun bald Schluss ist.“

Im Jahre 1906 eröffnete Anna Kohl im Zentrum von Bruck einen kleinen Kolonial- und Gemischtwarenhandel. Damit begann die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens. 108 Jahre und vier Generationen später war das zu einem Modehaus emporgestiegene Unternehmen längst ein weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekanntes und beliebtes Bekleidungsgeschäft für die ganze Familie. Auf über 1.500 Quadratmetern fanden die Kunden Damen- und Herrenbekleidung sowie Baby- und Kinderbekleidung.

Filialen in Perlach und Füssen bleiben

„Drei Dinge waren uns von unserer Vorfahrin stets geblieben“, sagt Elisabeth Heinz. „Das war in erster Linie die Begeisterung für qualitativ hochwertige und individuelle Produkte. Wie sie schon vor über 100 Jahren, als Anna Kohl ihre Ware aus Übersee bezog, um ihren Kunden etwas Besonderes zu bieten, so fokussierten wir uns auf individuelle und kleine Labels mit inspirierenden Ideen und dem gewissen Etwas.“ Elisabeth Heinz unterstützte ab 2014 ihre Eltern. Ihr Vater lenkte über 40 Jahre erfolgreich die Geschicke des Familienunternehmens, wobei ihm Ehefrau Monika Bullinger-Kohl seit 1996 zur Seite stand. Nicht betroffen von der Schließung sind die beiden Filialen des Modehauses in Füssen und im Perlacher Einkaufszentrum.

Hoffnung auf gute Nachfolge

„Die Schließung des Modehaus Kohl ist ein sehr herber Verlust für die Stadt, den Landkreis und dem Gewerbeortsverband“, sagte der erste Vorsitzende des Brucker Gewerbeverbandes, Franz Höfelsauer. „Über Jahrzehnte war das Modehaus über die Stadtgrenzen hinaus ein bekanntes und kundenbringendes Fachgeschäft für die Innenstadt. Die aktive Teilnahme an Events des Gewerbeortsverbandes war stets eine große Bereicherung. Als Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes war Willi Kohl über viele Jahre eine Säule in der Zusammenarbeit von Mittelstand, Einzelhandel und Gewerbe.“ Er hoffe nur, so Höfelsauer, dass die Nachfolge nicht ein großer Filialist oder eine Kette ist. Die Erfahrung habe gezeigt, dass diese sehr selten Interesse an der Innenstadtentwicklung zeigen und nur an der Abschöpfung der guten Kaufkraft interessiert seien.

Dieter Metzler

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