Nachforschungen über den Reichsarbeitsdienst im Landkreis-Westen FFB - Verein Lebensraum Haspelmoor recherchierte

Toni Drexler las als stv. Vorstand der Vereinigung „Lebensraum Haspelmoor“ aus der Entwicklung des NS-Reichsarbeitsdienstes in diesem Bereich - und dem verhinderten RAD-Lager Althegnenberg für junge Frauen. Foto: Günter Schäftlein

Nicht als Kreisheimatpfleger, sondern als stv. Vorstand des Vereins „Lebensraum Haspelmoor“ möchte Toni Drexler das Ergebnis seiner Nachforschungen über den Reichsarbeitsdienst (RAD) im Landkreis-Westen verbreitet sehen. Hierzu gab es bereits einen Vorläufer mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) zwischen 1929 u. 1935.

Mit dem RAD-Gesetz vom 26. Juni 1935 bekam die vorherige freiwillige Dienstleistung FAD - ausgelöst durch den Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 und die daraus resultierenden Arbeitsmarktprobleme - eine verpflichtende Zwangsverfassung: „Der Reichsarbeitsdienst ist Ehrendienst am deutschen Volke. Alle junge Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volke im Reichsarbeitsdienst zu dienen.“ Eine Erziehung zur Volksgemeinschaft und wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit. Der RAD wurde Unterorganisation des NS-Regimes, „ein zeitliches und persönliches Bindeglied zwischen Hitler-Jugend (HJ) / Bund Deutscher Mädel (BDM) und dem Wehrdienst für die Männer.“ Das Arbeitsdienstlager Haspelmoor begann für den FAD mit 16 arbeitslosen Arbeitern im Sept. 1932, zunächst mit dem Bau einer Holzbaracke. Versorgt wurden sie in der Eberl’schen Gastwirtschaft in Haspelmoor. Die Aufgabenstellung lautete „Kultivierungsarbeiten im Moor mit Trockenlegeungen zur Verbesserung landwirtschaftlicher Erträge“. Angedacht war auch die Schaffung eines Ortsverbindungsweges von Hörbach nach Haspelmoor. Das ebenfalls an freiwilligen Arbeitskräften interessierte Forstamt FFB beurteilte schon 1933: „Der FAD wird als Arbeitsträger die Kultivierung des westlichen Haspelmoors nicht fertig bringen und die Arbeit abbrechen müssen.“ In dem neu errichteten FAD-Barackenlager herrschten fast unzumutbare Verhältnisse in der Wasserversorgung und Hygiene. Im Juni 1933 wurde das Lager Haspelmoor abgebrochen, anfallende Arbeiten hauptsächlich vom FAD Mering übernommen. Die Rekrutierung des ersten RAD-Jahrgangs erfolgte zum 1. Oktober 1935; beim weiblichen Arbeitsdienst wurde die Freiwilligkeit aus organisatorischen und finanziellen Gründen noch länger beibehalten. Im April/Mai 1936 entstand im Haspelmoor ein RAD-Lager, südlich des ehemaligen Moorversuchsguts und angrenzend am das Gelände des stillgelegten Torf-/Mullewerkes. Der spätere Bahnhofsvorstand von Haspelmoor, Ludwig Eiban, erinnerte sich an diese Zeit, die er als Jugendlicher miterlebte. Er habe dort gesehen, wie der RAD Straßen, Trinkwasserbrunnen und Baracken baute. Aber auch mit der Übernahme des Arbeitsdienstes durch den RAD änderten sich die belastenden Lebensbedingungen im Lager Haspelmoor nicht: Amtliche Gutachten berichteten über nichtausreichendes Trink.- und Brauchwasser sowie miserable Abort- und Abwasserverhältnisse. Ein Zeitzeuge - Otto Schlosser, am 1. April 1939 zum RAD einberufen - berichtete vom Aubau eines noch neueren Haspelmoor-Lagers: 3 bis 5 Baracken wurden aus Fertigbauteilen in 6 Wochen errichtet. „Ab Mai 1939 waren sie im Lager untergebracht, wo sie nun für den Grabenbau eingesetzt wurden. Der Arbeitstag begann um 5 Uhr mit dem Wecken …“ Agnes Drexler, 1921 in Hörbach geboren, ergänzt die Aussagen mit „Es gab Konflikte mit der örtlichen Dorfjugend, da die Arbeitsdienstler öfters versuchten, bei den hiesigen Madeln zu fensterln. Sie wurden mit Holzscheitern als Wurfgeschosse von den einheimischen Burschen vertrieben.“ Kurz vor Ausbruch des WK II 1939 und im März 1940 wurden RAD-Leute vom Brucker Forstamt um Hilfe nach gewaltigem Windwurf und Schneebruch im Walddistrikt Haspel gebeten. Aus einer Notiz des RAD-Arbeitsgaus Bayern-Hochland vom Mai 1940 geht hervor, dass die Abt. Haspelmoor verlegt werden sollte. Toni Drexler: „Dennoch bestand das RAD-Lager Haspelmoor bis Kriegsende.“ Eine weitere Arbeitsdienst-Historie rankt sich um das bis zum März 1943 verfolgte NS-Vorhaben zu einem RAD-Lager für junge Frauen in Althegnenberg - was schließlich auch am Grundstückswiderstand der kath. Kirche scheiterte.

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