Nachforschungen nach dem langen Eichenpfahl verliefen bislang im Sande

Nazi-Relikt verschwunden

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Wohin verschwand der vier Meter lange Eichenstamm aus dem Fliegerhorst?

Fürstenfeldbruck – Ein etwa vier Meter langer Eichenstamm, der mit Wappen-Schnitzereien aus der Nazizeit verziert war, ist auf mysteriöse Weise aus dem Fliegerhorst verschwunden. Nach Auskunft des Leiters des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums, Herwig Bahner, verliefen seine Nachforschungen nach dem schweren Pfahl im Sande.

„Natürlich haben wir von der Existenz des Eichenstamms gewusst, auch wo er sich zuletzt befand“, teilte Bahner auf Nachfrage mit. Gerüchteweise habe er aber gehört, dass einige Leute den Stamm abtransportiert haben, nachdem das Gelände im September 2015 an die Regierung von Oberbayern zur Erweiterung der Erstaufnahmeeinrichtung abgegeben worden war. „Welche Leute das waren, wissen wir nicht. Von meinem Personal hat jedenfalls niemand den Stamm weg transportiert.“ Der Eichenstamm hatte in etwa 2,50 Meter Höhe drei Wappen eingeschnitzt, die das erste, zweite und dritte Reich versinnbildlichen sollten. Es stellte jeweils einen Adler dar, der in seinen Klauen die entsprechenden Jahreszahlen festhielt. Nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten stellte Hitler-Deutschland das Dritte Reich, also von 1933 an, dar, sozusagen als Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen von 800 bis 1806 (erstes) und von 1871 bis 1918 (zweites).

Dass das Relikt verschwunden ist, kam auf, als die Militärhistorische Sammlung, die mit viel Herzblut von Henning Remmers und Harald Meyer, zwei ehemaligen Piloten, im Laufe zweier Jahrzehnten zusammengetragen wurde, ihre Ausstellungsräume im Fliegerhorst wegen der Abgabe des Gebäudes für die Flüchtlingsaufnahme räumen musste. Die wechselvolle Geschichte des Eichenstammes wusste Oberstleutnant a. D. Remmers zu erzählen. Ursprünglich stand der Eichenstamm am Eingang des ehemaligen Kommandeur- Wohngebäudes an der Ecke Lütow- und Grafenreuthstraße. Von diesem Gebäude, das nach dem Brand des Offizierheims im Jahre 1978, für einige Zeit als Interims-Offizierheim genutzt und später dann an die Brucker Kinderhilfe abgegeben wurde, wanderte der monströse Stamm ins Altholzlager. Dort wurde später, auch das ist nicht bekannt, von wem, womöglich eine historische Bedeutung ausgemacht. Seitdem fand der Stamm im Eingangsbereich der ehemaligen Bibliothek einen Platz, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Militärhistorischen Sammlung. „Zu unserer Sammlung passte der Eichenstamm natürlich überhaupt nicht“, erzählt Remmers.

Denn die Militärhistorische Sammlung enthält ausschließlich die Informationen und Geschichten rund um den Flugbetrieb der Luftwaffe auf dem Flugplatz Fursty von 1956 an, und klammert die Wehrmachtszeit aus. „Also haben wir uns auch nicht, nachdem wir drei Räume im Captain-Higgins- Gebäude für unsere Militärhistorische Sammlung als neues Domizil erhielten, nach dem Umzug um den Eichenstamm gekümmert.“ Auf schriftliche Nachfrage bei der Regierung von Oberbayern erhielt die Presse von Carina Karg von der Pressestelle nachfolgende Stellungnahme: „In Zusammenarbeit mit der zuständigen Gebietsreferentin des Landesamtes für Denkmalschutz (LfD) wurden 2014 – vor der Unterbringung von Asylbewerbern – die schützenswerten Gegenstände in den betroffenen Gebäuden im Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck definiert. Dazu gehörten unter anderem, wie bereits von Ihnen erwähnt, diverse Lampen, Gemälde und auch Möbel, die transportiert oder vor Ort gesichert werden konnten. Die Objekte sind katalogisiert und einem separaten, nicht frei zugänglichen Raum gelagert. Der von Ihnen angesprochene Pfahl ist nicht darunter. Dieser Stützbalken war zwar als Teil der Ausstattung im selben Raum wie die restlichen Ausstellungsstücke unterbracht, aber nicht Gegenstand der Sammlung. Derzeit können wir zum Verbleib dieses konkreten Gegenstands leider nicht mehr sagen. Personeller Wechsel sowohl im Bereich der Aufnahmeeinrichtung als auch im Bereich der Staatlichen Bauämter hindert eine schnellere Recherche. Wir werden den Verbleib dieses einzelnen Gegenstands weiterhin im Auge behalten, können aber aktuell – wie gesagt – keine genauere Auskunft geben.“

Dieter Metzler

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