Neuer Kommandeur der 1. Luftwaffendivision Generalmajor Robert Löwenstein befürchtet keine gravierenden Veränderungen für Standort

Seit 18. Juni führt Generalmajor Robert Löwenstein das Kommando 1. Luftwaffen Division im Brucker Fliegerhorst und nimmt zugleich die Aufgaben als Standortältester wahr. Foto: Dieter Metzler

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ab ersten Juli 2011 werde ein Umbau der Streitkräfte unabdingbar, erklärte der neue Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, bei einem Pressegespräch am 29. September im Brucker Fliegerhorst. Schon aus haushaltsrechtlichen Gründen werde man an einer Reform nicht vorbei kommen. Diese sieht nach Vorstellungen des Bundesministers der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, eine Reduzierung der Gesamtstärke der Bundeswehr von 250.000 auf 163.500 Mann vor.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber zu früh für eine Aussage, ob die 3.100 Soldaten und Zivilbeschäftigten im Brucker Fliegerhorst von einer Reduzierung betroffen sein werden. „Ich kann mir keinen Standort vorstellen, der von der Reform nicht betroffen sein wird“, führte der Standortälteste aus. Gleichwohl glaubt Löwenstein, dass Fursty keine gravierenden Veränderungen erleben werde. Wenn die Offizierschule der Luftwaffe am Standort verbleibt, so Löwenstein, sehe er keine Gefahr für eine Reduzierung. Auch sei es schwer vorstellbar, dass sich beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe tiefere Einschnitte ergeben werden. Die Rückführung der in der Teilstreitkraft Luftwaffe im operativen Bereich eingesetzten Stärke von 34.000 auf 21.000 Soldaten sieht der Divisionskommandeur aber eher als problematisch an. Wünschenswert wären 24.000 Mann, so Löwenstein, doch selbst dann könne man die Auslandseinsätze mit derzeit 7.150 Mann (Stand 24.09.2010) fast nicht bewältigen. Mit Vor- und Nachbereitung sowie einer längeren Ruhensphase nach einem sechsmonatigen Auslandseinsatz würde man zwischen 35.000 und 40.000 Soldaten benötigen. Als ein weiteres Problem nannte Löwenstein die Nachwuchsgewinnung. Nach Aussetzung der Wehrpflicht müsse man seiner Meinung nach neue Rahmenbedingungen für eine attraktive Freiwilligenarmee schaffen. Er sehe einen knallharten Konkurrenzkampf mit der freien Wirtschaft. Das 33 Jahre alte Gebäude der Offizierschule bedarf einer dringenden Sanierung oder gar eines Neubaus. Die Entscheidung soll im kommenden Frühjahr fallen, wenn der Standort bestätigt ist, teilte Löwenstein mit. Ohne modernste Technik sehe er die „Lehrwerkstatt der Luftwaffe“ heutzutage als nicht konkurrenzfähig an. Ein Fliegerhorst ohne Flugbewegungen komme einem Substanzverlust gleich, begründete der Standortälteste sein Interesse für die Sportfluggruppe der Bundeswehr, die Löwenstein als „integralen Bestandteil der Wiege der Luftwaffe“ bezeichnete. Auch müssen die angehenden Luftwaffen-Offiziere „das Fliegen schnuppern können“ so der Divisionskommandeur. Die Legalisierung muss die Sportfluggruppe allerdings eigenständig veranlassen. Als „Wiege der Luftwaffe“ ist Fursty in die Geschichte der Luftwaffe eingegangen. Für Generalmajor Löwenstein steht die Aussage quasi als Synonym für seinen persönlichen Werdegang. „In Fursty betrat ich erstmals militärisches Gelände und so betrachtet kehre ich nach 38 Jahren in meine Heimat zurück“, berichtete der 56-jährige Berufsoffizier. „Dass ich als General und Standortältester zurückkomme, war natürlich nicht absehbar.“ Gleich zu Beginn seiner militärischen Laufbahn wurde er bei seinem ersten Wachdienst zugleich Zeitzeuge der dramatischen Ereignisse auf dem Flugfeld, als die Befreiung der israelischen Olympia-Mannschaft aus den Händen palästinensischer Terroristen fehlschlug. „Der 5. September 1972 hat mich nachhaltig beeinflusst“ Erst vor wenigen Wochen habe er an der jährlichen Gedenkfeier am Mahnmal vor dem Haupttor teilgenommen. „Da ist leicht nachvollziehbar, was einem da durch den Kopf geht“, so Löwenstein.

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