Vom Geburtshaus bis zur Guillotine

Ausstellung in Maisach: Sieben Stationen über "Räuber-Kneißl"

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Ein Odelfass aus der Zeit und dem Umfeld des Räubers.

Maisach - Die Schultern sind vorn über gebeugt, als würden sie von dem schwarzen Wollmantel hinabgezogen, der die magere Gestalt der lebensgroßen Figur umhüllt. Seine blassen Wangen sind eingefallen, sein Blick leer und obwohl er erst 27 Jahre zählt, ist sein Gesicht das eines gebrochenen Mannes … An Mathias Kneißl, geboren 1875, scheiden sich bis heute die Geister: War er ein Opfer seines sozialen Umfeldes und der Justiz? Oder doch ein kaltblütiger Räuber und Mörder, der zu Recht 1902 auf der Guillotine endete?

Anlässlich der Eröffnung des Räuber-Kneißl-Radweges der WestAllianz Gemeinden hat die Brauerei Maisach jetzt auf Initiative ihres Inhabers, Michael Schweinberger, den musealen Räuber-Kneißl-Keller renoviert, und ist auch der Frage nachgegangen, wer der Kneißl wirklich war. Anhand von Tafeln, Dokumenten, Fotografien, historischen und zum Teil authentischen Gegenständen. Gezeigt werden auch zwei Filmdokumentationen mit Kreisheimatpfleger Toni Drexler sowie Nachfahren von Zeitzeugen, die aus einem alten Koffer heraus erzählen. 

Früherer Eigentümer der Brauerei sammelte Exponate zum Namensgeber

Das Schicksal des jungen Mannes, der in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde, durch vielerlei Umstände auf die „schiefe Bahn“ geriet und nach einer noch immer beispiellosen Jagd unter der Guillotine endete, bewegte Michael Schweinberger, seit er 2016 die Brauerei übernahm. Bereits in den 1990er Jahren hatte der frühere Eigentümer der Traditionsbrauerei mit der Einführung des dunklen Räuber-Kneißl Bieres Exponate zum Namensgeber gesammelt. 2002 war Mathias Kneißl schließlich im Bauernhofmuseum Jexhof Teil der Ausstellung „Im Wald da sind die Räuber“. Aus dieser Exposition stammen eine Reihe von Gegenständen und Dokumenten, die heute in Maisach zu sehen sind. 

Reise in die Vergangenheit

Es ist eine Reise in eine Vergangenheit, die hier angetreten wird, und die am Beispiel des Räubers auch Einblicke in die widrigen Lebensverhältnisse um die Jahrhundertwende gibt. Erstaunlich groß ist Anzahl an Exponaten, die nicht nur hinter Glas, sondern auch zum Teil „begreifbar“ sind. Hier ein Fahrrad, dort ein Odelfass – beides, wie auch ein Großteil der zahllosen weiteren Ausstellungsstücke, stammen zwar nicht aus dem Besitz des Räubers, aber aus seiner Umgebung und seiner Zeit. So ebenfalls der Drilling hinter Glas von 1900 und eine ebenso alte Ziehharmonika: der Frauenheld spielte gerne und gut zum Tanz. 

Von der Polizei gejagt von der Bevölkerung unterstützt

Um die Jahrhundertwende wird eine Gefängnistür datiert, eine Dauerleihgabe der früheren Strafanstalt Fürstenfeldbruck. Jüngeren Datums ist die Nachbildung der Guillotine, die beim Anblick Gänsehaut auslöst. Original sind hingegen der Regenschirm von Mathias Kneißl, den er – angeblich zuvor gestohlen – bei seiner Flucht in der Gastwirtschaft vergessen hatte, sowie einige Dokumente und ein Röntgenbild. Jenes stammt von einem Jungen, der einige Schrotkugeln des Räubers abbekommen hatte. Beschriebene Postkarten und Telegramme belegen zudem, wie gespalten das Verhältnis um seine Person war: Während er von der Polizei gejagt wurde wie ein Schwerverbrecher, versteckte ihn die Bevölkerung und verhalf ihm oft zur Flucht. Bis zum März 1901, als er verraten und von 150 Gendarmen regelrecht hingerichtet wurde. 

Dauerausstellung mit Erklärungstafeln

Schwer verletzt überlebte Mathias Kneißl, wurde im Krankenhaus zusammengeflickt, um dann – ungeachtet des Gnadengesuchs an Prinzregenten Luitpold – zum Tode verurteilt zu werden. Bei der Sortierung, Gliederung und vor allem beim Texten der Erklärungstafeln stand die Fürstenfeldbrucker Historikerin Elisabeth Lang zur Seite. Sie beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahrzehnten mit dem Leben des Mathias Kneißl und darf sicher zu Recht als Expertin bezeichnet werden. Ihr Sohn Moritz drehte die beiden Dokumentarfilme. Gegliedert ist die Ausstellung in sieben zeitliche Stationen: „Familienbande“, „Räubernest“, „Eingesperrt – Ausgesperrt“, „Räuber und Gendarm“, „Schießereien“ und „zugricht, hergricht, higricht“. Zu sehen ist die Dauerausstellung im Rahmen einer Brauereiführung oder auf Anfrage beim Wirt des Bräustüberls. Hier können sich die Besucher auch anschließend an der „Henkersmahlzeit“ und einem Räuber-Kneißl-Bier stärken. 

red

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