Prof. Dr. Ursula Münch von der Politischen Akademie Tutzing Rednerin beim Neujahrsempfang der Gröbenzeller CSU

"Ärmere Regionen am westlichen Wohlstand beteiligen - in deren Region"

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Bis auf den letzten Platz besetzt war der Bürgersaal in Gröbenzell beim Neujahrsempfang der CSU.

Gröbenzell –  Das Flüchtlingsthema stand auch beim Empfang der Gröbenzeller CSU am 10. Januar  im Mittelpunkt. Sowohl der CSU-Ortsvorsitzende Thomas Eichler bei seiner Begrüßung, als auch die Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Prof. Dr. Ursula Münch, setzten sich bei ihrem Vortrag „Gedanken zum neuen Jahr“ mit der „größten Herausforderung in den nächsten Jahren“ auseinander.

 Bei einer Krise handelt es sich um eine vorübergehende Erscheinung, deshalb sei es falsch, im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom von einer Krise zu sprechen, meinte Münch, die ihre akademische Ausbildung als Politikwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität absolvierte. „Selbst wenn wir es schaffen, die eine Million Flüchtlinge zu integrieren, wird es wegen der Größe des Problems nicht das Ende sein.“ Weltweit seien 60 Millionen auf der Flucht. „Würden die einen Staat bilden, wäre er auf Rang 24.“

Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, hielt den Festvortrag „Gedanken zum neuen Jahr“

Zu den alten Flüchtlingsursachen wie Krieg kommen neue hinzu, so Münch, wie der Kampf um ethnische, religiöse Identität und um die Rohstoffressourcen auf der Welt. Die Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist nicht in der Lage, die globalen Probleme zu lösen. Konnte man sich diese Ignoranz zunächst leisten, so erlaubt das Internet den Menschen in entfernten Regionen den Blick nach Europa. Die Ärmeren werden sich nicht damit genügen, unseren Wohlstand von außen zu betrachten, sondern wollen daran teilhaben. Eine Alternative wäre, die ärmeren Regionen am westlichen Wohlstand teilhaben zu lassen, „allerdings nicht bei uns, sondern in deren Region.“ Das erfordere nicht nur ein Umdenken, sondern auch ein anderes Handeln. Nach der Verabschiedung der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“, auf dem UN-Gipfel in New York, die allen Menschen weltweit ein Leben in Würde ermöglichen soll, müsse auch praktische Politik erfolgen, so Münch. Die Umsetzung werde auch „unseren Lebensstil verändern“. „Wenn das nicht stattfindet, wird sich der Flüchtlingsstrom auch nicht verändern“, sagte die Professorin.

In ihrer Rolle als Union befinde sich die EU in einem beklagenswerten Zustand, hält Münch die Renationalisierung einiger europäischer Staaten wie sie beispielsweise in Polen und Ungarn erfolgte, für sehr bedenklich. Das Freund/Feind-Denken und die Interessensunterschiede treten in Krisenzeiten viel stärker zutage. Das zeige sich bei der Bewältigung der Flüchtlingsprobleme und trat auch schon bei der Bewältigung der Schuldenkrise auf. Zur Wahrung ihrer nationalen Interessen betreiben einige Länder eine rigorose Abschottungspolitik, die den ohnehin oft nicht allzu ausgeprägten Zusammenhalt in der EU nachhaltig belaste. Dennoch hält Münch die EU–Idee nicht als für überholt.

„Mir wird um die Zukunft unseres Landes bange“, sagte Eichler eingangs zu den Gästen im voll besetzten Bürgerhaus-Saal, darunter Landtagvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU), Landrat Thomas Karmasin (CSU), Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) und Altbürgermeister Eike Götz (CSU). Die Aufnahme von über einer Million Flüchtlingen sei ein Kraftakt, bei dem die ehrenamtlichen Helfer an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Außenpolitisch müsse die Ursache der Flüchtlingsströme angegangen werden. „Die Rechtssicherheit in unserem Land muss wieder hergestellt werden.“

Die neunjährige Maya Wichert, begleitet am Klavier von Sonja Uhlmann, erhielt stürmischen Applaus für die musikalische Unterhaltung beim Gröbenzeller Neujahrsempfang.

Besonders stürmischen Applaus bekam die neunjährige Gröbenzellerin Maya Wichert, die mit ihrer Geige die Zuhörer begeisterte. Mit fünf Jahren errang sie beim Regionalwettbewerb München von „Jugend musiziert“ den ersten Preis. Beim Carl-Bechstein-Wettbewerb erhielt die junge Künstlerin mit Klavierpartnerin Sonja Uhlmann, die auch beim Neujahrsempfang Wichert begleitete, im Oktober ebenfalls den ersten Preis. Seit dem Wintersemester 2015/16 ist die Neunjährige Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater München.

Dieter Metzler

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