Nichts für Warmduscher - die Eisschwimmerin vom Pucher Meer - Eingewanderte 57jährige Ukrainerin entdeckte die eiskalte Therapie aus gesundheitlic ...

Seit 2006 schwört die Ukrainerin Natascha Meched auf das Schwimmen im Winter im eiskalten Pucher Meer. Fotos: Dieter Metzler

Wo die meisten vom bloßen Anblick schon eine Gänsehaut kriegen, fühlt sie sich erst so richtig in ihrem Element: Natascha Meched, die Eisschwimmerin vom Pucher Meer. Selbst bei klirrender Kälte dreht die 57-jährige Ukrainerin aus Fürstenfeldbruck unverdrossen ihre Runden in dem fast zugefrorenen Badesee. „Die Leute, die vorbei gehen, halten mich vielleicht für verrückt“, erzählt sie, „aber das ist mir egal. Seit ich im Winter ein-, zweimal in der Woche hier schwimmen gehe, habe ich keine Bronchitis und keine Erkältung mehr.“

Das Thermometer zeigt minus acht Grad Celsius an, als sich Natascha Meched ihrer Kleidung entledigt, auf der schneebedeckten Bank am Rand des Pucher Meeres ablegt und sich im dünnen Badeanzug der kleinen noch nicht zugefrorenen Wasserstelle im Pucher Meer nähert. Der Wind treibt Schneeflocken vor meine Kameralinse, als die geborene Ukrainerin ins eisige Wasser steigt und dabei die leichte Eisschicht durchbricht, die sich am Uferrand gebildet hat. „Man muss sich nur vorstellen, es ist nicht kalt“, meinte die studierte Kunsthistorikerin, die vor zwölf Jahren mit ihren beiden inzwischen erwachsenen Töchtern aus Dnipropetrowsk, der mit 1,05 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt in der Ukraine nach Deutschland über- siedelte, lächelnd. Wer allerdings glaubt, diese extreme sportliche Betätigung habe Natascha Meched aus ihrer Heimat mitgebracht, der hat sich geirrt. Erst seit vier Jahren schwimmt sie im eiskalten Wasser, als ihr nach einer Arthrose-Operation am Knie eine weitere OP drohte. Im Internet habe sie gelesen, dass die Bewegung im kalten Wasser gesund sei. Seitdem steigt sie im Winter, solange das Pucher Meer noch nicht zugefroren ist, in die Fluten. Auch wenn die vergangenen zwölf Jahre für die Ukrainerin nicht einfach waren, sie musste sich ihren Lebensunterhalt als Fleisch-, Wurst- und Käseverkäuferin sowie als Bäckereiverkäuferin verdienen, nachdem sie als Kunsthistorikerin keine Anstellung fand. In Dnipropetrowsk hatte sie das Kulturzentrum geleitet. Auch nach einer Umschulung zur Grafikerin fand sie keinen adäquaten Job. Eine Zeitlang führte sie ein Reisebüro selbständig, doch nach der Wirtschaftskrise musste sie schließen. Als Beraterin für russische Kunst und als stellvertretende Vorsitzende beim ukrainischen Kulturverein in München findet sie zumindest die ihr gebührende Anerkennung. Ihren Schritt, nach Deutschland zu kommen, habe sie dennoch nie bereut, sagte Natascha Meched. Auch kam nie der Wunsch auf, wieder in die Ukraine zurückzugehen. Ihre persönliche Mission war, ihren Kindern eine bessere Ausbildung bieten zu können. Und das habe sie geschafft. Im Übrigen blicke sie stets optimistisch nach vorn. Vor drei Jahren habe ein Spaziergänger ihre in einer Plastiktüte abgelegte Kleidung von einer Bank am Pucher Meer mitgehen lassen, berichtete sie abschließend. Dem Spaßvogel sei sie aber im nassen Badeanzug hinterher und habe ihm die Tüte wieder abnehmen können. Für ihr außergewöhnliches Hobby sucht Natascha Meched noch Gleichgesinnte. Dann würde das Eisschwimmen noch mehr Spaß machen, meinte sie, und sie würde sich auch ein bisschen sicherer fühlen, wenn sie in der Früh zum Eisschwimmen ins Pucher Meer eintaucht.

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