Hochschule oder Sportzentrum denkbar

Wie wird der Brucker Fliegerhorst weiter genutzt?

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Wie es mit Brucks Fliegerhorst weitergehen soll, überlegen derzeit Emmerings Bürgermeister Dr. Michael Schanderl, stellvertretender Kommandeur OSLw, Oberst Stefan Scheibl und Oberbürgermeister Sepp Kellerer.

Fürstenfeldbruck – Die Konversion des Fliegerhorstes nach Abzug des Militärs bietet zum einen vielseitige Möglichkeiten für die Zukunft, stellt aber zugleich die Kreisstadt vor eine große Herausforderung. Das wurde den knapp 100 Zuhörern bei der ersten Bürger-Infoveranstaltung der Stadt deutlich.

Damit sich die Bevölkerung mit Vorschlägen in die Planungen einbringen kann, regte Brucks Oberbürgermeister Sepp Kellerer einen „Tag der offenen Tür“ an und teilte mit, dass die Stadt eine Internetplattform einrichten wird. „Als wir am 26. Oktober 2011 erfuhren, dass der Fliegerhorst aufgelöst wird, waren wir regelrecht geschockt“, eröffnete der Oberbürgermeister die Veranstaltung. „Wer, wie ich, über viele Jahre immer wieder an den verschiedensten Anlässen im Fliegerhorst teilnahm, konnte sich einfach nicht vorstellen, dass der in der Luftwaffe hoch angesehene Traditionsstandort mit all` seinen Einrichtungen geschlossen werden sollte.“ Doch es gelte, nach vorne zu blicken und die Chance für eine sinnvolle Nachnutzung zu nutzen. „Wir stehen noch am Anfang“, sagte der Rathauschef. Die Einrichtung einer privaten Hochschule wäre jedoch schon einmal ein Eckpfeiler, so Kellerer. „Für mich wäre das ein erster Meilenstein, an dem wir unsere weiteren Möglichkeiten orientieren könnten.“ Ob allerdings die Fachhochschule kommt, steht noch nicht fest. Als zweiten Eckpfeiler sieht Kellerer die Übernahme der Sportstätten. „Das könnte unser zweites Sportzentrum werden.“

Der Anpassungsprozess werde, soweit es geht, von der Bundeswehr unterstützt, teilte Oberst Stefan Scheibl, Vertreter des Kommandeurs der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw), dazu mit. Der sukzessive Abzug der militärischen Dienststellen könne sich jedoch nach hinten verschieben, nachdem vor einem Umzug an einen neuen Standort zunächst die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Solange die Luftwaffe den Standort weiter nutze, muss die Auftragserfüllung gesichert sein, als auch die militärische Sicherheit, stellte Scheibl klar, gleichwohl werde man kooperieren. Die OSLw werde wohl den Fliegerhorst als letzte Dienststelle im Jahre 2019 verlassen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Grundeigentümer ist für die Verwertung der Liegenschaft zuständig, erklärte Hans-Peter Fehr. Der Münchner Verkaufs-Teamleiter machte deutlich, dass eine wirtschaftliche Verwertung nur nach kaufmännischen Grundsätzen in Betracht komme. Solange eine militärische Nutzung bestehe, besitze die Kommune kein Planungsrecht. Bei einer Freigabeankündigung seien aber bestimmte bauplanungsrechtliche Schritte bereits möglich, stellte Fehr drei denkbare Verwertungsmodelle vor. Die BImA veräußert die Liegenschaft aus unmittelbarer militärischer Vornutzung direkt an die Kommune auf Basis einer Verkehrswertermittlung. Oder die BImA verkauft an private Investoren mit Abschluss eines Städtebaulichen Vertrages zwischen dem Investor und der Kommune. Die dritte Möglichkeit wäre, dass die BImA zunächst Eigentümer bleibt und mit der Kommune einen städtebaulichen Vertrag abschließt. Interessant ist für die Stadt die Erstzugriffsoption. Inwieweit sie hierbei den Marktwert beeinflussen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Das stärkste Mittel wäre eine Entwicklungssatzung, ein spezielles städtebauliches Instrument, durch das eine Kommune quasi den Bund enteigne, zugleich aber verpflichtet wäre, den Gewinn in die Infrastruktur zu investieren. Die Stadt habe noch keine fertige konkrete Bauplanung, teilte Stadtbaurat Martin Kornacher mit. Eine Änderung des Flächennutzungsplanes und ein Bebauungsplanverfahren seien auf den Weg gebracht. Dem Stadtrat wolle man einen Wettbewerb zur Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts vorschlagen. 

Welche Möglichkeiten sich für eine sinnvolle Nachnutzung des 178 Hektar – oder 200 Fußballfelder – großen Areals eröffnen, darüber erhielten die Zuhörer einen ersten Eindruck, als ihnen Professor Mark Michaeli von der Technischen Universität München (TU) zum Abschluss des Info-Abends seine bisher durchgeführten Analysen vorstellte. Man könne mehrere Wünsche erfüllen, so der Architekt und Städtebauer. Wichtig sei jedoch, dass man sich in der jetzigen Phase keine Fehler erlaube. Man müsse sich von Beginn an im Klaren sein, welche Nutzung an welchem Ort stattfinden soll, erklärte Michaeli. So sei auch wichtig, die kommunalen Nutzungsideen abzusprechen.

Dieter Metzler

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