Obama oder McCain? - Dr. Claus Kleber, ZDF, sprach in Germering

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HERMANN EISENHARDT, Fürstenfeldbruck/Germering - Er hat Monica Lewinski, die heimliche Geliebte des US-Präsidenten Bill Clinton, im Pentagon getroffen und ihre Visitenkarte eingesteckt. Als der Skandal aufflog und Heute-Moderator Dr. Claus Kleber, damals noch Amerikakorrespondent des ZDF, die persönliche Kontaktnummer hätte brauchen können, war ihre Visitenkarte unauffindbar verschwunden. Als Kleber nach Jahren seine Koffer packte, um in Deutschland das Heute-Magazin zu moderieren, fand er die Karte wieder. Sie lag unter einem Computer. Solche und andere Stories aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten konnten die etwa 900 Zuhörer, die auf Einladung der Sparkasse Fürstenfeldbruck im Germeringer Orlandosaal live miterleben. Wie das Leben mit dem ZDF-Mann umgegangen war, fanden sie toll und belohnten seinen interessanten Vortrag immer wieder mit großem Beifall. Der Sparkassenvorsitzende Klaus Knörr nutzte die Begrüßung der Gäste natürlich für die aktuell nicht überflüssige Versicherung, sein Geldinstitut habe es seit der Gründung im Jahre 1883 nie versäumt, die Kunden solide und ehrlich zu bedienen. So etwas wie das unseriöse Geschäftsgebaren einiger Privatbanken, das fast zur „Kernschmelze des deutschen Finanzsystems“ geführt hätte, widerspreche generell dem „Stabilitätsdenken der Sparkassen und Genossenschaftsbanken“. Seit 125 Jahren, so Knörrs Aussage zum langjährigen Überlebensprinzip seines Hauses, lebe die Sparkasse vom Vertrauen ihrer Kunden. Und auch Claus Kleber ging den Bankchef freundlich unterstützend auf dessen Erklärungen ein, indem er seinen eigenen Vortrag mit dem locker-frechen Satz einleitete, er sei sich sicher, alle Anwesenden wüssten so gut wie er selbst, dass die Ursache der Finanzkrise nicht bei der Sparkasse in Fürstenfeldbruck liege. Nach ein paar Bemerkungen zu Reich-Ranickis Fernsehschelte, von dem er offensichtlich viel hält, und ein bisschen Werbung für das ZDF-Heutejournal und Marietta Slomka, erklärte er die Entstehung der US-Immobilienkrise, die sich gerade zur Weltfinanzkrise, Folge der Globalisierung, ausweitet. Die Wurzel des Finanzproblems ist laut Kleber der „übertriebene amerikanische Traum, dass das Morgen besser, schöner und reicher sein wird als das Heute, das ja schon besser war als das Gestern“. Darauf kam er zur Monica-Lewinski-Story und dann war Kleber plötzlich mitten im aktuellen US-Wahlkampf zwischen Barak Obama und John Mc Cain. Von Obama zeigte sich der TV-Mann tief beeindruckt. „Buchstäblich aus dem Nichts gekommen“ bringe er die Botschaft „Yes we can“ glaubwürdig und ernsthaft rüber, ohne Popstar zu sein. Kleber nannte ihn das „größte politische Talent seit der Kennedyära“. Andererseits ist nach seiner Meinung der Wahlkampf noch nicht entschieden. In der Zeit bis zum 4. November könne noch viel passieren: „Ein falschen Bild, eine falsche Bemerkung in einer Rede“ könnte den Wahlsieg für Obama verhindern. Denn sein Gegner John Mc Cain sei „mehr als ein Vietnamkriegsveteran“. Er gilt in den USA als ein „echter Held“, der in nordvietnamesischer sechsjähriger Gefangenschaft trotz Foltern und Prügeln nicht kleinzukriegen war. „Mit diesem aufrechten Gang“ habe Mc Cain eine wertkonservative Politik betrieben. Er ist laut Kleber „kein religiöser Eiferer wie Bush“ und hinter ihm stehen in der amerikanischen Provinz zahllose „nette, bodenständige, konservativ denkende und gläubige, weltoffene und freundliche Amerikaner“. Claus Kleber begründete, warum der Wahlkampf noch nicht entschieden ist: Beide, Obama und Mc Cain seien „starke charaktere“. Und nach seiner Information ist die Persönlichkeit, der Charakter des Kandidaten, nicht das Parteiprogramm wahlentscheidend. Denn die Amerikaner hätten die Erfahrung gemacht, dass sich die Welt in kürzester Zeit grundlegend verändern kann und daher nichts planbar ist, schon gar nicht durch Parteiprogramme. Die zwei wichtigsten, allen Wählerschichten gemeinsamen Erfahrungen, bestehen laut dem ZDF-Heutejournal-Chef seit dem 11. September 2001 in der Erkenntnis der „Verwundbarkeit des Landes“ und seit kürzester Zeit in der Finanzkrise, die von heute auf morgen die Gewissheit vom besseren Leben ernsthaft ins Wanken gebracht habe.

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