Pionier in Sachen Streuobstwiesen Eismerszell: Stefan Silbernagl (62)

Der großelterliche Obstgarten war sein Vorbild 

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Inmitten seiner Äpfelbäume fühlt sich Stefan Silbernagl sichtlich wohl

Moorenweis/Eismerszell  –  Angefangen hat es mit der Begeisterung für den elterlichen bzw. großelterlichen Obstgarten, der in seiner Kindheit noch zu fast jedem Bauernhof gehört hat. Dort entstand auch der Traum, der Wirklichkeit geworden ist: Zwei Streuobstwiesen mit mehr als 400 Bäumen, auf denen rund 170 verschiedene Apfelsorten heranwachsen. Die Rede ist von Stefan Silbernagl (62) im malerischen Ortsteil Eismerszell der Gemeinde Moorenweis. 

 Der Landwirt ist nicht nur ein Querdenker, sondern auch einer der "quer handelt". So geschehen vor rund 25 Jahre, als er mit der bis dahin betriebenen Bullenmast keine Entwicklungschance mehr gesehen hat. Damals hat er die ersten Apfelbäume gepflanzt und angefangen, Landwirtschaft auf ganz andere Art und Weise zu betreiben. Heute bewirtschaftet er 30 Hektar Grünland in Form von Obstgärten und einer Mutterkuhhaltung. Die Streuobstwiesen, auf denen im Gegensatz zu Obstplantagen mehrere Sorten nebeneinander wachsen, sind für Stefan Silbernagl Hobby und Erwerbszweig zugleich.

 Noch lange bevor die Förderung für die extensive Landwirtschaft in größerem Ausmaß einsetzte, hat er begonnen, Ackerland in Wiesen um zu wandeln und seinen Traum zu realisieren. Trendwidrig, aber mit einem guten Gefühl. Letzteres bringt er auch heute noch zum Ausdruck, wenn man mit ihm durch seinen Apfelgarten spaziert. Dabei wirkt er wie ein "lebendes Apfellexikon" und kann Baum für Baum die Sorte nennen: Sibirischer Eisapfel, Gartenmeister Simon, Heuchelheimer Schneeapfel, roter Gravensteiner, Mohringer Rosenapfel.... aber auch ganz einfache Namen fallen: Melba, Katja, Jakob Fischer.........Spätestens jetzt wird einem bewusst: es gehört schon ein umfangreiches Fachwissen dazu, um sich in der Apfelbranche trittsicher bewegen zu können. Wie man sich so ein Wissen aneignet? "Wenn man Freude daran hat, geht vieles", ist zu hören. Die Begeisterung für den Apfel von Kindesbeinen an, habe ihm die Motivation gegeben, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Über Fachzeitschriften habe er nach und nach mehr erfahren, sei aber auch gleich in die Praxis eingestiegen. Die ersten Apfelbäume habe er noch zusammen mit seinem Vater gepflanzt, dann danach geforscht, wo alte Apfelsorten noch geerntet werden und bei den jeweiligen Apfelbaum-Besitzern um Zusendung von Zweigen (Reiser) gebeten, die er dann selbst durch Veredlung in seinen Bestand eingebracht hat. 

Getreu seinem bis heute erhaltenenen Grundsatz: "Einfach wachsen lassen", wartete er dann zu und hat damit nach und nach Erfahrungen gesammelt. So leuchten heute in allen Farben jene Früchte, "die Adam im Paradies" wohl zum Verhängnis geworden sind. Nicht dagegen für den anerkannten Streuobstwiesen-Pionier, der schon im Jahr 1998 vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit der Staatsmedaillie für "Verdienste um Landwirtschaft und Landschaftspflege in Bayern" ausgezeichnet wurde. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht erzählt Stefan Silbernagel, dass der damalige Staatsminister, Reinhold Bocklet, ihm gegenüber festgestellt hat: "Da haben wir etwas Schönes geschaffen". Dem kann man wohl nur hinzufügen: Dies war nur möglich, weil einer den Anfang gemacht hat und "gegen den Strom geschwommen ist". Aber auch, weil die Politik rechtzeitig erkannt hat, dass die naturnahe Landwirtschaft "aus früheren Zeiten" auch heute noch Sinn machen kann. Deshalb ist es wohl wichtig, die landwirtschaftliche Vielfalt jetzt und in Zukunft zu fördern. 

Wenn man Wiesen und Hecken im sonst vom Ackerland bestimmten Ortsbild von Eismerszell entdeckt, kann man ziemlich sicher sein, dass Stefan Silbernagl dort Hand angelegt hat. Auch will die immer wiederkehrende Arbeit bei der Hege der rund 400 Obstbäume getan werden. Dazu gehört die Pflege der Hecken, die die Obstgärten umgeben, genauso, wie der notwendige Beschnitt der Bäume. Im Sommer geht es darum, zentnerweise Fallobst einzusammeln und zur Annahmestelle der Brucker Land-Initiative zu bringen. Diese regionale Vermarktungsorganisation bringt bekanntlich in Zusammenarbeit mit einer heimischen Kelterei Apfelsaft von Streuobstwiesen in den Handel und ist eine wichtige Absatzmöglickeit in der Zeit, wo die Äpfel in großen Mengen regelrecht von den Bäumen fallen. Im Herbst  müssen die Lageräpfel gepflückt werden. Hierfür gibt es bei Stefan Silbernagl keinen großen Maschinenpark. Hier zählt die individuelle Handarbeit, die er mit Hilfe seiner ihm zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Geräte ganz alleine bewerkstelligt. Bleibt noch die Frage zu klären: Wie finden die vielen Äpfel ihre Abnehmer? "Das geht von selbst", sagt er.   In der Scheune liegen die Äpfel mit entsprechender Sorten-Kennzeichnung in Kisten, was seine Stammkunden einfach wissen. Dort steht auch eine Waage und der Hinweis, dass pro Kilomgramm ein Euro zu hinterlegen ist. Wenn man diesen unkonventionellen Vermarktungsraum betritt, riecht man würziges Heu und spürt mit allen Sinnen, da ist "etwas Schönes geschaffen" worden. Die je nach Saison unterschiedlichen Apfelkisten findet man in der St. Michael-Straße 2 in Eismerszell.  

Georg Johannes Miller 

 

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