Öffentliche Grabung

Historischer Verein gräbt schwer und tief für Keramikscherben aus Jungsteinzeit

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Begutachten Scherbenfunde aus dem Feld westlich von Jesenwang: Fritz Aneder (l.) und Kreisheimatpfleger Markus Wild (r.) vom Historsichen Verein Fürstenfeldbruck.
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Anweisungen für die Grabungshelfer: Markus Wild zeigt, wo der Boden abegtragen werden soll.
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Schwertsarbeit war die Grabung in dem ausgeschwemmten Lehmboden, der wie Beton war.
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Als die Garbungshelfer tiefer in den Boden vordrangen, machten Sie vermehrt Funde.
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Eine deutlich sichtbare Kiesschicht war wohl in der Neuzeit aufgebracht worden, um eine Senke auszugleichen
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Eine Perle aus der Laténezeit wurde bereits vor der Grabung auf dem Feld gefunden. Im Boden fanden die Archäologen dagegen nur Keramik aus der Jungsteinzeit.

Jesenwang - Öffentliche Grabung des Historischen Vereins verlief anders als gedacht aber zufriedenstellend

Zahlreiche Keramikscherben aus der Jungsteinzeit fanden Archäologen des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck (HFV) bei Grabungen westlich von Jesenwang. Konkrete Siedlungsreste tauchten dabei zwar nicht auf. Dennoch ist Kreisheimtapfleger Markus Wild mit dem Ergebnis der Grabungen zufrieden.

Bereits viele Oberflächenfunde

Gut eine Woche lang durften die Mitglieder des HVF und ihre aus ganz Süddeutschland angereisten Grabungshelfer auf dem Feld an der Römersthofener Straße graben. Es war die erste öffentliche Grabung des HVF seit 2007. Möglich wurde sie, weil der Fundort in Hanglage liegt und von Erosion gefährdet ist. Auf das Radar des HVF geriet das Feld durch zahlreiche Oberflächenfunde – sogenannte Lesefunde. Diese deuteten auf Siedlungen aus dem Neolithikum hin, und zwar aus der sogenannten Chamer Kultur um 3.300 bis 2.700 vor Christus. Aber auch aus der Laténezeit – also der jüngeren Eisenzeit um 300 vor Christus – wurden Funde gemacht. 2018 folgte daraufhin eine Untersuchung mit einem Magnetometer, das ohne Grabung einen Blick unter die Oberfläche ermöglicht. Allerdings sagen die HVF-Vorsitzende Anna Ulrike Bergheim und Wild unisono: „Was wir gefunden haben, deckt sich nicht mit der Magnetometer-Untersuchung.“ 

Magnetometer sagte was anderes

Das durch die Magnetometer-Untersuchung vermutete Bodendenkmal scheint zerstört zu sein, wie einige der Archäologen vermuten. Dass keine Hausgrundrisse gefunden wurden, liegt laut Wild aber auch an der steinzeitlichen Bauweise, die ohne große Eingriffe in den Boden auskommt. Auch sei es möglich, dass Eisenteile ein falsches Bild geliefert hätten. „Zerstörungsfreie Untersuchungen sind zwar schön“, sagt der Kreisheimatpfleger. „Sie sind aber auch fehlerbehaftet.“

Schwere Bedingungen - harter Boden

Was die Archäologen und ihre Grabungshelfer als erstes gefunden haben, war ein unerwartet schwer zu grabender Boden. „Es ist ein ausgeschwemmter Lehmboden, der ist wie Beton“, sagt Bergheim. Wie Fritz Aneder vom HVF erklärt, bestehe bei einem solchen Untergrund auch die Gefahr, dass sich Keramik aufgelöst hat. Mühsam mussten sich die Archäologen Stück für Stück in den Boden graben – zunächst mit mageren Ergebnissen.

Grabungen mussten tiefer gehen

Eine in der Neuzeit aufgebrachte Kiesschicht, die offenbar eine Senke ausgleichen sollte, erschwerte die Grabungen zusätzlich. Die Geoarchäologin Britta Kopecky-Herrmanns riet dem HVF aber, tiefer zu graben. Und prompt ergaben sich nun auch Funde. „In erster Linie handelt es sich um Keramik“, sagt Wild. Auch einen Feuersteinabschlag habe man gefunden. Dabei handle es sich aber nicht um ein Werkzeug, sondern um einen Produktionsabfall.

Befunde sind Erfolg

Dennoch schließt Wild aus den Funden: „Wir sind hier scheinbar im Kernbereich der neolithischen Siedlung. Der Kreisheimatpfleger wertet die Grabung trotz der vom Magnetometer abweichenden Befunde als Erfolg: „Wir wollten den Aufbau des Bodens und den Erhalt der Befunde wissen“, sagt Wild. „Das haben wir klären können.“

Funde gehen zunächst ins Denkmalamt

Wild wird die Funde nun katalogisieren und ans Denkmalamt schicken, ehe sie ins Brucker Museum kommen sollen. Außerdem will er einen ausführlichen Bericht über die Grabungen verfassen, der in den Brucker Blättern des HVF sowie dem Archäologischen Jahr, einer Fachzeitschrift, die das Denkmalamt zusammen mit der Gesellschaft für Archäologie in Bayern herausgibt, veröffentlicht werden soll.

Andreas Daschner

Rubriklistenbild: © Daschner

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