Kreisbote-Bandportrait: The Wild Magnolia Mariachis

Die Mariachis des Boogies

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Die neunköpfige Band „The Wild Magnolia Mariachis“ beim Finale des Emergenza-Bandwettbewerbes, bei dem sie den zweiten Platz, und somit eine Studioaufnahme, gewannen.

Eine neunköpfige Band ist nicht immer leicht zu managen. Viele Ideen bedeuten auch viele Meinungen. Deshalb musste „The Wild Magnolia Mariachis“ eine Pause einlegen. Die Band kam dann stark wie nie zurück. 

Olching – Warum ein Bandcontest ihr Selbstvertrauen steigerte oder der Bandname anfangs auf keinen Banner passte, verraten Christoph Franz und Martin Kaußler, zwei Musiker, die von Anfang an dabei sind - also seit 1997. Anfangs waren sie zu dritt. „Wir haben alle im selben Haus gewohnt, jeder spielte ein Instrument, also dachten wir: Warum keine Band gründen?“, erzählt Martin Kaußler alias Manito, der die Blues Harp spielt. Ziemlich schnell kam ein zweiter, befreundeter Gitarrist dazu. Ihren erster Auftritt hatten die vier dann auf einer Party auf einer Hühnerfarm. Die 500 anwesenden Partygäste und die Bandmitglieder selber waren so begeistert, dass sie beschlossen das Ganze nun ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Name passte auf keinen Banner

Ein paar Monate später folgte ein Konzert beim Bikertreffen in Moorenweis. Spätestens da mussten sie sich einen neuen Namen suchen, denn damals hießen sie noch „Chicano Mink from El Mocambo & his Wild Magnolia Mariachis“. „Das war den Veranstaltern einfach zu lang, das hat auf keinen Banner gepasst“, erzählt Kaußler, der Schlagzeuger der Band. So wurden sie zu „The Wild Magnolia Mariachis“. Nach und nach kamen aus anderen Projekten drei Saxophonisten dazu, dann ein Pianist. Mit dieser Konstellation bekommen die Zuschauer eine eigene musikalische Mischung um die Ohren gehauen. Die Band verbindet Boogie mit etwas Südstaatenrock, einer Prise Rockabilly mit ein klein wenig Soul und erhitzen das Ganze dann mit einer gehörigen Portion Energie. 

Bis 2002 regelmäßige Konzerte

Es entstanden die EP „Rock’n‘Roll O Muerte“ und 1998 das erste Album „We Drink More Than Keith“. Dabei sind Cover von Liedern, „die man nicht mehr so auf dem Schirm hat“, sowie eigene Songs, für die meist Leadsänger „Sudi“ verantwortlich ist. The Wild Magnolia Mariachis hatten ihre regelmäßigen Konzerte und treue Fans. Das ging bis 2002, als nach etwa 150 Auftritten erst einmal Schluss war. „Weil wir viel Zeit zusammen verbracht hatten, gab es ein paar Reibereien“, erzählt Kaußler. „Wir sind uns zeitweise schon auf den Sack gegangen“, beschreibt es Franz. Wegen zwischenmenschlichen aber auch gesundheitlichen Problemen hat sich die Band erst einmal aufgelöst.

"Es war das einzig Richtige wieder anzufangen"

Doch so richtig loslassen konnte keiner, selbst nach zehn Jahren nicht. „Von der Musik konnte sich keiner abwenden, jeder hat weiter Musik gemacht. Tief in uns haben wir aber gespürt, dass etwas fehlt“, sagt Franz. Irgendein Mitglied habe dann 2010 einmal mit dem Thema angefangen, die Band wiederbeleben zu lassen. Das kam befreiend. „Es war die einzig richtige Geschichte, wieder anzufangen“, sagt Franz weiter. Alle waren wieder mit am Start, sogar die, die schon vor der Pause ausgestiegen sind. Ziemlich schnell kam der erste Auftritt nach der etwa achtjährigen Unterbrechung, ein Benefizkonzert in Mammendorf. Ihr zweites Album „Boogie Indians“ kam 2014 auf den Markt. Im Durchschnitt spielt die Band nun zehn Auftritte ihm Jahr. Mehr geht kaum.

Ziel: Große Bühnen der Festivals

„Es ist schwer, Veranstalter mit einer Bühne zu finden, die Platz für neun Leute hat“, weiß Franz. Immerhin würden sich die Musiker ja bewegen und nicht stocksteif dastehen. Deshalb ist ihr Ziel: Die großen Bühnen der Festivals - wo sie Platz haben und laut sein dürfen. „Wir bewerben uns jetzt für die ganzen Festivals in Süddeutschland und Österreich für nächstes Jahr“, erzählt Franz, „das ist dort, wo wir uns sehen, wo wir denken, da können wir hin“, sagt er weiter.In diesem Jahr gibt es erst einmal keine Konzerte mehr. Denn die Band ist damit beschäftigt, sich auf eine neue EP vorzubereiten. Die Studio-Aufnahmen Anfang nächsten Jahres haben sie beim „Emergenza Bandwettbewerb“ gewonnen, weil sie heuer den zweiten Platz des Bayern-Finales belegten. 

Bei der Vorrunde den ersten Platz

Zunächst hatten sie den Wettbewerb nicht auf dem Schirm, da sie davon ausgegangen sind, dass dieser nur für junge Nachwuchs-Musiker gedacht sei. „Wir waren dann mit unserem Durchschnittsalter von 43 Jahren aber tatsächlich die ältesten Säcke“, weiß Martin Kaußler noch. Die Begeisterung hielt sich erst noch in Grenzen, als Franz vorschlug, sich für das Emergenza zu bewerben. „Es wäre auch echt schlecht für die Stimmung gewesen, wenn die Jury was Schlechtes gesagt hätte“, gibt er zu. Doch die Sorge war unbegründet: Bei der Vorrunde machten sie direkt den ersten Platz. „Das hat uns schon ein bisschen Kraft gegeben“, weiß er. 

Preis: EP-Aufnahme

In der zweiten Runde hatten sie es dann etwas schwerer, denn sie mussten sich gegen drei Metal-Bands behaupten, dementsprechend war das abstimmende Publikum eher Fan dieser Musikrichtung. Nichtsdestotrotz, schafften es „The Wild Magnolia Mariachis“ selbst diese eingefleischten Hardcore-Rocker von ihrer Musik zu überzeugen und kamen – wenn auch sehr knapp – eine Runde weiter. Das Bayern-Finale im Juli war von der Musikrichtung bunter durchgemischt. Sie spielten sich wieder in die Herzen des großen Publikums, doch reichte es diesmal nur für Platz zwei. So durften sie zwar nicht auf das Süddeutschland-Stechen fahren, doch gewannen immerhin eine EP-Aufnahme. „Der Wettbewerb hat uns gezeigt, dass wir vor großem Publikum spielen können und viele mit unserer Musik erreichen. Wir wissen jetzt, wir machen die richtige Musik“, sagt Franz zurückblickend an die super Stimmung bei den Konzerten.

Zwei Hunde als Zuschauer

Diese Bestätigung haben sie vielleicht gebraucht, denn sie hatten auch schon gegenteilige Erfahrungen gemacht. „Wir haben einmal in Wien in einem alten Kino gespielt, das wäre ein super Ambiente gewesen, aber keiner kam“, erinnert sich Keußler. Zwei Hunde seien die einzig konstanten Zuhörer gewesen. Auch Konzerte mit insgesamt fünf bezahlenden Besucher gab es schon. Doch dass soll der Vergangenheit angehören, denn die Band träumt immerhin von den großen Bühnen der Festivals. „Ein Live-Album wäre auch mal nicht schlecht“, meint Franz ganz spontan. Denn Live ist die Band, die Energie versprüht, als hätten sie diese im Überfluss, am besten.

Kohr

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