Oldtimer-Liebhaber Walter Münster aus FFB stellt seinen Ford T vor 

Ein seltenes Schätzchen: Brucker "Blechliesel" wird 100 Jahre alt 

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Die Tin Lizzy ist Walter Münsters ganzer Stolz

Fürstenfeldbruck - Die Karosserie ist blitzblank poliert, das Ford Zeichen aus Messing glänzt in der Sonne: Oldtimer Liebhaber Walter Münster hat seinen Ford T, bekannt auch unter dem Namen "Tin Lizzy" oder Blechliesel, soeben aus der Garage gefahren. "Dieses Auto ist so ziemlich genau vor hundert Jahren vom Fließband gerollt", verkündet er stolz. Im gesamten Landkreis gibt es nur noch ein paar dieser Modelle, in der Stadt Fürstenfeldbruck ist er der Einzige mit einer "Lizzy".

Dass sie ab und an etwas tropft,  möge man der alten Dame verzeihen - schließlich gibt es nicht viele Autos, die hundert werden. Vier Jahre ist es jetzt her, da hat der 66-jährige Walter Münster sich einen Traum erfüllt und eine Tin Lizzy gekauft. Der klassische schwarze "Tourer" ist ein Viersitzer und hat bis heute nur eine Getriebebremse. Die Karbidlampen (Gaslampen) wurden durch moderne Glühbirnen ersetzt und auch die Kurbel zum Anlassen muss nicht mehr gedreht werden - das übernimmt jetzt der nachgerüstete Elektrostarter. Unterwegs tuckert Walter Münster mit 20 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 65 Kilometern pro Stunde durch die Gegend. Ab und zu ertönt das Messinghorn in voller Lautstärke, indem er den Gummibalg kräftig drückt.

Ein Traum von einem Oldtimer: Das Ford -T Model  von 1914. Der einzige Oldtimer dieser Art  in Fürstenfeldbruck.

 Gemeinsam mit mehreren Lizzy-Schnauferln  unternimmt der frühere Banker regelmäßig Oldtimertouren, die bis zu tausend Kilometer umfassen und etwa eine Woche dauern. Organisiert werden diese Fahrten meist von dem deutsch-österreichischen "Model-T-Alpenchapter-Club". Pannen sind da keine Seltenheit, doch irgendjemand hat immer das passende Ersatzteil dabei. Übrigens gibt es bis heute für das T-Modell ausreichend Ersatzteile, entweder original oder nachgefertigt. So kann Walter Münster seine Old Lady immer wieder auf Vordermann bringen.

Das Model-T von Ford wurde zwischen 1908 und 1927 in den USA etwa 15 Mio mal gebaut. Es war das erste Auto, das ab 1914 mittels Fließbandfertigung hergestellt wurde und fortan für jedermann erschwinglich war: Ein Standardmodell kostete 1914 knapp 500 Dollar, was rund vier Monatslöhnen eines Industriearbeiters entsprach. Aufgrund der einfachen Technik existieren heute noch ca. 1% aller gefertigten Exemplare. Henry Ford wollte einen Wagen produzieren, der auf einfachste Bedienung und Reparaturfreundlichkeit ausgerichtet ist. Deswegen gibt es kein konventionelles Fahrzeuggetriebe mit Kupplung und Wählhebel. Der Motor verzichtet auf Kühlwasserpumpe und Ölfilter, auch Kraftstoffpumpe und Ölmessstab sind nicht vorhanden. Als Fahrgestell dient ein Leiterrahmen aus vernieteten U-Stahlprofilen, der Achsen, Motor, Kraftübertragung und die Karosserie aufnimmt. Ab Werk war das T-Model  in vielen Varianten lieferbar, wie als Coupé, viersitziges- oder zweisitziges Cabriolet, Limousine und Lastkraftwagen.

In der Garage von Walter Münster stehen außer dem Ford T noch ein zwei andere Oldtimer: Ein Ford A aus dem Jahre 1928 und ein Mercedes SL, Baujahr 1974. Doch die alte Blechliesel hat es ihm besonders angetan: "Ich bin ausgesprochener Lizzy Fan. Sie gehört zu mir".

 Nicole Burk

 

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