Alexander Miller berichtete im Landratsamt 

Olympia-Attentat Zeitzeuge: "Die Bilder verlassen mich nie"

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Zeitzeuge Alexander Miller (helles Shirt) war Verbindungsmann der isarelischen Mannschaft zum IOC, hier mit Diakon Eberhard Schulz (dunkles Sacko und Schal) und berichtete im Landratsamt über die Geschehnisse von damals

Fürstenfeldbruck – Als am 6. September 1972 das Olympia-Attentat auf dem Brucker Fliegerhorst blutig zu Ende ging, war Alexander Miller nah dran an den schrecklichen Geschehnissen. Der Verbindungsmann der israelischen Mannschaft zum IOC berichtete nun im Rahmen der Vortragsreihe zum Erinnerungsort an das Attentat, wie er selbst dem Attentat nur durch Zufall entronnen ist.

Fürstenfeldbruck - In die Wege geleitet hat das Zeitzeugengespräch Eberhard Schulz. Der Diakon und Lehrer ist seit vielen Jahren im deutsch-israelischen Dialog engagiert und hatte den Vorschlag bei der jüngsten Gedenkveranstaltung am Erinnerungsort gebracht. Die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler bezeichnete die als „besondere Chance, Ehre und auch als Vertrauensbeweis“. „Wir sind der Überzeugung, dass man aus der Geschichte lernen kann und muss“, sagte Schulz. Deshalb war er auch froh, dass einige Schüler des Rasso-Gymnasiums gekommen waren und auch sonst ein reges Interesse an dem Zeitzeugenbericht herrschte. „Das zeigt, dass Fürstenfeldbruck wache Bürger hat.“ Die lauschten Millers Bericht, wie er die israelische Mannschaft kennenlernte. Miller, dessen Familie aus Polen stammt, war selbst Basketballer und wurde wegen seiner Hebräisch-Kenntnisse als Dolmetscher und Verbindungsmann der Israelis zum olympischen Komitee ernannt.

Miller entkommt nur durch einen Zufall der Geiselnahme

„Am Abend vor der Geiselnahme waren wir bei einer Anatevka-Vorstellung im Deutschen Theater“, erzählte Miller. Bei der Rückkehr ins olympische Dorf am 5. September gegen 2.30 Uhr morgens habe ihm der Ringer-Trainer Mosche Weinberg angeboten, dass er bei der Mannschaft schlafen könne. „Da ich damals aber in Schwabing gewohnt habe, war ich sowieso nur einen Katzensprung entfernt“, sagte Miller. Darum habe er in seinem eigenen Bett schlafen wollen. So entging er selbst nur knapp dem Attentat, das er anschließend am Fernseher und im Radio mitverfolgte. Gegen 5 Uhr morgens habe ihn sein Vater geweckt und von dem Attentat erzählt. „Ich dachte zuerst, ich träume“, sagte Miller. Vor dem Fernseher wurde ihm dann aber klar, dass die Geschehnisse schreckliche Realität waren: Acht Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation „Schwarzer September“ waren ins olympische Dorf eingedrungen. „Erst hat es geheißen, dass alle Sportler gerettet seien.“ Doch später wurde der furchtbare Ausgang klar. Weinberg war bereits im olympischen Dorf erschossen worden, als er die Tür verschließen wollte und die Sportler zur Flucht durchs Fenster animierte. Der Gewichtheber Josef Romano wurde angeschossen und erlag zwei Stunden später seinen Verletzungen, weil kein Arzt zu ihm gelassen wurde. 

"Es war für mich sehr trauriger Moment"

Die Terroristen nahmen elf Geiseln, das Attentat nahm am morgen des 6. Septembers seinen blutigen Ausgang, bei dem alle Geiseln und der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer ihr Leben verloren. Miller vertrat die Ansicht, dass mehrere Chancen ausgelassen worden waren, die Attentäter durch Scharfschützen zu liquidieren – sowohl durch die Polizei als auch durch israelische Sportschützen im olympischen Dorf. „Die Deutschen wollten unbedingt zeigen, dass sie kein Polizeistaat sind und dass die olympischen spiele Friedensspiele waren“, glaubt Miller. Und so sei alles passiert, wie es passiert ist. Den Fragen zum 5. und 6. September wich Miller meist ein wenig aus – weil es ihn emotional sehr berühre, wie Schulz sagt. Am Ende gab er in einem sehr persönlichen Moment aber doch noch seine Gefühle preis. „Es war für mich ein sehr trauriger Tag und eine große Tragödie.“ Schließlich sei er mit den Opfern einige Tage zusammen gewesen. „Man sagt: Die Zeit heilt alle Wunden“, sagte Miller 47 Jahre nach dem Attentat. „Die Bilder von den Geschehnissen bleiben aber abgespeichert, sie verlassen mich nie.“ 

Andreas Daschner

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