Im Fürstenfeldbrucker Schlachthof sind separate Schlachtungen nach religiösen Vorschriften möglich, aber nur wenn deutsche Tierschutz-Standards ei ...

Opferfest: Schlachten in Deutschland nicht ohne Betäubung

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Der Fürstenfeldbrucker Schlachthof.

 Fürstenfeldbruck – Das Opferfest KURBAN BAYRAMI findet in diesem Jahr vom 24.09.2015 bis 27.09.2015 statt. Anlässlich dieses Festes der Angehörigen muslimischen Glaubens werden traditionell Schafe und Hammel unter Einhaltung der Reinheitsvorschriften des Islam geschlachtet. Hauptschlachttage sind der 24.09.2015 und der 25.09.2015. Aus diesem Anlass weist das Landratsamt ausdrücklich darauf hin, dass das Schächten von Tieren (Schlachten ohne vorherige Betäubung) nach dem deutschen Tierschutzgesetz verboten ist. Dem schließt sich der Geschäftsführer des Brucker Schlachthofs, Max Keil an: Außerhalb des Opferfestes gibt es die Möglichkeit, separate Schlachtungen in Anwesenheit eines Veterinärs und einer speziell angeleiteten Fachkraft durchzuführen, aber nur, wenn bei dem jeweiligen Schlachttier vorher ein Bolzenschussapparat eingesetzt wird. 

  

Es sei auch mit der islamischen Glaubenslehre vereinbar, wenn die Schlachttiere vor dem Entblutungsschnitt mittels Elektroschock ordnungsgemäß betäubt werden. Selbstverständlich sind auch die fleischhygienerechtlichen Bestimmungen einzuhalten, das heißt insbesondere sind die Tiere vor dem Schlachten durch den zuständigen amtlichen Fleischbeschautierarzt untersuchen zu lassen. Anschließend hat der zuständige amtliche Tierarzt auch die Fleischuntersuchung vorzunehmen. Seit dem 01.10.2000 müssen bei der Schlachtung die Milz von Schafen und Ziegen aller Altersklassen sowie der Schädel, einschließlich Gehirn und Augen, Mandeln und Rückenmark von Schafen und Ziegen, die über 12 Monate alt sind oder bei denen ein permanenter Schneidezahn das Zahnfleisch durchbrochen hat, entfernt und unschädlich beseitigt werden. 

Die Entfernung dieses sog. spezifizierten Risikomaterials (SRM) wird dabei vom amtlichen Tierarzt überwacht. Den iin jeweiligen  Wohnort zuständigen amtlichen Tierarzt kann man  bei der für die Fleischbeschau zuständigen Firma Hygiene- und Prüf GmbH, Am Branden 6b, 85256 Vierkirchen - Pasenbach (Tel. 08139/802726) erfragen. Die bei der Schlachtung anfallenden Abfälle (SRM und sonstige Tierkörperteile, Konfiskat) sind grundsätzlich durch die für den Landkreis zuständige Tierkörperbeseitigungsanlage zu entsorgen, welche die Schlachtabfälle nach telefonischer Mitteilung abholt (Tierkörperbeseitigungsanstalt Kraftisried GmbH, Öschle 2, 87647 Kraftisried, Tel. 08377/929-400). 

Aus Tierschutzgründen dürfen die Schlachttiere auch nicht im Kofferraum des Pkw zur Schlachtstätte transportiert werden. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck bittet,   diese geltenden Bestimmungen zu beachten und auch  den davon betroffenen Freundes- oder Bekanntenkreis darüber zu informieren. Die Einhaltung der vorgenannten Bestimmungen wird an diesen Tagen verstärkt überwacht.

Aus technischen und organisatorischen Gründen besteht während des Opferfestes im Schlachthof FFB keine Möglichkeit, Tiere separat nach Maßgaben religiöser Vorschriften in Anwesenheit eines Veterinärs schlachten zu lassen, außerhalb dieses Zeitraums nach individueller Anfrage jedoch schon. Max Keil betont, dass Interessenten jedoch grundsätzlich einem Kompromiss nach den deutschen Tierschutzbestimmungen und Standards zustimmen müssten. Schächten ohne vorherige Betäubung ist nicht möglich. Bei größeren Tieren wird der sog. Bolzenschussapparat an der Schädeldecke des Schlachttiers angesetzt, eine Patrone treibt den Bolzen aus dem Rohr, Sekunden danach sticht eine angeleitete Fachkraft das Tier, das unter Betäubung ausblutet. Bei Schafen werde meist der Elektroschock angewendet. Vor dem Hintergrund zunehmender Flüchtlingsströme und der Versorgung mit Fleisch nach den muslimischen Vorschriften werde das Thema   auch grundsätzlich an Bedeutung zunehmen,  so Keil.  Gemäß islamischen Ritus darf ein Muslim nur Lebensmittel zu sich nehmen die "rituell rein" (tahir) sind. Das Gegenteil von Halal (gestattet) ist Haram, "nicht zulässig", "verboten". 

Auch Schlachtungen nach den jüdischen Speisegesetzen (Koscher) seien im Schlachthof Fürstenfeldbruck (in Verbindung mit deutschen Tierschutzstandards) grundsätzlich möglich, erklärt Keil. 

redkb

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