Paradies im Jexhof

Viel Nacktheit in den Darstellungen erwartet die Besucher bis zum 1. Februar in der soeben eröffneten Sonderausstellung um die ‚Ureltern’ nach biblischer Lesart. Doch der sogenannte Garten Eden war bekanntlich auf die ‚reine Unschuld’ eingerichtet und solange auch intakt wie sich die Versuchung einer Gottähnlichkeit nicht hineinwinden konnte.

Museumsleiter Dr. Reinhard Jakob wird sich etwas dabei gedacht haben, das Paradies als die „Sehnsucht der Menschen“ in diesen Vorweihnachtstagen schmackhaft zu machen und dabei auch der christlichen Heilsbotschaft - nach Paulus - zu gedenken, dass Christus der zweite Adam sei, gekommen, um die Menschen von der noch im Paradies auferlegten Erbsünde zu befreien: Und Maria wird heilsgeschichtlich der sündigen Eva gegenübergestellt. Aus diesem Grunde, so argumentiert der Jexhof-Flyer zur Sonderausstellung nachdrücklich, ist der 24. Dezember ja nicht nur der ‚Heilige Abend’, sondern auch der Namenstag von Adam und Eva. Sehr viel Volkskunst rankt sich um die paradiesischen Zustände, nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch als Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus verschiedenen Kulturkreisen. Aber auch Spuren hierüber lassen sich in einer Hochkultur wie der Renaissance zahlreich aufspüren. So zeigt die Jexhof-Ausstellung in einer Reproduktion die biblische Auffassung von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahre 1530 in einem paradiesischen Idealbild mit Gottvater und den Ureltern im vertrauten Gespräch in der Landschaft mit vielen Tieren, was sich biblisch allerdings keiner einzigen Bibelstelle zuordnen lässt. Härter in Handschrift und Holzschnitt die 37 Grafik-Reproduktionen aus der „Kleinen Passion“ von Albrecht Dürer aus den Jahren 1509/11, die sich ebenfalls mit dem paradiesischen Aufenthalt, aber auch mit der unnachsichtigen Vertreibung hiervon befassen. Eine Reproduktion aus dem British Museum London zeigt eine Illustration zu Dantes Göttlicher Komödie unter dem Titel „Inferno und Paradies“, wobei der Dichter auf seiner Reise durch die Hölle auf den ‚Läuterungsberg’ (Fegefeuer) und bekannte Persönlichkeiten stößt. Aus dem italienischen Siena stammt die Reproduktion eines Gemäldes von 1445 von Giovanni di e Paolo di Grazia, gleichfalls die paradiesische Vertreibung betreffend, wobei erstaunlicherweise auch der vertreibende Engel in unschuldiger Nacktheit auftritt. Adam und Eva als Krippenfiguren in Holz, um 1720, gehören zur Volkskunst und wurden vom Stadtmuseum Kaufbeuren überlassen. Eine kleinere Paradiesgruppe mit zwei Pfauen stammt aus jüngerer Zeit aus Seiffen im Erzgebirge. Der Pfau wurde früher mit der Unsterblichkeit gleichgesetzt. Aus dem Heimatmuseum Wasserburg/Inn konnte der Jexhof das bemerkenswerte Gemälde „Augustinerkind mit Lebensbaum und Schlange“ (Öl auf Leinwand) übernehmen. Die Sonderausstellung „Paradies - Sehnsucht der Menschen“ ist im Jexhof-Bauernhofmuseum des Landkreises bis zum 1. Februar geöffnet. Öffnungszeiten täglich 13 – 17 Uhr, außer montags. 1. Weihnachtstag und Neujahr geöffnet; Heiligabend und Silvester geschlossen. Informationen: Landratsamt Fürstenfeldbruck, Tel. 08141-519205 oder Jexhof-Museum Schöngeising, Tel. 08153-93250.

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