Parteiverrat in Fürstenfeldbruck

Den Mandanten verraten

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Eine Anwältin soll ihren Mandanten hintergangen haben. Der Fall wurde im Amtsgericht Fürstenfeldbruck verhandelt.

Fürstenfeldbruck – Weil sie Parteiverrat an ihrem Mandanten beging, wurde eine Anwältin aus dem Landkreis von Richter Steigmayer zu einer Geldstrafe von 9.800 Euro verurteilt. Das Gericht sah es nach einer fünfstündigen Verhandlung im Amtsgericht Fürstenfeldbruck als erwiesen an, dass sie ihren Mandanten hintergangen hatte.

Bei einem Scheidungsgespräch mit seiner Frau vor drei Jahren soll die heute 61-jährige Angeklagte ihren früheren Mandanten, einen 53-jährigen Puchheimer, hintergangen haben. Die Anwältin stritt das ab. Die Angeklagte schilderte, der Puchheimer sei wegen seiner Scheidung auf sie zugekommen, um zu erfahren ob die Vereinbarung, die er und seine Frau geschlossen hatten, vor Gericht standhalten würde und wie man die Scheidung möglichst kostengünstig halten könne. In einer E-Mail hatte er sich vorher erkundigt, ob alles passt und wollte ein Beratungsgespräch – bei dem seine Frau dabei sein sollte. Das habe sie skeptisch gemacht, sie hätte aber dennoch eingewilligt. Sie bestätigte, dass sie bei dem Gespräch dann der damaligen Ehefrau erklärt habe, dass ihr mehr zustehe, als in der Vereinbarung ausgemacht wurde. Zu dieser Zeit hätte laut der Angeklagten allerdings noch kein Mandat zwischen ihr und dem damaligen Ehemann bestanden, da die Vollmacht erst am Ende des Gesprächs unterschrieben wurde. Das schien den Vorsitzenden nicht zu überzeugen: „Sie verhandeln zwei Stunden, um dann zu entscheiden, ob sie den Fall annehmen?“, fragte er nach. Die Angeklagte blieb dabei und so rief der Richter zunächst den 53-jährigen in den Zeugenstand. 

Beratungsgespräch läuft anders als geplant

Dieser schilderte die Vereinbarung: Das Kindergeld (900 Euro je Kind) ginge an seine Frau, im Gegenzug verzichte sie auf das Haus, bekäme aber als Ausgleich 140.000 Euro. Das Sorgerecht wird geteilt. Der Puchheimer betonte, dass ihm wichtig gewesen sei, dass die Scheidung möglichst kostengünstig ist. Das sei im Interesse beider Partner gewesen. In der E-Mail an die Angeklagte wollte er sich zudem vergewissern, ob es Probleme bei der Vereinbarung gebe oder ob das so vor Gericht durch ginge. Da er davon ausging, das alles passt, wollte er dann seine damalige Frau mit zu dem Termin nehmen. „Ich wollte meine Frau aus Fairness dabei haben“, erklärte er. Bei der Besprechung lief es dann anders als geplant: „Statt 900 Euro Kindergeld waren es dann 1100 Euro“, erzählt er. Alles sei hinterfragt worden. „Ich hatte das Gefühl sie hat permanent die Vereinbarung in Zweifel gezogen und dass sie einen Keil zwischen mich und meine Frau treiben möchte.“ Seiner damaligen Frau habe die Angeklagte erzählt, dass ihr mehr zustehen würde, als in der Vereinbarung angegeben. „Meine Erwartung war, dass man sich darüber einig ist, dass es dann in Ordnung ist,“ erklärte er. Deshalb habe er auch die E-Mail geschrieben, um sicher zu gehen und da sei alles „in Ordnung“ gewesen. 

Angeklagte zu 140 Tagessätzen je 70 Euro verurteilt

Es folgte als weitere Zeugin die 47-jährige damalige Ehefrau: „Wir hatten im Vorfeld alles vereinbart“, bestätigt sie die Aussagen ihres Ex-Mannes. Sie sei sich damals bewusst gewesen, dass sie mehr raus schlagen hätte können – habe das aber nicht gewollt. Staatsanwalt Dr. Mayer sah sich in der Anklage bestätigt: Die Angeklagte habe nicht die Interessen ihres Mandanten vertreten. Es ginge ihm darum, die Vereinbarung schnell umzusetzen und er wollte nicht, dass Unterschiede vor seiner Frau geklärt werden. Das sei ein Vertrauensmissbrauch. Mayer forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung und eine Geldauflage in Höhe von 5000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Stiftung. Verteidiger Gernot Lammel stimmte dem nicht zu. „Ihr ist nicht gekommen, dass sie etwas falsches macht,“ sagte er und forderte einen Freispruch seiner Mandantin. Auch die Angeklagte meldete sich zu Wort: „Ich war wirklich überzeugt, das Richtige zu tun. Ich bin seit 30 Jahren im Beruf tätig, bei mir sitzen nie zwei, dass war eine Ausnahme“, sagte sie. Richter Steigmayer hielt der Angeklagten vor, dass sie dem Zeugen von vornherein hätte sagen müssen, dass es Probleme gibt, bevor es zu dem Gespräch gekommen war. „Sie wissen, dass die Gegenseite andere Interessen hat“, erklärte er. Er verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen je 70 Euro.

Felix Hamann

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