Pestel-Studie fürchtet Wohnungsknappheit – Stellungnahmen aus dem Landkreis

So sieht es derzeit hinterm Café Brameshuber aus. Hier entstehen 34 Wohnungen im Stadtzentrum. Foto: Metzler

Nach Ansicht von Experten des Pestel-Instituts, einem bundesweiten Forschungsunternehmen und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände, werden im Brucker Landkreis in fünf Jahren mehr als 2500 bezahlbare Mietwohnungen fehlen. Das ergab eine von führenden Verbänden der Bau- und Immobilienbranche in Auftrag gegebene Studie. Schuld seien der Rückzug des Bundes aus der Wohnungsbauförderung sowie die Reduzierung der sozialen Wohnungsbauförderung.

Auch der Bestand an Sozialwohnungen im Landkreis hat sich in den vergangenen 20 Jahren um die Hälfte reduziert. Nur noch 1792 Wohnungen stehen im Landkreis zur Verfügung, genau genommen gar nur 1592, denn für 200 Wohnungen in Puchheim besitzt ausschließlich München das Belegungsrecht. Weitere 400 Sozialwohnungen werden bis 2022 aus der Sozialbindung herausfallen. Nachdem der Kreis nach den Bestimmungen des Baugesetzbuches keine Sozialwohnungen errichten darf, sondern nur die Kommunen, könnte die Gründung einer gemeinsamen Wohnbaugesellschaft dazu beitragen, den gegebenenfalls entstehenden Bedarf an erschwinglichen Wohnungen aufzufangen. Inwieweit die Städte und Gemeinden jedoch in der (finanziellen) Lage sind, eine derartige Einrichtung zu stemmen, bleibt abzuwarten. „Wir können uns heute schon den Unterhalt unserer Wohnungen kaum leisten“, gab Brucks OB Sepp Kellerer zu bedenken. Er erinnerte daran, dass die Stadt 1990 mit der Sparkasse eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet hatte, diese aber 2010 wieder auflöste. Er tendiere mehr dazu, die bereits im Landkreis ansässigen Genossenschaften und Gesellschaften wie die Oberbayerische Heimstätte oder die IGEWO durch Anreize in Form von günstigem Bauland oder kommunalen Fördermitteln zu gewinnen. Im vergangenen Jahr beantragten 577 Familien mit niedrigem Einkommen im Landkreis eine Sozialwohnung, wobei in den im östlichen Landkreis gelegenen Städten und Gemeinden ein größerer Bedarf besteht. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich eineinhalb bis zwei Jahre. In den beiden Großen Kreisstädten Fürstenfeldbruck und Germering beantragten 182 bzw. 123 Haushalte eine Wohnung, in Olching 71, in Puchheim 50, in Eichenau 27 und in Gröbenzell zwölf Haushalte. Im ländlich geprägten westlichen Landkreis besteht jedoch kaum ein Bedarf. Brucks Kreishandwerksmeister und Stadtrat Franz Höfelsauer (CSU) beurteilt die Lage nicht so dramatisch wie sie die Studie des Instituts aussagt. Aufgrund des geringen Zuzugs in den Landkreis glaube er nicht, dass der Bedarf an Mietwohnungen dramatisch ansteige. Nach Aussage des Obermeisters der Bauinnung, Thomas Vilgertshofer, dessen Baufirma in der Kronprinz-Rupprecht/Schwabenstraße in der Kreisstadt 24 Wohnungen errichtet hat, erwerben in erster Linie Kapitalanleger die Wohnungen, um sie weiter zu vermieten. „Durch die derzeit niedrige Zins-Situation werden verstärkt Wohnungen als Kapitalanlage gekauft“, so Vilgertshofer. Vor einigen Jahren wäre das noch anders gewesen. „Da haben noch 90 Prozent der Eigentümer die Wohnungen selbst genutzt und nur zehn Prozent als Kapitalanlage“, so der Innungsobermeister aus Alling. Er glaubt, dass auch die 34 Wohnungen hinter dem Café Brameshuber, die seine Firma errichtet, mehr von Kapitalanlegern gekauft werden. Im Nachbarlandkreis Starnberg habe er in Gilching 45 Wohnungen gebaut, die zur Hälfte von Kapitalanlegern weitervermietet und zur Hälfte von den Eigentümern bezogen wurden. Er kenne die Pestel-Studie nicht, so Brucks Stadtbaumeister Martin Kornacher, aber er halte sie grundsätzlich für glaubhaft, wenngleich es schwierig sei, über die Dimensionen zu spekulieren. Er informierte, dass in der Kreisstadt in naher Zukunft doch einige Wohnbauprojekte realisiert werden. So habe die Stadt die Hoffnung, dass aus den Am Hochfeldweg geplanten 74 Wohneinheiten für 215 Einwohner Mietwohnungen werden. Darüber hinaus entstehe eine kleinere Wohnanlage auf dem ehemaligen Schulgelände am Niederbronnerweg. Und auch im Zuge des Umzugs der Brucker Stadtwerke auf das von der Stadt erworbene Gelände im Brucker Westen ist der Bau von weiterem Wohnraum geplant.

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