Zirkus wegen Corona in Maisach gestrandet

PETA appelliert an Circus Alfons William, Tiere abzugeben und auf tierfreies Programm umzusteigen

Mitarbeiter des Circus Alfons William mit vier Kamelen und Werbeplakat.
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Nachdem der Circus Alfons William coronabedingt in Maisach strandete, fordert PETA das Unternehmen nun auf, die Tiere an zoologische Einrichtungen oder geeignete Auffangstationen abzugeben.

Maisach – Schwierige Zeiten für Zirkusse mit Tieren: Das Veranstaltungsverbot aufgrund der Coronakrise traf sie gleich zu Beginn der Tourneen im letzten Frühjahr. Die fehlenden Einnahmen brachten insbesondere Zirkusse mit kostspieliger Tierhaltung in eine prekäre Lage. Durch den andauernden Lockdown dürfen sie weiterhin nicht auftreten und haben schon öffentlich um Geld- und Futterspenden gebeten.

So auch der in Maisach gestrandete Circus Alfons William mit 40 Tieren, darunter Kamele, Lamas, Alpakas, Ziegen, Esel und Pferde, über welchen der Kreisbote in den letzten Wochen und Monaten immer wieder berichtete. Doch nun meldet sich mit PETA auch die weltweit größte Tierrechtsorganisation zu Wort und bewertet das Thema aus einer anderen Sicht.

PETA appelliert an das Zirkusunternehmen, die Tiere dauerhaft an Lebenshöfe, zoologische Einrichtungen oder geeignete Auffangstationen abzugeben. Zudem bittet die Tierrechtsorganisation die zuständige Veterinärbehörde, die Versorgung der Tiere sicherzustellen und bei der Vermittlung zu unterstützen.

„Viele Zirkusse sind nicht in der Lage, die Tiere in Krisenzeiten ausreichend zu versorgen. Die meisten verfügen nicht einmal über ein geeignetes stationäres Winterquartier, in dem die Tiere in der kalten Jahreszeit ausreichend geschützt sind, obwohl dies gemäß Zirkusleitlinien erforderlich wäre. Deswegen appellieren wir an betroffene Betriebe, sie nun freiwillig abzugeben und dem Vorbild tierfreier Zirkusunternehmen zu folgen“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Tiere gehören ohnehin nicht in einen Zirkus, und spätestens jetzt dürfte angesichts der prekären finanziellen Lage vieler Kleinzirkusse klar sein, dass ihnen ein weiteres Leben im Zirkus erspart bleiben muss.“

Zwar gibt es immer wieder Fütteraktionen privater Personen und auch die Gemeinde Maisach kommt den Betreibern entgegen, indem sie sie das Gelände kostenlos nutzen lassen, doch noch immer leidet der Zirkus unter der Pandemie.

Tierleid in Zirkusbetrieben ist systembedingt

In Zirkusbetrieben leiden laut PETA nicht nur Wildtiere unter den unnatürlichen Bedingungen – auch die Haltung von Tieren wie Kamelen, Pferden oder Ponys ist bei vielen Zirkussen mangelhaft. Immer häufiger muss PETA die Veterinärämter auffordern, die Tierschutzrichtlinien auch in Betrieben durchzusetzen, die keine Wildtiere mitführen. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus. Denn die Unterbringung in kleinen Gehegen und eine oftmals mangelhafte Versorgung, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen laut PETA zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Deutschland sollte in dieser Hinsicht dem Beispiel anderer Staaten folgen: So haben Griechenland, Malta und Zypern die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben bereits komplett verboten. 

Zukunft ohne Tierdressuren

Circus Roncalli zum Beispiel verabschiedete sich schon in den 90er-Jahren von Wildtierdressuren, nahm 2018 auch die Pferde aus dem Programm und ist nun gänzlich tierfrei. Das Unternehmen erfährt für sein tierleidfreies Konzept und die zukunftsweisende Hologrammtechnologie weltweit Zuspruch. Auch der Moskauer Circus führte nach der Corona-Pause seine Gastspiele ohne Tiernummern fort und setzt zeitweilig ausschließlich auf menschliche Darsteller. Weitere Unternehmen – wie Flic Flac oder Cirque du Soleil – feiern ohne Tierdressuren große Erfolge und sind oft im Voraus ausgebucht. 

PETA sieht Zoos in der Verantwortung

Bei der Aufnahme von notleidenden Tieren aus Zirkusbetrieben sieht PETA auch zoologische Einrichtungen in der Verantwortung, die jedes Jahr viele Millionen Euro an Steuergeldern für die Aufrechterhaltung der Zoobetriebe erhalten. PETA fordert, dass Zoos die sinnlose Zucht und Zurschaustellung von Tieren beenden und stattdessen künftig ausschließlich als Auffangstationen für Tiere aus schlechter Haltung fungieren.

PETAs Motto lautet in Teilen: „Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.“ Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

red

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