Neue Wege der Stadtkirche

Germerings Pfarrer Jaster im Interview: "Wir haben die Alte Martinskirche zum Studio für Video-Gottesdienste hergerichtet"

Pfarrer Andreas Christian Jaster  (rechts) und Pastoralreferent Christian Kube bauen alles für die Video-Übertragung der Stadtkirche auf. Kube wird den Karfreitagsgottesdienst der Katholischen Stadtkirche Germering im Livestream zelebrieren.

Die Stadtkirche lässt in der Krise nichts unversucht, alle Menschen zu erreichen. Pfarrer Andreas Christian Jaster erklärt im Interview die Wege der Stadtkirche Germering. 

Frage: Herr Pfarrer Jaster, wie blicken Sie auf die derzeitige Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Stadtkirche?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Die Corona-Krise ist etwas, das weder ich persönlich noch die Bundesrepublik Deutschland in der Form je erlebt haben. Da gibt es zu den Ausführungen von Bundespräsident Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts hinzuzufügen. Es ist eine Zeit, in der nahezu jedes öffentliche Leben, auch das kirchliche unter Einbeziehung der ganzen Gemeinde mehr oder weniger vollständig zum Erliegen kommt. Sowas hat es meines Wissens noch nie gegeben, nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs.

Frage: Was bedeutet die Corona-Krise aus seelsorglicher Sicht?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Eine solche Krise löst bei einer ganzen Reihe von Menschen Ängste aus, seien es Ängste um die eigene Gesundheit bis hin zum eigenen Leben, oder Ängste um Gesundheit und Leben lieber Angehöriger oder freilich auch Ängste um die berufliche oder wirtschaftliche Existenz. Bei solchen Ängsten hilft es den Menschen oft schon, wenn sie spüren, dass ihnen jemand nahe ist. Das ist unsere Aufgabe als Seelsorger, immer wieder daran zu erinnern: Jesus ist an unserer Seite.

Frage: Aber Nähe, zumindest körperliche Nähe ist etwas, das in diesen Tagen strikt unterbleiben sollte.

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Sie haben absolut recht: Die größte Nähe zu einem Menschen ist derzeit, ihm körperlich nicht zu nahe zu kommen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dennoch wollen wir im Namen Gottes weiterhin zur Seite stehen, so gut wir können. Das muss nicht unbedingt körperliche Nähe heißen. Auch in einem Telefonat, einer E-Mail oder einem Brief lässt sich wirkliche Nähe ausdrücken. Beispielsweise schreibe ich meine Gemeinde, zumindest diejenigen, die das wünschen, jede Woche mit einigen Gedanken zum jeweiligen Sonntag an. Auch gibt es weiterhin unser wöchentliches Pfarrblatt, das zum einen in den nach wie vor zum persönlichen Gebet geöffneten Gotteshäusern zum Mitnehmen bereitliegt, zum anderen aber auch allen Gemeindemitgliedern mit eigener E-Mail-Adresse geschickt wird, wenn sie sich auf der Homepage der Stadtkirche, www.stadtkirche-germering.de, registriert haben.

Frage: Immer mehr Pfarreien und Kirchengemeinden stellen „online“ Angebote zur Verfügung …

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Wir natürlich auch. Beispielsweise bietet Diakon Benno Saruba einen Online-Bibelkreis an. Dazu haben sich bereits über 80 virtuelle  Teilnehmer angemeldet. Und am Palmsonntag gibt es einen virtuellen Kindergottesdienst. Weitere Informationen zu beidem gibt es bei Diakon Benno Saruba unter BSaruba@ebmuc.de.

Frage: Eine 2.000 Jahre alte Institution wird digital und setzt voll auf die Möglichkeiten der Digitalisierung. Wäre hätte das gedacht?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: (lacht) Ich selbst bin zwar ein eher „analoger“ Mensch, aber ich kenne die Bedeutung der sozialen Medien wie WhatsApp, Twitter, Instagram oder Facebook. Und auch Live-Streaming ist für mich kein Fremdwort. In dem Bereich planen wir sogar etwas …

Frage: Jetzt haben Sie uns neugierig gemacht …

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Wir haben kurzerhand die Alte Martinskirche zum „Stadtkirchen-Studio“ für Livestream-Gottesdienste hergerichtet, vor allem für die Kar- und Ostertage. Den Start macht Pfarrvikar Pater Bartholomew Aondo mit der Feier des Palmsonntags am 5. April 2020 um 10.30 Uhr, möglicherweise technisch noch nicht ganz perfekt. Den Gottesdienst am Gründonnerstag werde ich selbst als Livestream zelebrieren. Und den Karfreitag übernimmt Pastoralreferent Christian Kube. Darüber hinaus überlegen wir derzeit, auch eine Osternachtfeier als Livestream anzubieten. Und es wird auch spezielle Angebote für Kinder geben.

Frage: Das klingt nach einem umfassenden Plan. Welche Plattform wird die Stadtkirche für das Livestreaming verwenden? Und zu welchen Zeiten finden diese Live-Angebote statt?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Alle mit unserem Livestream in Zusammenhang stehenden Informationen wie Zeiten, Zugangsdaten und mehr  finden sich in aktueller Form immer auf der Homepage der Stadtkirche: www.stadtkirche-germering.de.

Frage: Derartige Online-Angebote mit Livestream oder virtuellem Bibelkurs richten sich vermutlich eher an ein internet-affines Publikum. Aber was ist mit Ihren älteren Gemeindemitgliedern, die vielleicht nicht so umfassend im Netz unterwegs sind?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Das ist mir in der Tat ein großes Anliegen. In den vorigen Jahren haben wir am Dienstag der Karwoche stets einen besonderen Seniorengottesdienst angeboten mit der Möglichkeit, die Krankensalbung zu empfangen. Das geht in diesem Jahr leider nicht, denn unsere  Senioren sind Risikogruppen beim Corona-Virus. Daher haben wir uns für dieses Jahr etwas anderes, neues einfallen lassen.

Frage: Verraten Sie uns bitte, was?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Am gewohnten Dienstag der Karwoche, also am 7. April, nehme ich mir von 14 bis 16 Uhr ganz persönlich Zeit für unsere  Senioren, für einen ganz persönlichen Segen am Telefon. Dazu mögen unsere Senioren zu der genannten Zeit bitte direkt unter der Telefonnummer 089 84936812 anrufen. Dann beten wir telefonisch miteinander ein Vaterunser und ein Ave-Maria in all den eigenen und weltweiten Sorgen und Nöten, verbunden mit einem kurzen persönlichen Wort der Ermutigung, und schließen mit dem Segen. Sollten alle Telefonleitungen einmal belegt sein, bitte einfach nochmal probieren. Jede und jeder soll drankommen können.

red

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