Erster Polizeihauptkommissar Michael Fischer der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck über den Umgang mit Pfefferspray

Pfefferspray: Einsatz nur im Notfall

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Fürstenfeldbruck - Am 13. April diskutieren Innenminister Joachim Herrmann und die Grünen-Politikerin Katharina Schulze im BR bei „Jetzt red i“ in der Marthabräuhalle Fürstenfeldbruck über die Sicherheit im Freistaat. Hierbei wird auch der Einsatz von Pfefferspray Thema sein.

Bereits beim Kauf sollte der Konsument sich vergewissern, dass er das richtige Pfefferspray erwirbt. Pfefferspray oder Tierabwehrspray, mit „BKA“ oder „PTB“ Kennzeichnung sind frei verkäuflich, erklärt Erster Polizeihauptkommissar Michael Fischer der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck. Sprays ohne diese Kennzeichnung fallen allerdings unter das Waffengesetz und dürfen ohne Berechtigung nicht verkauft oder erworben werden.

Der deutsche Anwaltsverein geht noch weiter: Sobald auf dem Pfefferspray ein Hinweis angegeben wurde, „Nur zur Tierabwehr“, darf das Spray ohne Altersbeschränkung gekauft und mitgeführt werden, erklärt Rechtsanwalt Dr. Patrick Riebe, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Der Inhalt von Pfefferspray ist, wie der Name bereits vermuten lässt, Pfeffer, genauer Oleoresin Capsicum bzw. Capsaicin. Hierbei handelt es sich um eine Lösemittelextraktion, die aus trockenen, reifen Früchten von Capsicum, also Chilli oder Cayenne- Pfeffer bzw. Paprika gewonnen wird.

Wirkungsweisen von Pfefferspray

Dr. Rudolf Summer, Abteilungsleiter für Gutachten, Prävention, Gesundheitliche Aufklärung und Beratung im Landratsamt Fürstenfeldbruck zu gesundheitlichen Konsequenzen: Sobald das Gemisch auf Haut, Augen oder Schleimhäute trifft treten unterschiedliche Reaktionen auf. Trifft Pfefferspray auf die Schleimhäute, führt das zu einer stärkeren Durchblutung, die Schleimhäute schwellen an und das Atmen wird erschwert, erläutert der Mediziner. Der hierdurch produzierte Schleim kann im schlimmsten Fall sogar Asthma bei normal Gesunden auslösen. Auf der Haut brennt das Spray zwar, wirkt sich aber nicht gravierend aus. Es bilden sich Quaddeln, die mit Wasser gut abgewaschen werden können, so Dr. Summer. Gerät der Pfeffer in die Augen kann man aufgrund des starken Tränenflusses mindestens 10 Minuten lang nicht mehr sehen, die Augen erröten und die Bindehaut schwellt an.

Setzt man das Pfefferspray gegen angreifende Tiere ein, sind die Symptome ähnlich. Bei Hunden wirkt das Pfefferspray „analog zum Menschen“ wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage bestätigte. Das bedeutet, das Pfefferspray wirkt nahezu mit den gleichen Konsequenzen für das Tier, weshalb ein ungerechtfertigter Gebrauch gegen Tiere auch gegen das Tierschutzgesetz verstoßen kann.

Einsatz gegen Menschen nur im Notfall

Auch wenn Pfefferspray eher als Notwehrspray eingestuft wird, ist es, wie der Name „Tierabwehrspray“ bereits sagt, ausdrücklich nur als Schutzmaßnahme gegen angreifende Tiere erlaubt. Dennoch - wer sich in einer absolut lebensgefährlichen Lage befindet, darf sich in bestimmten Fällen mit einem Pfefferspray zur Wehr setzen. Dazu erklärt Erster Hauptkommissar Fischer, PI Fürstenfeldbruck: „In einer Notwehr- oder Nothilfesituation kann natürlich der Einsatz von Pfefferspray gerechtfertigt sein.“

Der Polizeibeamte betont aber, dass wirklich Notwehr vorliegen müsse. Es genüge nicht, sich provoziert zu fühlen und auch eine verbale Beleidigung sei nicht ausreichend, um das Spray einzusetzen. Vor Gericht bedarf es überzeugender Beweise in Notwehr gehandelt zu haben. Wer das Spray fahrlässig einsetzt, dem droht eine Anzeige wegen Verdachts auf Körperverletzung.

Pfefferspray darf im Sommer nicht im Auto gelagert werden, da das Spray sehr hitzeempfindlich ist. Außerdem sollte man sich an das Mindesthaltbarkeitsdatum halten, da sonst nicht die gewünschte Wirkung erzielt wird. Bei Spaziergängen ist es ratsam das Spray schnell griffbereit in der Hosen oder Jackentasche zu verwahren. Generell gilt allerdings, „Bei Veranstaltungen kann das Mitführen von Pfefferspray problematisch werden, wie z.B. bei politischen Veranstaltungen, wie Demos, Kundgebungen usw., da hier ein generelles Waffenverbot gilt, welches auch Gegenstände die nicht dem Waffenrecht unterliegen, wie z.B. Brotzeitmesser, Scheren und eben Pfefferspray umfasst“, klärt Fischer auf.

Abschließend meint Erster PHK Fischer: „Generell sollte man sich den Erwerb und damit einen eventuellen Einsatz von Pfefferspray wohl überlegen. Es ist definitiv kein Allheilmittel und gaukelt dem Besitzer oft ein falsches Sicherheitsgefühl vor. Nicht immer führt der Einsatz zur sofortigen erwünschten Wirkung oder der Benutzer beeinträchtigt sich selbst. Z.B. spielen die Entfernung, Windrichtung oder auch falsche Handhabung eine Rolle. Ebenso beurteilt der Staatsanwalt die Rechtmäßigkeit des Einsatzes vielleicht ganz anders als der Benutzer und so hat man plötzlich rechtlichen Ärger am Hals.“

Felix Hamann

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