Pflanzenzüchtung der Zukunft - Brucker Land lud prominente Biologin ein

Die Agro-Gentechnik birgt Risiken für Umwelt und Verbraucher, die bisher nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht sind. Deshalb lehnen über 80 Prozent der Verbraucher in Deutschland nach wie vor gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Der Verbraucher von ökologisch erzeugten Lebensmitteln geht davon aus, dass die Ökoprodukte frei von Gentechnik sind. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich die Biologin Dr. Martha Mertens mit der Gentechnik.

Die Vorsitzende der Solidargemeinschaft Brucker Land, Elsbeth Seiltz, und ihr Stellvertreter, Dr. Michael Dippold, freuten sich daher, die Biologin für einen Vortrag mit dem Thema „Pflanzenzüchtung der Zukunft – ohne Gentechnik geht’s auch!“ im Gemeindehaus der Erlöserkirche in Fürstenfeldbruck begrüßen zu können. In einem zweistündigen Referat erläuterte die Expertin den ca. 50 Besuchern der Info-Veranstaltung die Weiterentwicklung von sinnvollen Züchtungsmethoden ohne auf gentechnische Veränderungen von Pflanzen angewiesen zu sein. Dr. Martha Mertens, die in München und Portland (USA) Biologie studierte und auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie promovierte, arbeitete im Bereich der Umweltfortbildung, unter anderem beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Als freiberufliche Gutachterin und Referentin für Biotechnologie setzt sie sich vorwiegend mit der Gentechnik in der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion auseinander. Die Biologin gab zunächst eine längere Einführung über die Gentechnik und deren Züchtungsziele ab. Wenn man einen Organismus, zum Beispiel eine Pflanze gentechnisch verändere, verändere man die genetisch bedingten Merkmale der Pflanze (DNS, DNA). Eine Möglichkeit, eine Pflanze gentechnisch zu modifizieren, ist, ihr zusätzlich zu den eigenen Genen ein Gen, das aus einem anderen Organismus stammt, hinzuzufügen. Mit Hilfe der Gentechnik ist es so möglich, Gene von einer Gattung auf eine andere zu übertragen. Selten kann man allerdings mit bloßem Auge erkennen, ob eine Pflanze gentechnisch verändert worden ist. Die Wissenschaftler haben deshalb einige Techniken entwickelt, mit deren Hilfe sie dies überprüfen können. Zum Beispiel kann der Wissenschaftler mit dem Gen für die von ihm erwünschte Eigenschaft ein weiteres Gen, ein so genanntes „Marker-Gen“ in die Pflanze übertragen. Ein solches Marker-Gen ist zum Beispiel ein Gen, das das Pflanzengewebe in einem chemischen Test seine Farbe ändert. Schon lange vor der Gentechnik wurden Nutzpflanzen durch einen Prozess verändert und verbessert, den man als „klassische Züchtung“ bezeichnet. Züchtung heißt, dass man die besten, größten, schönsten oder am besten schmeckenden Exemplare einer bestimmten Art so lange miteinander kreuzt, bis man eine Pflanze erhält, die noch besser, größer oder schöner ist oder noch besser schmeckt. Auch bei der Züchtung werden Gene von einer Pflanze auf eine andere übertragen, allerdings auf eine andere Art und Weise. Während bei der gentechnischen Veränderung exakt ein Gen und somit ein exakt gewünschtes Merkmal auf die Pflanze übertragen wird, werden bei der klassischen Züchtung immer viele verschiedene Merkmale weitervererbt und man weiß nicht, welche Merkmale gekoppelt vererbt werden. So kann die Züchtung auf ein gewünschtes Merkmal gleichzeitig auch unerwünschte Merkmale verstärken. Bei der klassischen Züchtung können Merkmale nur zwischen Organismen ausgetauscht werden, die nahe verwandt sind. Mit Hilfe der Gentechnik können Merkmale dagegen von einer Gattung auf eine andere übertragen werden. Zum Abschluss ihrer Ausführungen erläuterte die Biologin „Smart Breeding“. Hier handelt es sich um ein neues Züchtungsverfahren zwischen Gentechnik und der klassischen Methode, das in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen könnte. Das Verfahren kann den Züchtungsprozess erheblich verkürzen. Mit dieser Präzisionsmethode ist es möglich, bereits vor dem Kreuzen gezielt die Pflanzen mit den gesuchten genetischen Eigenschaften zu identifizieren. Die bedrohlichen Argumente, die die Befürworter der Gentechnik ins Feld führen, wie Bevölkerungswachstum, Hunger in der Welt, Verlust an fruchtbaren Boden oder Klimawandel halten die Gegner der Agrogentechnik die Risiken für Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft entgegen.

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