Siegi und Richard Hudec aus Adelshofen gründeten 2009 mit anderen Pflegeeltern den Verein Adoptiv- und Pflegeeltern in FFB und Umgebung e.V. 

Pflegeeltern aus Leidenschaft

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Familie Hudec aus Adelshofen (von li): Richard u. Siegi Hudec mit Tochter Ronja und Pflegetochter Astrid (vorne)

Adelshofen - In gemütlicher Runde sitzt Familie Hudec am Eßzimmertisch beisammen. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich: Vater Richard, Mama Siegi, die 17–jährige Tochter Ronja und die 11–jährige Pflegetochter Astrid tauschen sich über die Erlebnisse des Tages aus, hören einander zu. Zwischendurch munteres Gelächter. Eine normale, glückliche Familie. Vor kurzem waren sie noch zu fünft: "Wir hatten von Mai bis September ein 9–jähriges Mädchen als Bereitschaftspflegekind bei uns", erzählt Siegi Hudec. "Bei der Bereitschaftspflege ist es so, dass man innerhalb kürzester Zeit einen Anruf bekommt, ob man ein Kind aufnehmen will. Danach geht alles sehr schnell".

Siegi und Richard Hudec waren von Anfang an dabei, als der Verein "Adoptiv- und Pflegeeltern in FFB und Umgebung e.V." im Jahr 2009 gegründet wurde. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Adoptiv- und Pflegeeltern aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau. Im Vordergrund stehen die den Adoptiv- und Pflegefamilien anvertrauten Kinder. Diese Familien sind in vielen Bereichen besonderen Belastungen ausgesetzt - hier will der Verein unterstützen und die Öffentlichkeit für die Belange von Adoptiv- und Pflegefamilien im Landkreis sensibilisieren. "Wir arbeiten mit den Jugendämtern in Fürstenfeldbruck und Dachau partnerschaftlich zusammen", so Richard Hudec. Der Verein fördert den Erfahrungsaustausch der Adoptiv- und Pflegeeltern, unternimmt gemeinsame Freizeitaktivitäten und berät die betroffenen Familien bei Fragen und Problemen.

Richard und Siegi Hudec verfügen über jahrelange Erfahrung als Pflegeeltern: Schon kurz nach der Geburt ihrer Tochter Ronja dachten sie über die Adoption eines Kindes nach: "Wir wollten einem Kind, dem es nicht so gut geht, die Chance geben, bei uns zu leben", erzählt Siegi Hudec. Doch die Voraussetzungen für eine Adoption sind in Deutschland sehr schwierig. Es gibt sehr viele Punkte, die man erfüllen muss. Unter anderem durfte man zu diesem Zeitpunkt in Fürstenfeldbruck kein leibliches Kind haben. ( Die Kriterien sind von Landkreis zu Landkreis verschieden). 

Eine Alternative dazu bildet das Modell der Pflegschaft: Zu den drei Stufen gehören die Bereitschaftspflege, die Kurzzeitpflege und die Langzeit- oder Dauerpflege. Das höchste Ziel der Pflegschaft ist die Rückführung des Kindes zur Herkunftsfamilie. "Bei einem Pflegekind kann sich die Pflegefamilie nie 100% sicher sein, ob es bleibt oder nicht. Die Rückführung zur leiblichen Familie ist immer möglich", erklärt Siegi Hudec. "Nur bei Adoptionen wird das Kind rein rechtlich als eigenes Kind angesehen". Als Astrid wenige Wochen alt war, kam sie zur Bereitschaftspflege direkt zu den Hudecs nach Hause und lebt seitdem bei der Familie wie eine eigene Tochter. "Wir haben die Entscheidung, ein Pflegekind bei uns aufzunehmen, immer zusammen mit unserer leiblichen Tochter Ronja getragen. Es war uns von Anfang an wichtig, dass sie mitzieht", erzählt Richard Hudec. "Zweieinhalb Jahre später wurde uns gesagt, dass Astrid zur Dauerpflegschaft bei uns bleiben darf". Dennoch: Zweifel, dass sie Astrid eines Tages verlieren könnten, haben sie nicht mehr. Als Astrid vor vier Jahren den Nachnamen Hudec angenommen hat, war das ihr schönstes Weihnachtsgeschenk. "Das hat unseren Zusammenhalt noch verstärkt". Trotz Höhen und Tiefen hat es die Familie zu keiner Zeit bereut, ein Pflegekind aufgenommen zu haben.

Infos unter www.pflegeeltern-ffb.de

Nicole Burk

 

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