Am 17. Juli 2014 landete eine Sportmaschine vom Typ Piper auf der für den Flugbetrieb geschlossenen Rollbahn in Fursty 

Pilot wegen Sicherheitslandung vor Gericht – Geldstrafe verhängt

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Mit dieser sechssitzigen New Piper eines Charterflugunternehmens legte ein damals 73-jähriger Pilot aus Meersburg am 17. 7. 2014  eine Sicherheitslandung auf der ehemaligen Landebahn des Fliegerhorstes FFB ein. 

Fürstenfeldbruck/Maisach  – Zehn Minuten Verspätung: Auch wenn Unpünktlichkeit normalerweise keine Eigenschaft ist, mit der man neue Freunde gewinnt, kann sie auch positive Begleiterscheinungen mit sich bringen. Den Polizisten jedenfalls, die im vorigen Sommer ihr Fahrertraining auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens in Fürstenfeldbruck absolvieren wollten, hat sie vielleicht sogar das Leben gerettet. Denn wären sie nach ihrer Mittagspause wieder planmäßig auf dem ehemaligen Rollfeld gewesen, wäre ihr Fahrzeug vielleicht mit einem Flugzeug zusammengestoßen.

Letzteres landete überraschenderweise auf dem seit Jahren stillgelegten Flugplatz. Die Sportmaschine vom Typ Piper ging am 17. Juli vergangenen Jahres gegen 13.15 Uhr auf der für den Flugbetrieb geschlossenen Rollbahn nieder. Nun musste sich der verantwortliche Pilot wegen fahrlässigen Landens und vorsätzlichen Startens von einem nicht zugelassenen Flugplatz vor dem Amtsgericht. Der Vorsitzende Richter sprach den 73-Jährigen schuldig und verhängte 3850 Euro Geldstrafe. Seit Mitte 2010 ist der frühere Militärflugplatz für den Flugverkehr geschlossen. Inzwischen hat sich neben der Polizei auch der Autohersteller BMW auf dem Gelände zwischen Fürstenfeldbruck, Emmering und Maisach angesiedelt; beide nutzen die weiten, asphaltierten Flächen für Fahrsicherheitstrainings. Am 17. Juli waren Polizeibeamte zugegen, als das Flugzeug auf der für sie bestimmten Fahrbahn landete. „Wir haben uns zehn Minuten verspätet, Gott sei Dank, sonst wären wir schon auf der Landebahn gewesen“, berichtete einer der Polizeibeamten im Gerichtssaal. Völlig überraschend sei das kleine Flugzeug dort gelandet, und er habe sofort mit dem Piloten gesprochen. Als Grund, weshalb er in Fürstenfeldbruck landete, habe der Mann gesagt, „dass er den Flugplatz mit Oberschleißheim verwechselt hat“. Das bestätigte auch ein Kollege des Polizisten.

 Der Pilot habe sich noch gewundert, weshalb er keine Meldung vom Tower bekommen habe. Während die Schilderung der Zeugen auf einen etwas verwirrten Geisteszustand des Piloten hindeuten könnte, nannte der Angeklagte einen anderen Grund für die Aktion: Die zwei minderjährigen Passagiere, die mit ihrem Vater von der Schweiz nach München flogen, seien wegen Turbulenzen so ängstlich gewesen, dass er aus Rücksicht auf sie rund zehn Minuten vor dem tatsächlichen Ziel eine sogenannte „Sicherheitslandung“, quasi die Vorstufe einer Notlandung, eingeleitet habe. Dass er gute vier Stunden später von „Fursty“ aus wieder gestartet war, obwohl ihm das Luftamt zur Auflage gemacht hatte, das Flugzeug vorher durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen, nannte der 73-Jährige „meinen größten Fehler“. Er habe an drei Standorten – Oberschleißheim, Augsburg, Baden-Baden – erfolglos versucht, einen Prüfer zu bekommen, zugleich habe ihn der Mann von BMW gebeten, das Flugzeug von der Fahrbahn zu entfernen.

 Ein Mitarbeiter des Luftamts führte aus, dass eine technische Prüfung vor dem nächsten Start eines Flugzeugs bei Notlandungen obligatorisch sei, bei Sicherheitslandungen aber nur verlangt werde, wenn man technische Mängel vermute. Im Fall des Angeklagten hätte er wohl keine Prüfung verlangt, wenn er persönlich mit diesem gesprochen hätte, erläuterte er. Auch die Zeugen und der Angeklagte versicherten, nichts von Mängeln mitbekommen zu haben. Wie der Mann vom Luftamt unterstrich, habe die Behörde dann auch auf die Prüfung verzichtet. Den zweiten Teil der Anklage, den vorsätzlichen Start entgegen der Anordnung des Luftamtes, werteten Staatsanwalt und Richter nun nicht mehr als ganz so gravierend. „Das Luftamt hätte die Genehmigung möglicherweise sogar erteilt“, vermutete der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. Wie der Staatsanwalt hielt er die Begründung des in Meersburg lebenden Angeklagten für die Landung vorgeschoben, wahrscheinlicher sei, dass er die Flugplätze Fürstenfeldbruck und Oberschleißheim verwechselt habe.

Ariane Lindenbach 

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