Pilotin Helga Asenbaum

Es war einmal vor 22 Jahren, da drehte ich mit Joseph Vilsmaier den Film „Herbstmilch“. Es gab da eine Szene, in der ein Kriegsflugzeug (eine Spitfire) einen Angriff auf die Hauptdarsteller flog. So weit, so gut! Nachdem die Einstellung „im Kasten“ war, hab’ ich Joseph Vilsmaier gefragt, ob ich mit dem Piloten einen kleinen Flug über Niederbayern machen könnte. Der stimmte zu – und danach war’s um mich geschehen. Selbst fliegen – das wollte ich können. Man empfahl mir eine Flugschule in Jesenwang, die damals noch Elvira Walch gehörte, der jüngsten Inhaberin einer Flugschule in Deutschland. Nach kurzem Überlegen - vielleicht ist es ja nur eine Spinnerei - meldete ich mich an. Lernen war jetzt angesagt, 120 Stunden Theorie, 40 Stunden Fliegen mit und ohne Lehrer, Texte für den Funksprechverkehr einüben und nicht zuletzt der Besuch beim Arzt, ob bei mir alles o.k. ist. Nach einem Jahr hatte ich meinen PPL bestanden. Darüber hinaus musste ich aber auch noch arbeiten und Geld verdienen, um mir meinen Wunsch erfüllen zu können. Mein erster großer Überlandflug war zur Insel Rügen. Das war kurz nach Öffnung der Grenzen zur DDR, man musste ganz besondere Regeln einhalten, denn noch immer war es ungewöhnlich für die Fluglotsen auf dem Tower eine „westdeutsche Frau“ am Funk zu hören und „wo bitte liegt Jesenwang“? Nachdem ich in Europa, Amerika und Australien herumgeflogen bin – mein Beruf brachte mich in diese Länder - fliege ich noch immer in Jesenwang und chartere bei Max Walch. Ich fliege aber nicht mehr allein. Ich bin in der Zwischenzeit 73 Jahre, aber mein Verantwortungsbewusstsein sagt mir, dass ich meine Flüge nicht mehr alleine machen sollte. Außerdem ist es viel schöner zu zweit: Viertausend Fuß über Grund über dem Ammersee im Abendlicht z.B.: „Schau der Glanz über dem Wasser und die vielen Boote“ oder im Winter „ Alles weiss - nur der See ist dunkelblau und noch nicht zugefroren“. Und mein Fliegerarzt – der einem Gutachter gleichkommt - gibt noch immer sein „ja“, dass ich als „Pilot in command“ fliegen darf. Und außerdem muss man ja einmal jährlich bei ihm vorsprechen und zusätzlich 12 Flugstunden nachweisen. Und dann denke ich immer: Was weiß ich von dem Autolenker, der mit 200 Sachen auf der Autobahn links an mir vorbeiprescht, obwohl 80 km vorgeschrieben sind!? Was weiß ich von dem jugendlichen Flitzer, der seine Fahrkünste beweisen muss, bei einer regennassen dunklen Strasse mit Bäumen bepflanzt dicht auf mich aufzufahren, um heftig blinkend zu überholen?! Der eine oder andere Beobachter unserer Flüge hoch am Himmel denkt vielleicht, die könnten ja auch woanders fliegen! Mir kommt das vor wie „Heiliger Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andere an“. Ein junger Mann oder eine junge Frau, die als Lebenserfüllung Berufs-Pilot zu werden als das einzig richtige für sich sehen, müssen ganz „unten“ anfangen. Alle! Manche beginnen als Segelflieger, um ein Gefühl fürs Fliegen zu bekommen, manche beginnen gleich mit dem Fliegen auf kleinen Maschinen z.B. Ultraleicht, auf kleinen Plätzen, und dann heißt es üben, üben, üben… Denn wenn man sich bewirbt z.B. bei der Lufthansa, AirBerlin, Singapur-Airlines, oder sonst einer großen Gesellschaft, muss man bereits fliegen können. Und dann beginnt erst die große drei bis vierjährige teure Ausbildung, die der Bewerber auch selbst bezahlen muss. Und die eventuelle Anstellung ist noch nicht sicher! Ob die Passagiere, die sich von den großen Maschinen in alle Welt transportieren lassen, manchmal an das denken? Wohl kaum, muss ja auch nicht sein. Was ich mir wünschen würde, wäre eine größere Kompromissbereitschaft, Zugeständnisse. Die Piloten in Jesenwang bemühen sich um diese Zugeständnisse und denken an die Menschen, die Blicke auf sie werfen und vielleicht doch gerne mitfliegen würden. Helga Asenbaum 20.08.2011

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