Podiumsdiskussion zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit im Jobcenter Fürstenfeldbruck

"Was kann ich noch tun?"

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Von links: Ralf Holtzwart, Thomas Karmasin, Raimund Becker, Claudia Baubkus, Gerda Hasselfeldt und Michael Schankweiler. 

Zum Thementag der Langzeitarbeitslosigkeit hat das Jobcenter Fürstenfeldbruck Ende April zu einer Podiumsdiskussion geladen. Die Gesprächsteilnehmer waren Claudia Baubkus, Geschäftsführerin des Jobcenters Fürstenfeldbruck, die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes Gerda Hasselfeldt, der Brucker Landrat Thomas Karmasin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit Ralf Holtzwart, Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weilheim sowie Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit Raimund Becker.

Landkreis - Etwa 850.000 Menschen sind in Deutschland langzeitarbeitslos gemeldet. Auf dem Papier bedeutet die Langzeitarbeitslosigkeit schlicht länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet zu sein, im täglichen Leben heißt es oftmals Armut, Verschuldung oder Ausgrenzung. Im Landkreis Fürstenfeldbruck sind derzeit 406 Menschen als solche gemeldet – der Anteil der unter 25-jährigen liegt bei etwa 50 Prozent. „In Deutschland sind derzeit 100.000 bis 200.000 Menschen gemeldet, die länger als acht Jahre arbeitslos sind – auch diesen muss eine Chance gegeben werden“, erklärte Becker. „Und wir müssen vor allem darauf achten, dass es sich nicht über mehrere Generationen streckt. Bei den Kindern muss schon angefangen werden“, warf Landrat Karmasin ein. Die Abbrecherquote bei Auszubildenden steige zunehmend. Viele schätzen ihre Situation nicht richtig ein. Es müsse mehr parallel laufen und die Maßnahmen nicht hintereinander geschaltet werden. 

Beschäftigungen schaffen

Das große Ziel sei es, die arbeitssuchende Person in eine Beschäftigung zu bringen. Eine Integration in den Arbeitsmarkt sei umso schwerer nach einer längeren Arbeitslosigkeit. Im Fokus müsse aber die gesamte Bedarfsgemeinschaft stehen – auch der Partner und die Kinder. Jeder Fall sei anders und individuell zu sehen. „Da gibt es kein Patentrezept. Maßgeschneiderte Programme müssen her“, sagte Hasselfeldt. „Dazu müssen aber mehr Gelder investiert werden. Ein Vermittler des Jobcenters muss weniger Personen zur Betreuung erhalten“, konterte Baubkus. 

Ein Betroffener berichtet

Individuell zu sehen ist auch der Fall von Dirk Kochan. Der Langzeitarbeitslose aus dem Landkreises traut sich an diesem Vormittag zu Wort: „ Was soll ich denn noch alles tun?“, lautet seine Frage ins Plenum. Der ursprünglich aus der DDR stammende 46-jährige gelernte Elektronik-Facharbeiter kämpfe mit allerlei Vorurteilen. Faul sei er und könne nicht anständig arbeiten. Dabei hat er zahlreiche Aus- und Weiterbildungen gemacht, schien aber immer vom Pech verfolgt. Entweder wurden die Abschlüsse nicht anerkannt oder er erhielt nur Zeitverträge oder Helferstellen. Letztendlich ist er so stark erkrankt – mit neun Operationen am Rücken – dass er keine körperlichen Arbeiten mehr durchführen konnte .Damit war auch sein Traumjob bei der Lufthansa weg. Trotz Bestnoten und unzählbarer Bewerbungen, flattern nur Absagen ins Haus. „Ich will nicht vom Geld anderer Leute leben und fühle mich als Mensch zweiter Klasse“, erzählte der sichtlich um Fassung ringende Kochan. „Geben Sie mir Ihren Lebenslauf, ich sehe, was ich machen kann“, sagte Karmasin zum Schluss. Vorurteile, die auf dem Papier erscheinen, müssen abgebaut werden. 

Claudia Becker

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