Polizei-Psychologin referierte bei Maisacher SPD über Zivilcourage - Holen Sie das Opfer aus der Situation

Wie helfe ich richtig, motiviere andere zu helfen und werde nicht selbst zum Opfer? Antworten auf diese Fragen gab die Diplom-Psychologin Dr. Silvia Oßwald, Mitarbeiterin des Zentralen psychologischen Dienstes der Bayerischen Polizei, unlängst den ca. 80 Gästen beim Neujahrsempfang der Maisacher SPD im Schützenheim, als sie über das Thema „Zivilcourage“ referierte.

„Eine Partei ist nicht nur da, um Wahlkampf zu machen, sondern um mit den Bürgern auch über hochaktuelle Themen zu diskutieren“, begrüßte der SPD-Ortsvorsitzende Franz Haidacher die Referentin, die im Fach Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München über die Frage, welche maßgebenden Umstände für zivilcouragiertes Verhalten bedeutsam sind und wie man die Bereitschaft zu Zivilcourage steigern kann, promoviert hat. Unter Zivilcourage verstehe man ein durch Ärger und Empörung begleitetes mutiges Verhalten, das dazu beitrage, gesellschaftlich-ethische Normen ohne Rücksicht auf eigene soziale Kosten durchzusetzen, definierte Dr. Oßwald Zivilcourage. Dieser soziale Mut sei jedoch nicht nur in akuten Not- und Bedrohungssituationen gefragt, so die Referentin, sondern auch in vielen Alltagssituationen wie beispielsweise bei Mobbing am Arbeitsplatz, bei illegalen Firmenpraktiken oder bei sexueller Belästigung. Der Klassiker seien die „Verletzungen von Menschenrechten“. Hinsehen statt Wegschauen, Engagement statt Ignoranz, riet Dr. Oßwald. „Beschäftigen Sie sich nicht mit dem Täter, holen Sie das Opfer aus der Situation. Treten Sie nicht beleidigend auf und holen Sie Hilfe“, so die Referentin, die zweitägige Zivilcourage-Workshops mit Rollenspielen durchführt. Diese Aufforderungen sind aktueller denn je. Oft genug geschieht es am helllichten Tag und unter allen Augen. Ein Mensch wird bedrängt, bedroht oder gar tätlich angegriffen – ob mitten in der belebten Fußgängerzone oder in der S-Bahn. Es wäre aber verfehlt, aus den vergangenen Gewaltvorfällen gegen couragierte Bürger die falschen Konsequenzen zu ziehen und wegzuschauen. Entscheidend bleibt allerdings, dass der Couragierte selbst nicht zu Schaden kommt. Mit Bedacht richtig vorzugehen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen ist die oberste Regel. Oftmals genügen Kleinigkeiten, um eine große Wirkung zu erzielen. So kann die rechtzeitige Verständigung der Polizei über ein Handy oder die Aktivierung von weiteren Umstehenden zur Mithilfe, Schlimmeres verhüten. „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.“ Mit diesem Zitat der italienischen Journalistin Franca Magnani beendete Oßwald ihren mit viel Beifall bedachten Vortrag.

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