Die 80-jährige Almut von Glasenapp aus Alling bemalt "Weißes Gold" vorwiegend mit Schlossmotiven - "Das Beste, was man im Alter machen kann"

Porzellanmalerei aus Leidenschaft 

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Porzellanmalerin Almut von Glasenapp mit einem Teller ihres Lieblingsgeschirrs

Alling – "Meine Spezialität ist es unter anderem, weißes Porzellan mit Schlössern und Gutshäusern zu bemalen. Ebenso wie Familienwappen und Motive aus der Natur", erzählt Almut von Glasenapp, die im Januar diesen Jahres ihren 80. Geburtstag feierte. "Alte Häuser und Schlösser sind schwer zu malen, weil man sehr exakt arbeiten muss. Das gilt insgesamt für die Porzellanmalerei, bei der Präzision ganz wichtig ist".

Almut von Glasenapp geht mit großer Leidenschaft an die kunstvolle Beschäftigung  heran. Kaum  ein Tag vergeht ohne  die Malerei.  Ihre kunstvollen Porzellanservices bewahrt sie in einer antiken Glasvitrine zu Hause auf, so zum Beispiel auch das wundervolle Porzellangeschirr mit Schmetterlingen und Vögeln. Aber auch jede Menge Einzelstücke und kreativ gestaltete Porzellangeschenke bringt die Allingerin, die auf der Bodensee-Insel Reichenau geboren und aufgewachsen ist, in ihre Sammlung mit ein. Für einen fertigen Teller mit Goldrand benötigt die Künstlerin zwischen vier und sechs Stunden. "Jedes Stück wird mindestens dreimal gebrannt", erklärt sie. Auch bei ihren zehn Enkelkindern, die zwischen 12 und 24 Jahre alt sind, ist Omas Porzellankunst der "Renner". Extra für ihre Enkel hat Almut von Glasenapp das Max und Moritz-Service entwickelt. "Mittlerweile erlernen die Mädchen die Porzellanmalerei von mir", freut sie sich. Zweimal wöchentlich trifft sich die lebensfrohe Frau mit Freundinnen zum gemeinsamen  Bemalen von Porzellan. "Ich bin ein geselliger Mensch und genieße diese Stunden. Das ist meine Welt", sagt sie.

Dabei hat Almut von Glasenapp erst relativ spät mit der Porzellanmalerei angefangen. Zu Beginn der 1980-er Jahre belegte sie einen Kurs an der Volkshochschule in Fürstenfeldbruck. Mit ihrer Familie wohnte sie seit 1968 in Alling, in München betrieb sie gemeinsam mit ihrem Mann einen speziellen Bausstoffhandel. Die Belastung mit Job, Haushalt und Erziehung der drei Kinder ließen ihr keinen persönlichen Freiraum mehr. "1980 bekam ich eine Depression, ich konnte einfach nicht mehr", so Almut von Glasenapp. Dann veränderte die Porzellanmalerei ihr Leben: Sie betrieb mit Eifer und Begeisterung ein Selbstudium und entdeckte ihre Fähigkeiten. Schon ihr Vater war Maler und Farbenforscher, die Mutter Porzellanmalerin. Das künstlerische Talent schlummerte auch in ihr. "Mein Mann unterstütze mich, wo es ging. Er kaufte mir einen Brennofen, wir besorgten weißes Porzellan und spezielle Farben", erzählt die Künstlerin. Endlich hatte sie etwas gefunden, was ihrem Leben einen neuen Sinn gab. Die Liebe zur Malerei half ihr auch, den Tod ihres Mannes vor über 22 Jahren besser zu verkraften.

Almut von Glasenapp kam 1934 auf der Bodenseeinsel Reichenau zur Welt und lebte dort mit ihren Eltern und sechs Geschwistern in einem großen Haus. Der Vater zog 1939 in den Krieg, kehrte 1945 wieder heim. Nach dem frühen Tod der Mutter im Jahr 1947, musste sich das 13–jährige Mädchen allein um die jüngeren Geschwister und den Haushalt kümmern - mit allen Anforderungen in dieser sehr schweren Nachkriegszeit. Mit 23 Jahren lernte sie ihren zukünftigen Mann auf einem Ball in München kennen und heiratete ihn drei Jahre später. Oft denkt Almut von Glasenapp an das Jugendstilhaus ihrer Kindheit zurück. Ein Portrait des Elternhauses hängt an der Wand in ihrem Wohnzimmer - natürlich von der Künstlerin selber gemalt. "Malen ist meine Erfüllung, meine Leidenschaft. Das Beste, was man im Alter machen kann, ist kreative Arbeit".

Nicole Burk 

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