Bauvorhaben sorgt für Unmut im Bauausschuss

Rufe nach Bebauungsplänen

+
Östliche Ortsrandbebauung südlich der Flurstraße

Die geplante Errichtung eines Mehrfamilienhauses sowie zweier Doppelhäuser am östlichen Stadtrand offenbart die Schwierigkeiten einer behutsamen Stadtentwicklung und ist Auslöser einer Grundsatzdiskussion über die Notwendigkeit von Bebauungsplänen. Nach einer fast zweistündigen Debatte lehnt der Bauausschuss den Antrag in seiner vorliegenden Form ab und fordert den Bauwerber zu Nachbesserungen auf.

Fürstenfeldbruck - Gegenstand der Debatte war ein Antrag auf die Errichtung eines Mehrfamilienhauses und zweier Doppelhäuser in einer Baulücke am östlichen Stadtrand südlich der Flurstraße – und dieser barg reichlich Zündstoff. Als „heillos überfrachtet“ bewertete Ulrich Schmetz gleich zu Beginn der Debatte das Bauvorhaben. Zudem füge „es sich nach Maß und Art der Nutzung nicht in die bauliche Umgebung ein.“ Er „werde dem nicht zustimmen“ so Schmetz. Stattdessen forderte der langjährige SPD-Stadtrat, „ein Bauleitplanverfahren für dieses Gebiet einzuleiten.“ Zudem seien sowohl die Erschließung als auch die Zufahrt noch völlig ungeklärt, da beides nur über ein städtisches Grundstück erfolgen könne. 

Ausschussmitglieder stören sich an dichter Bebauuung

Dies wiederum würde die weiteren Planungen zur Erschließung der angrenzenden, noch landwirtschaftlich genutzten Fläche erschweren, die laut Flächennutzungsplan bis zur Von-Gravenreuth-Straße als weiteres Baugebiet ausgewiesen ist. Ferner ginge für die Erschließung „viel Fläche für verhältnismäßig wenig Wohnraum verloren“, wie Andreas Rauh vom Umweltbeirat betont. Dass Bruck zusätzlichen Wohnraum braucht steht außer Frage. Aber wie weit darf beziehungsweise soll städtebauliche Verdichtung gehen? In diesem konkreten Fall störten sich die meisten Ausschussmitglieder nicht nur an der dichten Bebauung, sondern auch daran, dass der Bauwerber die vorgegeben Bauflucht nicht einhält, welche den Nachbarn seinerzeit bindend zur Auflage gemacht wurde. „Ich wünsche mir, dass Bauträger von der Verwaltung auch eingebremst werden“, forderte Klaus Wollenberg (FDP), der sich auch für einen Bebauungsplan aussprach, „damit diese unsägliche Flickschusterei ein Ende hat.“ Selbst Johann Schilling (CSU), der Bauvorhaben in der Regel eher offen gegenübersteht, „möchte ohne Bebauungsplan da oben nichts mehr angehen“, denn ohne diesem Instrumentarium sind der öffentlichen Hand meist die Hände gebunden. 

Baugesuch wird abgelehnt

Rechtsamtsleiter Chritian Kieser machte den Stadträten deutlich, dass in Bereichen ohne Bebauungsplan, fast alles zulässig ist, was die Größenordnung der bestehenden Nachbarbebauung nicht wesentlich überschreitet und der Bauherr dies nötigenfalls auch vor dem Verwaltungsgericht einklagen könne. „Einen Bebauungsplan mal eben für dieses Gebiet zu erstellen“, ist für Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) jedoch „völlig unrealistisch.“ Damit dieser noch greifen könne, „muss der innerhalb von zwei Jahren stehen und die Verwaltung ist mit den augenblicklichen Aufgaben schon völlig überlastet.“ Trotzdem lehnte eine überwältigende Ausschussmehrheit gegen die Stimmen von OB Raff und Georg Stockinger (Freie Wähler) das Baugesuch ab und forderte die Verwaltung auf, mit dem Bauwerber in Nachverhandlungen zu treten. Peter Fischer

Auch interessant

Meistgelesen

Bürgergutscheine und Hilfsfonds sollen Wirtschaft stärken
Bürgergutscheine und Hilfsfonds sollen Wirtschaft stärken
"Neue Normalität": Klinikum gibt Zwischenbilanz über Corona-Pandemie im Landkreis
"Neue Normalität": Klinikum gibt Zwischenbilanz über Corona-Pandemie im Landkreis
"Energiewende nur mit Windkraft zu schaffen"
"Energiewende nur mit Windkraft zu schaffen"
Pro und Contra Briefverteilzentrum in Germerings Norden
Pro und Contra Briefverteilzentrum in Germerings Norden

Kommentare