Puchheimer Senioren-Schreibtisch las im Gröbenzeller Begegnungszentrum über Energie

Der Puchheimer Senioren-Schreibtisch mit Gerhard Lüddecke, Peter Weinhold, Hildegard Louis, Wendelin Rasenberger, Christel Stepper, Brigitte Walter, Josef Lohner und Manfred Meier. Foto: Günter Schäftlein

Ein vergnüglicher bis besinnlicher Nachmittag wurde wieder einmal von den Landkreis-Autoren - die sich alle 14 Tage für 2 Stunden treffen - im Begegnungs- u. Sozialzentrum geboten. Die Lesung besaß alles, um die Zuhörer zu fesseln: Witz, Genauigkeit und Zeitbezug. Zum Nachlesen der Beiträge ist Gelegenheit, wenn demnächst das 9. Puchheimer Seniorenbuch erscheint.

Der Witz beginnt schon bei Gerhard Lüddecke, mit Gereimtem auf viel Ungereimtes bei „Energie“: Vom Atomausstieg über Kalorien und Treppensteigen bis zu Motivation, Trägheit, Denkschablonen bis zur Gleichung: „Energie = Gleichgewicht der Psyche mit der Zuversicht!“ In seinem „Strom-Schlag“ singt Lüddecke das hohe Lied der Atomkraft bis zur Feststellung: „Politiker zur Wahl jetzt flöten: Atomausstieg ist gleich vonnöten! Ob Grüne, Rote, Schwarze, Gelbe - sie alle tönen nur das-selbe.“ Um dann abzuschließen mit dem Seufzer „Ich hoff’, dass die Erneuerbaren, den Wirtschaftsboom für uns bewahren …“ Im dritten Reim-Anlauf dann der energische, jedoch vergebliche Versuch einer Berlinerin, bei ihren Kauf-Versuchen von „Schrippen“ in Bayern fündig zu werden. Brigitte Walter las in einer längeren Abhandlung „Olympia 2011“ vor - eine Satire auf nicht Stattgefundenes in GAP. Die Geschäftsfrau und Grundstückeignerin Traudel leimt die Gemeinde Garmisch um 30% mehr für ihre saure Wiesn im Alpin-Auslauf. Und lässt sich dafür sogar als „habgieriges Frauenzimmer“ schimpfen. Die Gemeinde - da im Endkampf der Olympia-Bewerbung befindend - zahlt zähneknirschend auch den Aufschlag und zwar gleich mit Scheck. Als die Koreaner die Spiele absahnen, wollen sie das Geld zurück - aber das ist „leider“ schon in einer Landhaus-Modeboutique auf der Düsseldorfer „Kö“ investiert … In „Lamento“ erinnerte sich Hildegard Louis an „Windrädchen flieg …“ und Kinderglück, überhaupt nicht zu vergleichen mit heutigen Windrädern undt ihrem makellosen Aussehen, aber einfach zu groß. Jedoch: „Wir brauchen euch doch.“ Mit „Keimfrei“ fallen ihr alle die Verbote der letzten Jahrzehnte ein, die den Verzehr von Nahrung einschränkten: Schweine- und Rindfleisch, Tomaten, Gurken und Salat: „Doch findet Nahrung nicht Verwendung, dann ist das Energieverschwendung.“ Im dritten Beitrag, gelesen von Brigitte Walter, feierte die Autorin lebensvolle Eindrücke aus Florenz, die ihre „Energie neu beflügelten“. Gemüt, Denk- und Sprachweise sind urmünchnerisch beim Ex-Tramfahrer Josef Lohner und seiner „Geschichte aus dem prallen Leben“, also selbst erlebt: „Verschmutzung durch Energie“ Ein Linienbus bleibt im Schneematsch stecken und 14 Fahrgäste (männlich/weiblich) schieben ihn nach Fahrerkommando mit viel Energie an. Leider gibt der zuviel Gas, worauf alle ihren Halt verlieren und im Dreck liegen. Die Folgen : 1000 DM Reinigungskosten und für den Busfahrer eine Abmahnung. Ähnlich heiter-kurios eine weitere Lohner-Story aus dem engst besetzten Regionalzug Schwandorf-München. Da ist jemand, der partout keinen Platz findet, bis er sich - fast - sprichwörtlich in Stacheldrahtnesseln setzt. Der „Überlebenskampf“ von Wendelin Rasenberger ist eine unmittelbare Nach-kriegsgeschichte oberschlesischer Flüchtlinge durch Österreich. Ihre Zuflucht im Dezember 1945 auf einem Schloß im Mühlviertel ist ein täglicher Kampf durch Mangel und Unzulänglichkeiten, bewältigt durch die Energieleistungen einer Lehrerin. Alles Leben wird durch sie für die ganze Gruppe wieder erträglicher. Ein Bekenntnis wie das „Wunder von Mailand“ im Film. „Wuttke und die Energiekrise“ von Peter Weinhold zielt in die allgemeine Glaubensrichtung, dass Experten das Problem stemmen: Man darf dabei an allem sparen, nur nicht bei den Autos! „Jakobs Energieleistung“ karikiert einen netten Jungen und miesen Schüler mit Erziehungsdefiziten. Dessen ganze Energie gehört dem leckeren Kuchen und dem Kartenspiel mit Freunden. Aber doch nicht den doofen Schulaufgaben. Mit einem gewissen Lächeln, ansonsten beherrscht, erzählt Christel Stepper in „Am Boden zerstört“ und „Aufgerappelt“ von den veränderten Lebensverhältnissen eines Fred: Rausgeworfen aus einem Traumjob in der Bank. „Personalverschlankung!“ Da bleibt es nicht aus, sich mit dem Nikolaus auf dem Weihnachtsmarkt anzulegen und einen Holzengelstand umzuschmeißen. Doch Fred fängt sich aus dem gestrigen Wohlergehen, bäumt sich auf, entwickelt Energie. Das Gespräch mit einem ehemaligen, weitaus bescheideneren Schulfreund mit Kfz-Werkstatt, auf den er, der erfolgreiche Banker, früher eher etwas heruntergeblickt hatte, öffnet neue Möglichkeiten für Fred: „Für Büroarbeiten. Ich schaff das nicht mehr allein!“ Fred ist sprachlos. „Er brauchte nur ein paar Sekunden, dann schlug er ein.“ Manfred Meier begann mit der Google-Suche zum Begriff „Energie“. Darüber erschienen 96 Seiten, vom sparsamen Energieverbrauch bis zu Energie Cottbus. Als Stichwortgeber kam er damit auch nicht so recht bei seiner Frau an. Die drückte ihm gleich ein Küchentrockentuch in die Hand, denn so fängt man an zu sparen. Manfred Meier erzählte dann von einer angeblich wahren Nikolaus-Begebenheit im Kaufhaus. Ein perfekt verkleideter, planender und handelnder Postzusteller raubt die Tageseinnahme im Zentralbüro aus dem Panzerschrank und türmt damit: Als geübter Bergsteiger am Seil über die Außenwand mit dem umfunktionierten Postsack. Zuschauer halten das Ganze für einen neuen Werbegag des Kaufhauses. Er hat es eilig, wegzukommen, denn er muß am gleichen Abend noch zu den Kindern von Kollegen und sie ermahnen, „immer brav und ehrlich zu sein …“ Die Veranstaltung wurde musikalisch begleitet von Brigitte Meier.

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