RAD-Frauenlager in Althegnenberg – Toni Drexler referierte über das während des NS-Regimes geplante Reichsarbeitsdienstlager

Modell zum zuerst geplanten weiblichen Arbeitsdienstlager in Althegnenberg aus dem Jahr 1940. Foto: G. Schäftlein

Im Rahmen seiner heimatkundlichen Nachforschungen zum Lebensraum Haspelmoor e.V. kam Toni Drexler als stv. Vereinsvorstand kürzlich im Hörbacher Parkettstadl auch auf die NS-Planungen zum weiblichen Arbeitsdienstlager im angrenzenden Althegnenberg zu sprechen. Hier eine Zusammenfassung seiner Erkundungen zu den im Frühjahr 1943 aufgegebenen Plänen.

Mit dem Kriegsbeginn 1939 sollte die Lücke durch die eingezogenen Männer mit weiblichen Hilfskräften in der Landwirtschaft geschlossen werden. Am 6. Nov. 1939 wurde bei der Gde. Althegnenberg vom „Verein zur Förderung gemeinnütziger Unternehmungen und Einrichtungen im Bez. Fürstenfeldbruck“ der Bauplan für ein weibliches Arbeitsdienstlager eingereicht: Initiiert von Landrat Dr. Sepp und NS-Kreisleiter Franz Emmer. Zuvor hatte der Verein bereits das Gelände der ehemaligen Herdfabrik Kürth in Bahnhofsnähe erworben und beabsichtigte nun einen Teil der Gebäude zu einem weiblichen Arbeitslager auszubauen. Hierzu sei jedoch der Anschluß „einer einwandfreien Wasserversorgung erforderlich.“ Am 20. Juni 1940 erteilte der RAD-Bezirk 13 die Genehmigung zur Lagererrichtung „für die weibliche Jugend“. Man zeigte sich optimistisch, die einwandfreie Wasserversorgungssache lösen zu können. In nachfolgenden Monaten stellte sich jedoch ein Engpass in der Rekrutierung männlicher Arbeitskräfte (vornehmlich Maurer und Zimmerer) heraus. Im Okt. 1940 wird die Bezirksplanungsbehörde beim Regierungspräsidenten vorstellig, billigt die Notwendigkeit der „Gewinnung von Hilfskräften für die Landwirtschaft“, wozu Landrat Dr. Sepp kleinlauter zugibt, dass die Lagergebäude in der Hauptsache neu errichtet werden müssen. Ein weiteres halbes Jahr verstreicht ohne Fortschritte und lediglich das Arbeitsamt München verfügt im Mai 1941, dass zum Neubau der Anlage nicht mehr als 9.873 to Eisen, 7,0 to Zement und 104 cbm Nadelschnittholz verarbeitet werden dürfen. Sollte dies nicht ausreichen, müsste man so umgestalten und sich beschränken, dass es ausreicht. Ein ortsansässiger Bauunternehmer wurde vom Landrat aufgefordert, aus Mering 100.000 Ziegel herbeizuschaffen. Der RAD-Bezirk 13 berichtete der NS-Kreisleitung die Kostenübernahme von 30.000 Reichsmark (RM) für die vordringlichsten Arbeiten. Die dann am 1. Nov. 1941 vorgelegten Baupläne bezogen sich plötzlich auf einen neuen Bauplatz zwischen der Reichsstraße 2 und dem Staatsforst („Haspelwald“), außerhalb des Ortskerns und in Hanglage. Die Aufgabe des bisherigen Standortes hing wahrscheinlich mit der ungelösten Wasserversorgung zusammen. Allerdings beinhaltete der neue Baugrund „Teilflächen des Grundstücks Nr. 644 der kath. Pfarrpfründestiftung Althegnenberg“, dazu weitere landwirtschaftliche Flächen der Betriebe Wörle und Joh. Wiedemann. Als Preis bot der Erschließungsverein 10 RM für das Dezimal (ca. 34 qm). Das Kirchengrundstück sollte sich als Problem für die Gesamtrealisierung herausstellen: Die Kirchenverwaltung wollte nur tauschen, aber nicht verkaufen. „Der Ton im Umgang miteinander wurde rauher …“ und sogar eine Zwangsenteignung überprüft. Am 27. März 1942 schrieb Landrat Dr. Sepp dringlich an das Pfarramt in Althegnenberg: „Der Regierungspräsident hat dem vorgeschlagenen Grundstückstausch die Genehmigung versagt … Ich ersuche nochmals um Ihre Zustimmung zu einem Verkauf.“ Das bischöfliche Ordinariat in Augsburg konterte „Einem Verkauf aber können wir nicht zustimmen.“ Nicht nur die hängenden Grundstücksverhandlungen mit der Kirche verzögerten den Baubeginn. Zwischen Landrat, Regierungspräsidenten und dem Landbauamt München entwickelten sich Differenzen über gestalterische Gesichtspunkte zum neu geplanten Lagerbau. Es wurden aus schönheitlichen und Heimatschutz-Gründen Verbesserungen zu den Bauplänen des Puchheimer Architekten eingefordert. Das Landbauamt bestand auf eine Art Oberaufsicht und legte einen eigenen Entwurf vor. Dieses Kompetenz-Gerangel und die wachsende Baustoff-Verknappung mündeten am 2 April 1943 in das endgültige Aus für das RADwJ-Bauwerk in Althegnenberg und die veranschlagten 130.000 RM Gesamtkosten. Verfügt wurde die Rücknahme durch den Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft, Reichminister Speer, mit Schreiben vom 20. März 1943.

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