Referentin Christina Hacker, M.A., vom Umweltinstitut München e.V. spricht bei den Eichenauer GRÜNEN über radioaktive Belastung und die Problemati ...

Tschernobyl ist noch nicht gegessen

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Cooling towers of nuclear power plant against  blue sky

Eichenau - Tschernobyl ist noch nicht gegessen ! Pilze und Wild sind nach wie vor radioaktiv verseucht - auch wenn sich die Explosion des Atomkraftwerks vor inzwischen 30 Jahren ereignete und die Broschüre des Umweltinstituts München mit dem Titel vor ca. 10 Jahren erschien. Christina Hacker, M. A., Sozialwissenschaftlerin und Referentin für Radioaktivität vom Umweltinstitut München referiert bei den Eichenauer Grünen über die Problematik der Atomkraftwerke und der radioaktiven Belastung am Freitag, den 22. April 2016 ab 19:30 Uhr im Vereinszimmer der Bürgerstuben, Hauptstr. 60 in Eichenau. 

 

 

Christina Hacker M.A. Vorstand, Radioaktivität, -Mail: ch@umweltinstitut.org

 In der EU gilt derzeit für Lebensmittel ein Grenzwert für die Cäsium-Gesamtbelastung von 600 Becquerel pro Kilogramm, für Milch und Säuglingsnahrung beträgt dieser Wert 370 Becquerel pro Kilogramm. Das Umweltinstitut rät zu Nahrung mit höchstens 30 bis 50 Becquerel pro Kilogramm Cäsium-Gesamtaktivität für Erwachsene und mit höchstens 10 bis 20 Becquerel pro Kilogramm für Kinder, Stillende und Schwangere.

Dabei wird von einem Anteil von ein Prozent Strontium-90 bezogen auf den Aktivitätsgehalt an Cäsium-137 in Nahrungsmitteln ausgegangen. Der tatsächliche Strontiumgehalt in der Nahrung liegt jedoch höher, wie Untersuchungsergebnisse zeigen. Deshalb und wegen Unsicherheiten bei den Bewertungsgrundlagen wird jetzt meist nur noch bis zu fünf Becquerel pro Kilogramm Cäsium-Gesamtaktivität als Höchstwert für Kindernahrung empfohlen.

Generell gilt, dass es keine Grenze gibt, unterhalb der Radioaktivität noch ungefährlich wäre. Deshalb gilt das Minimierungsgebot: So wenig wie möglich Radioaktivität aufnehmen!

In heimischen Lebensmitteln, vor allem in Waldprodukten kann heute, 25 Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall, das radioaktive Nuklid Cäsium-137 immer noch nachgewiesen werden. Jod-131 und Cäsium-134, die ebenfalls im Tschernobyl-Fallout enthalten waren, spielen dagegen keine Rolle mehr. Cäsium-137 zerfällt aufgrund seiner langen Halbwertszeit von 30 Jahren nur langsam, das heißt, dass heute erst knapp die Hälfte der nach Tschernobyl deponierten Menge zerfallen ist. Außerdem wird es uns noch lange begleiten, da seine ursprüngliche Aktivität erst nach 10 Halbwertszeiten auf etwa 1/1000 zurückgegangen sein wird.

Durch den Unfall von Fukushima gelangen erneut die Radionuklide Jod-131, Cäsium-134 und Cäsium-137 in die Umwelt. Jod-131 hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen, Cäsium-134 von 2 Jahren. Da wir alle drei Nuklide gammaspektroskopisch feststellen können, erscheinen sie auch in den aktuellen Messtabellen. Das ebenfalls relevante Radionuklid Strontium-90 ist ein Beta-Strahler und kann von uns deshalb nicht nachgewiesen werden.

Seit 1986 untersucht das Umweltinstitut e.V. in München, (es finanziert sich über Spenden) Lebensmittel und andere Umweltproben auf radioaktive Belastung. Die Mitarbeiter führen kontinuierliche Messungen der Außenluft durch, um bei einem möglichen Atomunfall rechtzeitig Handlungsempfehlungen geben zu können.  Das Umweltinstitut informiert über die Gesundheitsgefährdung durch radioaktive Strahlung sowie über die Risiken der Atomtechnik. Es setzt sich für den globalen Atomausstieg ein.

Die KiKK-Studie Quelle: Umweltinstitut)  löste in Deutschland, England, Frankreich und der Schweiz die Durchführung weiterer ökologischer Studien aus, die aber weniger aussagekräftig sind als Fall-Kontroll-Studi- en. Sie lieferten nach Aussage der Autoren kei- nen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Mit einer gemeinsamen Auswertung der Daten aus den vier Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass das Leukämierisiko signifikant mit der Nähe zum AKW zunimmt und für Kinder unter 5 Jahren im 5-km-Nahbereich signifikant um 44% erhöht ist. Die neuen Studien bestätigen somit die erhöhten Leukämieraten bei Kleinkindern in der Nähe von Atomkraftwerken. 

In Pilzen, Beeren und Wildbret ist die Belastung 25 Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall immer noch nachzuweisen, aber unterschiedlich: So sind Maronen und Semmelstoppelpilze stärker belastet als Steinpilze oder Pfifferlinge, auch bei den Waldbeeren gibt es Unterschiede. So sind z.B. Walderdbeeren fast überhaupt nicht belastet.

Eine hohe Belastung ist bei Wildschweinen (pro kg 10 000 Bq) vorhanden, wobei die Population überall in Deutschland zunimmt.

Referentin Christina Hacker wird auch auf die Problematik der Atomkraftwerke in Deutschland und in den Nachbarländern eingehen, wobei die Sicherheitsstandards nicht nur in osteuropäischen Ländern Anlass zur Sorge geben und das Thema auch im Hinblick auf mögliche terroristische Anschläge von Bedeutung ist.

Zum Thema Finanzierung der Arbeit des Umweltinstituts München e.V. durch Spenden, Erbschaften oder Bußgelder:

Das Umweltinstitut freut sich, "wenn Richter und Staatsanwälte uns bei Zuweisungen von Bußgeldern und Geldauflagen berücksichtigen und damit zur Erforschung und Verminderung der Umweltbelastung beitragen."  Eine Aufstellung  der Oberlandesgerichte  ist auf der Liste "Geldauflagen in Ermittlungs-, Straf- und Gnadenverfahren zu Gunsten gemeinnütziger Einrichtungen"einsehbar.

Umweltinstitut München e.V. Landwehrstr. 64 a 80336 München Tel.: (089) 30 77 49-0 Fax: (089) 30 77 49-20 E-Mail: info@umweltinstitut.org

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