Im Rahmen der internationalen Woche gegen Rassismus lud die SPD zu einer Podiumsdiskussion ein 

Ausgrenzung anderer Kulturen nimmt zu 

+
Diskutierten über Rassismus (v. l.): Willi Dräxler, Marie Corain, Moderator Herbert Kränzlein (MdL), Isabell Riedling und Wolfgang Mayer.

Puchheim – Rassismus braucht keinen rechtsextremistischen oder gewaltbereiten Nährboden. Auch im ganz normalen Alltag sehen sich Menschen anderer Hautfarbe, Kultur oder sexueller Neigung immer wieder mir rassistischen Äußerungen konfrontiert.

„Für viele ist dieses Thema recht weit weg, doch in Wahrheit ist es das gar nicht“, sagt Jean-Marie Leone, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Puchheim. Eben deshalb hatten die Genossen im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus zur Podiumsdiskussion mit dem Thema „Rassismus!? – Bei uns doch nicht!?“ ins PUC eingeladen. Gastgeber Leone stellte fest, dass rassistisches Gedankengut nicht erst seit Pegida und Pagida wieder salonfähig wird. Gar von einer langen rassistischen Tradition in Deutschland sprach Isabell Riedling vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. 

Diese Tradition mache sich aber gar nicht so sehr in Gewalttaten bemerkbar, sondern im latenten, oft sogar unterbewussten Alltags-Rassismus. „Das Entsetzen der Eltern ist oft groß, wenn die Tochter einen Schwarzen zum Partner hat“, führte Riedling als ein Beispiel auf. „Es ist tief in den Gedanken verankert: deutsch und schwarz sein, geht nicht zusammen.“ Diese Erfahrung hat auch Marie Corain bei ihrer Arbeit als Migrationsberaterin bei der Caritas gemacht. „Die Migranten haben oft Probleme bei der Wohnungssuche oder in der Schule“, berichtete sie. Meist handle es sich dabei nicht um Aggressionen, der Rassismus äußere sich vielmehr in kleinen Fragen oder Äußerungen. „Viele meinen es nicht mal böse und merken gar nicht, wie sehr sie den anderen damit rassistisch ausgrenzen“, sagte sie. Gerade diese Ausgrenzung sieht Willi Dräxler, Referent für Migration beim Caritasverband der Erzdiözese München, als aktuellstes Problem.

„Der Rechtsextremismus ist eher zurückgegangen“, hat er beobachtet. Zugenommen hätte dagegen die Ausgrenzung anderer Kulturen und die Tatsache, dass diesen Privilegien vorenthalten werden. Bei den Flüchtlingen hat Dräxler zudem zwei Extreme beobachtet: „Immer mehr Menschen wollen helfen, auf der anderen Seite gibt es mit Pegida aber auch eine bedenklich massive Gegenbewegung.“ Als Gegenmaßnahme gegen Rassismus unter Jugendlichen forderte Kriminalhauptkommissar Wolfgang Meyer von der Bayerischen Informationsstelle gegen Rassismus mehr Information und Aufklärung statt großer Strafen, denn: „Die meisten jungen Menschen sind nicht aufgrund einen tatsächlich rassistischen Einstellung in dieser Szene unterwegs, sondern weil sie eine Herausforderung oder einen Kick suchen.“ 

Andreas Daschner

Meistgelesen

Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
Drei Jahre Baustelle
Drei Jahre Baustelle
Linienbus in Vollbrand
Linienbus in Vollbrand
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!

Kommentare