Expertin erklärt, auf was zu achten ist

Etikette in Corona-Zeiten - Wie verhalte ich mich meinem Gegenüber angemessen?

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Händeschütteln gehört zur guten Etikette, jetzt während Corona aber verboten.

Landkreis - Der Dame die Tür aufhalten, der älteren Frau die Einkaufstasche zum Auto tragen, dem Kollegen den Stift aufheben und dem Chef die Hand zur Begrüßung geben – Dinge die selbstverständlich sein sollten oder zumindest von der deutschen Etikette so vorgesehen sind. Doch in Zeiten des Corona-Virus mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten sind die Umstände anders. Nicht alles was vor der Pandemie noch höflich galt, ist jetzt unbedingt angemessen. Antje Müller-Kruft ist Etikette-Expertin. Sie zählt einige Stolperfallen auf und gibt Verhaltenstipps für die Virus-Zeit

Tür aufhalten mit Mindestabstand ist schwierig. Die Einkaufstasche der älteren Dame tragen ist – ohne Anfassen – unmöglich. Händeschütteln seit der Corona-Pandemie grundsätzlich verboten. Haben die Benimmregeln also noch Gewicht, brauchen wir sie überhaupt noch? Antje Müller-Kraft sagt: „Ja, jetzt erst recht“, wenn auch ein wenig anders als sonst. Die 56-Jährige Eichenauerin ist Kompetenz-Trainerin für Business-Etikette und für interkulturelle Etikette. Sie gibt Seminare, Vorträge und Workshops für Unternehmen und Einzelpersonen rund um das Thema Benimmregeln. 

Etikette: Sicherheit im Umgang mit Menschen

Antje Müller-Kruft ist Expertin in Sachen Etikette und gibt auch Seminare.

„Mein Großvater, bei dem ich eine kurze Zeit aufgewachsen bin, hat immer extrem auf gute Manieren geachtet. Das hat mich ein Stück weit geprägt. Ich bin nicht umsonst zunächst in die Hotellerie“, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen von ihren anfänglichen Etikette-Erfahrungen. „Ich liebe das Thema, denn es geht dabei nicht um starre Regeln. Eher um Sicherheit im täglichen Umgang mit den Mitmenschen, der von Respekt zeugt“, führt sie weiter aus. Und Respekt sei heute genauso wichtig wie vor der Corona-Pandemie – wenn nicht sogar wichtiger. „Gerade jetzt sind viele Menschen dünnhäutiger geworden, aufgrund der Unsicherheit, wie es weiter geht. Da hilft oft ein besonders herzliches Lächeln“, sagt sie, also eines, dass auch trotz Maske bei dem Gegenüber ankomme. Die Hand geben solle man dagegen nicht mehr. „Ich bin jedoch überzeugt, dass das Händeschütteln vor allem im Business-Bereich irgendwann wieder zurückkommt“, kündigt sie an. Außerdem sei es heute noch wichtiger als sonst, die Sonnenbrille abzunehmen, wenn man mit jemanden spreche. „Denn mit Maske und Sonnenbrille bleibt einem die Mimik komplett verborgen“, erklärt Müller-Kruft. Dinge, die früher vielleicht weniger gut ankamen, sind heute erlaubt. 

Wenn Unklarheiten auftauchen, am besten Nachfragen

„Eine Freundin nimmt seit der Pandemie ihren eigenen Pfefferstreuer mit ins Restaurant“, erzählt sie von einem privatem Beispiel. Auch eigene Stifte mitbringen sei oft in vielen Bereichen gewünscht. Aufgrund ihrer Ausbildung erhält die Etiketten-Trainerin aus ihrem Umfeld viele Fragen. So stand ein Freund vor einer Frage: Darf ich einer Frau noch die Tür aufhalten? „In diesem Fall hat die Dame etwas verdutzt reagiert“, erzählt sie und gibt den Tipp: „Bei Türen oder auch Sachen tragen helfen oder aufheben, lautet die Devise am besten Nachfragen, ob Hilfe benötigt wird.“ So können peinliche Situationen schnell umgangen werden. Außerdem rät sie, immer ein Fläschchen Desinfektionsmittel dabei zu haben, um sorglos Hilfe anzubieten oder anzunehmen. 

Auch der Smalltalk leidet während Corona

„Erste Hilfe würde ich übrigens immer leisten“, betont sie. Wichtig neben all den kleinen Momenten sei vor allem, sich allgemein solidarisch der Gemeinschaft gegenüber zu verhalten und dazu gehöre eben in normalen Situationen den Mindestabstand zu halten sowie auf Handhygiene und Maske zu achten. „Keiner möchte wieder erhöhte Infektionszahlen“, ist sie sich sicher. Was in ihren Augen momentan besonders leide, vor allem im Business-Bereich, sei der gepflegte Smalltalk. „Durch die Besprechungen, die nun online ablaufen und oft so kurz wie möglich gehalten werden, leidet der Smalltalk“, erklärt sie. „Ich denke den Smalltalk muss der ein oder andere nach der Pandemie wieder üben“, glaubt sie. 

Miriam Kohr

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