Rettung aus der Luft

Mit Hilfe einer Drohne bewahrt Jäger Konrad Ostermeier Jungtiere vor dem Mähtod

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Jäger Konrad Ostermeier bereitet alles vor.
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Mit einer Drohne mit Wärmebildkamera werden hohe Wiesen nach Rehkitze und Hasen abgesucht.
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Mit einer Drohne mit Wärmebildkamera werden hohe Wiesen nach Rehkitze und Hasen abgesucht.
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Jäger Konrad Ostermeier steuert die Drohne, Heidi Schmid prüft den Monitor.
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Mit einer Drohne mit Wärmebildkamera werden hohe Wiesen nach Rehkitze und Hasen abgesucht.
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Mit einer Drohne mit Wärmebildkamera werden hohe Wiesen nach Rehkitze und Hasen abgesucht.

Landkreis – Leise summt es in der Luft, das kommt allerdings nicht nur von den umherschwirrenden Insekten, die sich am Waldrand in der Nähe von Alling tummeln.

Das Summen kommt von einem kleinen unbemannten Flugobjekt, welches vorsichtig über eine hochgewachsene, sattgrüne Wiese in den tiefblauen Himmel hinauf schwebt. Das Fluggerät ist eine Drohne und wird von Jäger Konrad Ostermeier vom Boden aus gesteuert. Konzentriert manövriert Ostermeier die kleine schwarze Drohne durch die Luft. Neben ihm steht seine Lebensgefährtin Heidi Schmid, die angestrengt auf einen kleinen Monitor in ihren Händen blickt.

Der Jäger und seine drei Helfer

„Da ist etwas“, stellt Heidi plötzlich fest. Beide fixieren den Monitor und tatsächlich ist ein verschwommener roter Punkt zu erkennen. Nun sind die tatkräftigen Helfer, Christiane Ostermeier und Andrea Binder gefragt, denn ihre Aufgabe ist es jetzt, die Wiese an der Stelle, über der die Drohne schwebt, abzusuchen, denn womöglich liegt genau dort ein kleines Rehkitz versteckt, das in Sicherheit gebracht werden muss.

Bauer melden sich beim Jäger

Konrad Ostermeier ist Jäger aus Leidenschaft und seit drei Jahren, gemeinsam mit einem Freund, Pächter des östlichen Jagdbogens in Alling. Dort gibt es auch zwei Wiesen, die nun, da das Gras hoch genug ist, von Bauer Andreas Drexl gemäht werden müssen. Zuvor wollte der Bauer aber sichergehen, dass sich innerhalb der dicht bewachsenen Wiese keine frisch geborenen Rehkitze befinden, die Gefahr laufen, übersehen zu werden. Denn das endet meistens tödlich.

Vergangenes Jahr 15 Rehkitze gerettet

Deshalb ist Ostermeier an diesem Tag wieder im Einsatz und versucht mithilfe seiner Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, das Gebiet nach im Gras versteckten Jungtieren zu durchsuchen und die Tiere vor diesem Schicksal zu bewahren. Seit fünf Jahren gehört die Kitzrettung jedes Jahr von Mai bis Juni zu Ostermeiers Aufgaben als Jäger. Allein im letzten Jahr konnte er so fast 15 Rehkitze vor dem Mähtod bewahren. Allerdings braucht er dafür stets ein paar helfende Hände. Er selbst, als passionierter Modelhubschrauberflieger, übernimmt die Steuerung der Drohne, seine Lebensgefährtin Heidi überwacht dieses Mal den Monitor, auf dem sie erkennen kann, ob die Wärmebildkamera Veränderungen am Boden einfängt. Wenn das der Fall ist, ziehen Christiane und Andrea los, um die jeweiligen Stellen vorsichtig zu durchsuchen. Falls sie ein Kitz oder einen jungen Hasen im hohen Gras entdecken, bergen die Retter die Jungtiere, indem sie ihre Hände büschelweise mit Gras bedecken, damit das geruchsneutrale Jungtier nicht den menschlichen Geruch annimmt. Danach tragen sie das Rehkitz vorsichtig in Richtung des nahe gelegenen Waldstücks, um es dort abzulegen. Natürlich dürfen die Rehkitze auch danach nicht wieder in die Gefahrenzone zurückkehren, deshalb werden spezielle Kitzretter am Rand der Wiese aufgestellt. Das an einem Holzstab befestigte Vergrämungsgerät gibt optische und akustische Signale. Damit wird die Fläche für das Muttertier als Ablageort zu unsicher und sie wird das Kitz dort nicht erneut ablegen.

Fleck war ein Maulwurfshaufen

Nun kehren Andrea und Christiane von ihrer Suche zurück, jedoch ohne Rehkitz. „Es war nur ein Maulwurfshaufen“, erklärt Christiane. Das passiert häufig, denn Erdhaufen und Äste können auf dem Monitor nicht von Lebewesen unterschieden werden. Nachdem die erste Wiese vollständig durchsucht wurde und kein Kitz in Gefahr ist, kann Andreas Drexl bereits mit den ersten Mäharbeiten beginnen.

Keine Rettung diesmal nötig

Für die Kitzretter geht es gleich weiter zur nächsten Wiese. Und auch dort ist die Aufgabenverteilung klar und Andrea und Christiane machen sich auf die Suche, sobald die Drohne an einer speziellen Stelle in der Luft verharrt. Doch auch hier gibt es keine Jungtiere zu entdecken. „Die besten Tage sind die, an denen kein Kitz gerettet werden muss oder an denen ein Kitz gerettet werden kann. Hauptsache ist, dass kein Tier dem Mähtod zum Opfer fällt“, freut sich Konrad Ostermeier sichtlich. Nun bekommt Bauer Drexl ein Handsignal, dass er die zweite Wiese auch bedenkenlos mähen kann, und das Equipment wird wieder verstaut. 

25 Einsätze pro Saison

Doch das wird für die nächsten zwei Monate nicht der letzte Einsatz gewesen sein, ungefähr 25 Mal müssen die Kitzretter in dieser Zeit ran. Doch auch wenn es viel Arbeit ist, macht es allen Vieren große Freude. „Es ist doch immer schön, ein Leben zu retten,“ stellt Ostermeier lächelnd fest.

Julia Huß

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