Demonstration mit Senioren

Pflegeberuf wieder attraktiv machen

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Rund 100 Bewohner und Pflegekräfte des evangelischen Pflegezentrums Eichenau demonstrierten anlässlich des Internationalen Tag der Pflege für bessere Bedingungen im Pflegeberuf.

In Deutschland mangelt es immer noch an tausenden Pflegekräften. Während es derzeit noch 2,86 Millionen pflegebedürftige Menschen gibt, dürften es 2050 bereits 4,5 Millionen sein – Tendenz steigend. Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai protestierten rund 100 Bewohner und Mitarbeiter des evangelischen Pflegezentrums in Eichenau am 9. Mai für eine gesellschaftliche Aufwertung des Pflegeberufs, bessere Arbeitsbedingungen und eine attraktivere Ausbildung.

Eichenau –Es ist Mittwochmittag, die Sonne strahlt vom Himmel und die Bewohner des evangelischen Pflegezentrums sind bereits mit Rollator, Rollstuhl oder zu Fuß unterwegs zur Verkehrsinsel vor dem Zentrum. Ein paar Pfleger haben bereits mehrere Stuhlreihen im Halbkreis aufgestellt, auf die sich die Senioren setzen können. „Wir ziehen das in der Mittagszeit durch, da das gut für die Bewohner ist“, erklärt Dirk Spohd, Heimleiter und Initiator der Kundgebung. In den Händen halten die Teilnehmer selbstgebastelte Protest-Plakate, um ihren Unmut auch visuell Ausdruck zu verleihen.

1,1 Millionen Menschen arbeiten in der Pflege

Das evangelische Pflegezentrum Eichenau der Hilfe im Alter gGmbH ist ein Tochterunternehmen der Inneren Mission München. Derzeit arbeiten 75 Pflegekräfte aus der ganzen Welt auf fünf Stationen und einer Kurzzeitpflegestation. Sie gehören zu den rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland, die in der Pflege arbeiten und laut Spohd trotz ihrer Anzahl nur wenig Gehör in der Politik finden. Das soll sich ändern. „Wir wollen gute Pflege wieder möglich machen“, sagt er. Doch dazu gehöre nicht nur gutes, sondern vor allem auch genügend Personal, denn daran mangle es derzeit. „Wir haben 50 Prozent Pflegekräfte und 50 Prozent Fachkräfte für einen 3-Schicht-Betrieb“, erklärt Spohd. So kommen in der Station im Erdgeschoss auf 34 Bewohner vier Pfleger in der Frühschicht, drei in der Spätschicht, sowie einer in der Nachtschicht. Gerade in dieser Schicht sorgt vor allem die „Nachtwachenquote“ für Unverständnis beim Heimleiter: In Bayern wurde pauschal eingeführt, dass nachts eine Pflegekraft für maximal 40 Bewohner eingesetzt werden darf. Fällt jedoch, aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung, eine Pflegekraft aus und kann nicht ersetzt werden, muss das Pflegeheim eine Strafe zahlen. „Pro Bewohner sind das 25 Euro“, erklärt Spohd.

"Attraktive Ausbildung ist entscheidend"

Um neue Pflegekräfte zu gewinnen, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen, könne laut Spohd nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein: „Eine attraktive Ausbildung ist entscheidend dafür, dass wir neue Pflegekräfte gewinnen“, ist er sicher. Und Asylbewerber in die Pflege zu bringen, sei ebenfalls keine Lösung. Der Schwerpunkt liege deshalb vielmehr auf der eigenen Ausbildung. „Wir bilden derzeit sieben Pflegeschüler aus“, sagt Spohd, wobei im nächsten Jahr zusätzlich noch zehn weitere dazu kommen. Aus diesem Grund fordert er unter anderem eine zügige Umsetzung der Pflegeberufsreform sowie eine klar geregelte Finanzierung der Ausbildung, die nicht zu Lasten der Träger oder Bewohner geht. „Die Auszubildenden müssen zunächst rund 2.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen, die sie bei uns am Ende wieder zurück bekommen“, erklärt Spohd. Außerdem will er eine zusätzliche Qualifizierung von Lehrkräften an den Altenpflegeschulen. Daneben sei auch die gesellschaftliche Aufwertung der Pflegeberufe entscheidend.

Kampagnen für Wertschätzung gefordert

„Ohne Pflege gäbe es für viele keine Möglichkeit selbst berufstätig zu sein“, sagt er. Aus diesem Grund müsse die Attraktivität des Pflegeberufs durch Kampagnen erhöht werden. „Wir wünschen uns mehr öffentliche Kampagnen der Politik, um die Wertschätzung des Pflegepersonals in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt er.

Felix Hamann

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