Landrat Karmasin lud zum "Runden Tisch Asyl" ein  – 40 Beteiligte folgten dem Aufruf

Asyl-Helfer an einem Tisch:   Internetportal zum Thema geplant 

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Bald 800 Asylbewerber im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck – Bei der Besprechung "Runder Tisch Asyl" informierte Landrat Karmasin vor 40 Teilnehmern  über die neuesten Zahlen, Daten und Hilfsangebote.  Derzeit sind rund 760 Asylbewerber im Landkreis untergebracht, ihre Zahl dürfte bis 2015 auf rund 800 ansteigen. Momentan sind  auch 14 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) im westlichen Landkreis in einer Jugendhilfeeinrichtung stationär aufgenommen worden. 

Derzeit sind – inklusive der Notunterkunft in Germering und der Dependance der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Fliegerhorst - rund 760 Asylbewerber im Landkreis untergebracht, bis zum Jahresende werden es weit über 800 sein. Seit Wochen sind Kommunalpolitiker, Vertreter der Verwaltungen, des Gesundheitswesens, Einsatzkräfte aus den Bereichen Sicherheit und Rettung, Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Helferkreise damit beschäftigt, die existentiellen Grundbedürfnisse der ankommenden Flüchtlinge sicherzustellen. Darüber hinaus gilt es, eine gute soziale Beratung und Betreuung zu ermöglichen.

Damit auch weiterhin die anstehenden Herausforderungen bewältigt werden können, hatte  Landrat Thomas Karmasin am Dienstag, 04.11.2014 alle Akteure zu einem „Runden Tisch Asyl“ in das Landratsamt Fürstenfeldbruck eingeladen. 

Gefolgt waren dem Aufruf rd. 40 Beteiligte.  Nach kurzen Eingangsstatements zur aktuellen Unterbringungssituation, zur Situation der sozialen und gesundheitlichen Betreuung und zu den minderjährigen Flüchtlingen fand in Gruppen anschließend zu den Bereichen „Ehrenamt und Sozialberatung“, „Notlagen“, „Gesundheitsversorgung“ sowie „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ ein reger Erfahrungsaustauch statt.  

Es zeigte sich, dass in allen Gruppen das Sprachproblem im Vordergrund steht. Damit verbunden ist der Wunsch nach Dolmetschern einerseits und Deutschkursen andererseits. Sinnvoll sei dies jedoch nur für die dezentralen Unterkünfte und nicht vorrangig für die Erstaufnahmeeinrichtungen. Für eine erleichterte Verständigung könnte auch schon die Anschaffung von Bilderwörterbüchern weiter helfen. Alle Verantwortlichen müssen erreichen, dass ausreichend Kindertages- und Schulplätze eingerichtet werden. Der Wunsch nach Einrichtung einer Übergangsklasse nicht nur in Puchheim, sondern auch in Fürstenfeldbruck, ist bereits an das Schulamt herangetragen worden.

Helferkreise gründen sich und werden mit bestehenden vernetzt sowie Schnittstellen zur fachlichen Sozialberatung definiert. Die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Stellen und der Kirche wird als gut bezeichnet. 

Künftig wichtig sei, für eine gute Koordinierung zu sorgen, die die Caritas versprach, auch in Form eines gerade entstehenden Internetportals. 

Um weiterhin gut ehrenamtlich wirken zu können, wäre verstärkte professionelle Hilfe in Form von Schulungen z. B. zu rechtlichen Vorschriften, Vermittlung von Deutschkenntnissen und Supervisionen für die anstrengende Tätigkeit wichtig. Auch ist Unterstützung in der Verwaltungstätigkeit der Helferkreise erwünscht. Erbeten wurden Handlungsleitfäden, insbesondere für auftretende Notlagen in den dezentralen Unterkünften und zu Standards für die helfenden Beziehungen. Es sei  nicht Ziel der Helferkreise, den Asylbewerbern alles abzunehmen. Um die Integration besser zu ermöglichen, könnten „Willkommenskurse“ mit „Kulturführerschein“ für die Asylbewerber angeboten werden. Zu diesen Punkten haben u. a. bereits die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck, das Brucker Forum und die Diakonie Unterstützung zugesagt.

Derzeit sind 14 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) im westlichen Landkreis in einer Jugendhilfeeinrichtung stationär aufgenommen. Die Erstversorgung hat das Amt für Jugend und Familie sichergestellt und wird jetzt von der Caritas übernommen. Diese errichtet derzeit auch eine Einrichtung in Fürstenfeldbruck für rd. 30 Jugendliche. Bis abgeklärt ist,  ob bei den jungen Flüchtlingen eine Traumatisierung vorliegt  und ob sie professionelle Hilfe benötigen, ist eine Unterbringung in Pflegefamilien nicht vorgesehen. Sportliche Betätigung sei wichtig. Hier sind Sportkleidung und Sportschuhe erforderlich. Wünschenswert wäre, wenn die Sportvereine im Landkreis vermehrt Unterstützung leisten könnten.

Im Bereich der Gesundheitsversorgung hat der Kreisverband der kassenärztlichen Vereinigung berichtet, dass inzwischen zehn erst vor kurzem in den Ruhestand gegangene Ärzte gewonnen werden konnten, die in der Erstaufnahme dreimal in der Woche eine Basisversorgung sicherstellen können. Grundsätzlich baten die Beteiligten, das Verfahren zum Erhalt der Behandlungsscheine auch angesichts der kurzen Verweildauer einfacher und schneller zu organisieren. Verbesserungen müssen auch im Bereich der Medikamentenversorgung erreicht werden für den Fall, dass Rezepte ausgestellt und Medikamente aus Apotheken zu beschaffen seien. Für beide Bereiche wird derzeit eine bayernweit gültige Regelung erarbeitet. Grundsätzlich wurde erläutert, dass akute Erkrankungen behandelt werden können, Gesundheitschecks und Vorsorgeuntersuchungen aber nicht möglich seien.

Die Beteiligten werden bei Bedarf wieder zusammentreten, teilte Landrat Karmasin mit.

Weitere Initiativen im Landkreis Fürstenfeldbruck: 

Caritas Germering und Stadtkirche Germering bauen ehrenamtliches Hilfenetz auf:  Am Montag, 3. November 2014 zogen 100 Asylbewerber aus der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung am Niederbronner Weg in Fürstenfeldbruck in die neue Erstaufnahmeeinrichtung in Germering. Dank vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, die sich sowohl bei der Stadtkirche Germering als auch der Caritas Germering gemeldet hatten, konnte bereits am Dienstag, 4. November die erste Kleiderausgabe für alle neuen Bewohner erfolgen. Die Ehrenamtlichen nehmen die Kleidung entgegen, sortieren sie nach Größen und geben sie an die Flüchtlinge aus. Welche Kleidung noch benötigt wird und wann die nächste Kleiderannahme erfolgt,  ist auf folgenden Internetseiten zu erfahren:  www.caritasfuerstenfeldbruck.de http://www.stadtkirche-germering.de/caritas/bedarfsliste Telefonisch können Sie am Montag und Mittwoch von 13:30 bis 17:00 den aktuellen Bedarf und die Annahmezeiten der Kleiderkammer erfragen unter: 0151-21593297 Caritas und Stadtkirche Germering organisieren weitere ehrenamtliche Hilfsangebote für Flüchtlinge in Germering.  Die Beratung der Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung übernimmt die Caritas Germering.

Bereits zum dritten Mal veranstaltete die Grüne Jugend Kreis Fürstenfeldbruck vergangenes Wochenende eine Kleidertauschbörse in Gröbenzell - diesmal unter dem Motto  "SSV, Sommer-Schluss-Vertausch". Aus der Kleidung, die nicht ertauscht wurde, konnten sich die Asylbewerber und Asylbewerberinnen aus dem Landkreis Kleidungsstücke aussuchen. Alle übrig gebliebenen Kleidungsstücke gehen an wohltätige Verbände und Vereine im Landkreis,wie zum Beispiel den Malteser Hilfsdienst.e.V

 Helferkreis Asyl e.V., Olching, sucht dringend  Wohnungen für Flüchtlinge in Olching und Umgebung:

In Olching leben derzeit rund 100 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten, die in zwei Wohnheimen und einigen Wohnungen untergebracht sind. Da in letzter Zeit fast wöchentlich neue Flüchtlinge ankommen, sucht der Helferkreis Asyl Olching dringend Wohnraum in Olching und Umgebung. Der Helferkreis Asyl Olching, ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen Helfern, bittet die Olchinger Bürgerinnen und Bürger, leerstehende Wohnungen, Häuser oder andere zur Unterbringung von Asylbewerbern geeignete Objekte an das Landratsamt zu vermieten. Die Miet- und Instandhaltungskosten werden dabei vom Landratsamt übernommen, es besteht somit eine Mietgarantie! Weiterhin werden auch Zimmer und Wohnungen gesucht, die direkt an bereits anerkannte Flüchtlinge vermietet werden. Die Olchinger Asylbewerber kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia, Eritrea und anderen Ländern, in denen Krieg herrscht. Es sind auch viele Familien mit Kindern dabei, die nun in Esting und Olching in den Kindergarten oder die Schule gehen. Besonders für die Neuankömmlinge sucht der Helferkreis weitere Helferinnen und Helfer, die gerne eine informelle „Patenschaft“ für Familien oder Einzelpersonen übernehmen möchten, Deutsch unterrichten können oder sich in anderer Form einbringen möchten. 

Nähere Informationen zum Mitmachen im Helferkreis  auf der neuen Webseite unter www.helferkreis-asyl-olching.de.

Zusammenstellung: redkb

 

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