Aus der Sammlerreihe

Auf der Suche nach Eier...bechern

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In Kisten verstauen möchte Grudrun Jahrreis ihre Sammlerstücke nicht, weshalb ihr Mann sogar Boden-Vitrinen baute.
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Ihre Eierbecher-Vielfalt hat Gudrun Jahreiss in ihrem Sammler-Zimmer ausgestellt.
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Der Kreisbote Fürstenfeldbruck hat Sammler aufgerufen sich innerhalb von vier Wochen bei der Redaktion zu bewerben.  Über 35 Einsendungen sind so eingegangen. Die Entscheidung, welche Sammler und die Geschichten dahinter wir vorstellen, war nicht einfach. Doch die Auswahl ist getroffen. Hier der erste von zwölf Einblicken in ein Sammlerleben.

Grafrath – Gestreift, gepunktet, mit Obstmotiven oder Holzmaserung, in Form eines Piraten-Kopfes, aus glänzendem Metall, Marmor, Plastik in Neonfarben oder weißes Keramik mit filigranen Blumen-Zeichnungen – die Vielfalt der Eierbecher ist schier grenzenlos. Dieses Spektrum kennen die meisten Eierliebhaber gar nicht, stehen doch oft die schlichten Becher vom Geschirr-Set im Schrank. Doch Gudrun Jahreiss hat sie alle. Seit 2005 sammelt die Grafratherin nun die „Throne der Eier“. Ein Hausbesuch:

Eierbecher in allen erdenklichen Formen

Wer die Küche des Ehepaars betritt, dessen Blick fällt sofort auf zwei Vitrinen. Dort reihen sich Eicherbecher-Modelle aus den 20er Jahren neben Bechern in Form von Bart und Homer Simpson aus der TV-Serie. Umrundet man den Esstisch, steht man vor der dritten Vitrine. Lange, leicht bekleidete Beine laufen zu einem Becher zu. Zehn von diesen erotischen Eierbechern teilen sich dort den Platz mit Holzbechern, Bechern in Kopfformen, regelrechte Kelche aus Ton, acht Bechern mit dem Wort „Ei“ immer in verschiedener Schrift und vielen mehr. 

Eigenes Zimmer für 2.000 Sammlerstücke

Die Vitrinen sind selbst Meisterwerke – gebaut von Gudruns Mann. Der ist Schlosser und akzeptiert die Sammlerleidenschaft seiner Frau zwar, „aber er möchte nicht von Eicherbechern überflutet werden“, wie Gudrun Jahreiss weiß. Und das könnte schon passieren. Denn wer meint, die rund 250 Eierbecher in der Küche wären alle gewesen, der irrt sich. Die restlichen Eierbecher – über 2.000 an der Zahl – haben ihr eigenes Zimmer im zweiten Stock des Hauses. Dort reiht sich in einer Riesen-Vitrine ein Sammlerstück nach dem anderen – fein säuberlich sortiert nach Material, Form und Muster. Weil bei manchen Eierbechern die Schönheit erst zum Vorschein kommt, wenn man sie von oben ansieht, hat ihr Mann Vitrinen gebaut, die in diesem Zimmer im Boden eingelassen sind. Eine Maus beispielsweise, die auf dem Rücken liegt und auf deren Bauch man ein Ei platzieren könnte.

Ausschlaggebend war Ausstellung

Bei all den fein säuberlich drapierten Bechern stellt sich für die meisten natürlich die Frage: Wie kam sie zu diesem Hobby? „Ich habe 2005 mit einer Schulklasse im Fürstenfeldbrucker Museum eine Eierbecher-Ausstellung besucht“, erzählt die ehemalige Pädagogin. Von dieser Präsentation war sie so begeistert, dass sie daheim angekommen direkt im eigenen Schrank erkannte: „Ich habe ja schon zehn verschiedene“. Dann ging das große Sammeln los. 

Auf der Jagd nach den Bechern

Im Internet bei Auktionen, auf Flohmärkten und auch auf dem Sperrmüll machte sie gute Fänge. „Ich habe versucht, immer so wenig Geld wie möglich auszugeben“, sagt sie. Meist waren es nur ein oder zwei Euro. „Einmal habe ich 25 Euro in einem Geschäft für ein altes Set ausgegeben“, erinnert sie sich. Auf ihrer Suche nach immer neuen Schätzen kam sie mit weiteren Sammlern in Kontakt. „Wir haben unsere Beute von Flohmärkten und Auktionen geteilt, weil meist kauft man Sets, braucht aber nur einen Becher“, erklärt sie. Damals verließen viele kleine Päckchen Grafrath und unzählige stapelten sich vor ihrer Haustür. Bis zu 20 Eierbecher kamen so pro Monat zu ihrer Sammlung dazu. Doch sie und vor allem ihr Mann merkten schnell, dass es langsam zu viele Becher werden. „Wo soll das hinführen?“ fragte sie sich selbst. Sie entschied sich gegen die Salzstreuer – die sie anfangs auch sammelte – und für die Eierbecher. Daraufhin wurde besagtes Zimmer eingerichtet. 

Nur selbst sammeln befriedigt

Den Kontakt mit den Sammlern brach sie trotzdem ab. „Denn schnell kam die Erkenntnis, dass das Sammeln nur Spaß macht, wenn ich selber losmarschiere“, sagt sie. Den Sammlertrieb, den sie verspürt, musste sie also selbst abbauen. Da halfen noch so viele Pakete nichts. „Mittlerweile geht es mir mehr um Klasse als Masse.“ Doch sie freut sich noch immer über Geschenke. „Aus Köln hat mir meine Schwester im Februar einen Eierbecher mitgebracht, der an Karneval von einem Wagen als Werbegeschenk ins Publikum geworfen wurde“, sagt sie.

Viel dazu gelernt und Computerscheu überwunden

Neben dem Sammeln ist das Sortieren Gudrun Jahreiss zweite Leidenschaft. „Das alles hat mir persönlich viel an Bildung gebracht“, schlussfolgert sie. Sie hat sich viel mit Materialien, vor allem Porzellan, Kunstepochen und Kulturen beschäftigt. Denn der Eierbecher hat sich in Form, Muster und Bedeutung im Laufe der Zeit verändert. Auch ihre Computerscheu habe sie durch das Sammeln überwunden. „Davor habe ich mich nie an den Computer getraut, aber der Sammlertrieb hat mir geholfen, mich zu überwinden“, sagt die heute 57-Jährige, die übrigens an einem Ostersonntag geboren wurde. „Ich mochte schon als Kind Ostern lieber als Weihnachten“, verrät sie. Wäre sie bis vor kurzem nicht noch in Afrika gewesen, sei das ganze Haus schon geschmückt.

Auf den Tisch kommen andere Eierbecher

Wenn ihr Mann und sie einmal gekochte Eier essen – und das tun sie meist jeden Sonntag – holen sie übrigens keinen Becher aus der Vitrine, sondern aus dem Küchenschrank. Und da stehen: einfache, weiße, passend zum restlichen Geschirr. 

Miriam Kohr

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