Sauna, Skispringen, Eisschwimmen mit Mütze – Studentin der Finnougristik aus Puchheim berichtete über Finnland-Eindrücke

Corinna Niederreiter, Au-pair-Haushaltshilfe für ein Jahr in Finnland. Am liebsten aßen die Kinder Kartoffelbrei und Bratkartoffeln. Foto: Günter Schäftlein

Nach ihrem Abitur am Puchheimer Gymnasium entschloß sich Corinna Niederreiter zu einem Au-pair-Jahr in einer Gastfamilie in der finnischen Partnerschaftsstadt Salo. Sie ist jüngstes Mitglied im Deutsch-Finnischen Club Puchheim - und ließ sich schon im zarten Alter von 13 Jahren von einer Art Finnomanie infizieren: „Das ging vom Video einer finnischen Band aus …“

Heute, nach ihrem Erfahrungsjahr über den ganz normalen Alltag bei den europäischen Nordlichtern zwischen finnischem Meerbusen und Polarmeer, steht für sie die Fortsetzung dieser ungewöhnlichen Geschichte längst fest. Sie hat sich an der LMU München eingeschrieben für das Studium der „Finnougristik“. Und das heißt finnische Literatur- und Sprachwissenschaft, Landeskunde, aber auch der Gebrauch einer Sprache, „die ich auch nach dieser Zeit noch immer nicht ganz perfekt beherrsche …“ Die weltoffene, fröhliche Corinna erstattete jetzt beim Deutsch-Finnischen Treff in den Puchheimer Bürgerstuben einen lebhaften Bildbericht über ihr Kennenlernjahr in Salo und Umgebung, einschließlich diverser Ballonfahrten und mehrtägigem Ausflug nach Stockholm. Zwölf Monate bei einer ganz normalen finnischen Familie, Vater, Mutter, zwei Kinder, 12 und 9 Jahre alt, in der Nokia-Hochburg Salo (geschrieben Salon). Die hauptsächliche Beschäftigung für Corinna im Haushalt: Saubermachen, Einkaufen, Kinder chauffieren, Abendessen vorbereiten. Das Mittagessen für die Hauseltern findet in der Firmenkantine, für die Kinder (kostenlos) in der Schule statt. Das Wochenende ist für Corinna arbeitsfrei, ein Auto steht für die Freizeit zur Verfügung. In den freien Stunden auch Sprachunterricht, zusammen mit bei Nokia beschäftigten Asiaten. Im Sept. 2010 gab es schon reichlich Schnee. Für zahlreiche Finnen besteht ein großes Vergnügen im Eisschwimmen (mit Mütze, die Luft ist 17 Grad kalt). Beliebt sind in der kalten/dunklen Jahreszeit Glühwein, dazu Weihnachtstörtchen aus Blätterteig mit Pflaumenmusfüllung. Überhaupt sind Süßigkeiten wie Lakritze in. Mit der Jagdleidenschaft hatte es die junge Deutsche nicht so sehr, schon gar nicht beim blutigen Anblick eines geschossenen Weißwedelhirsches. Unverzichtbar das Leben mit Sauna („Sauna hilft gegen jede Krankheit!“). Fast jeder hat eine - und das gilt auch für den Besitz von Sommerhäusern am See. Im Febr. 2011 besuchte Corinna den Helsinker Dom (die evang. Kirche überwiegt). Den Domhügel sausten Kinder mit ihren Schlitten runter. Auch das Schispringen in Lahti wurde besucht, mit einem Kontakt zu Simon Ammann. Corinna war oft im Heißluftballon, denn der Gastvater gehört einem Aeroclub an. Sie konnte sogar in der Luft einen Heiratsantrag mit anhören. Viele Fotos entstanden dabei. „Es bleibt immer spannend, wo man schlussendlich landet. Oft auf einem Feld, aber dann freut sich der Bauer über den unverhofften Besuch.“ Der Nachwuchs geht gern zur Schule. Als Klassenverband bleibt man zusammen bis zum 17. Lebensjahr. Die Klassen sind personell bedeutend kleiner als in Deutschland. Beeindruckend war für Corinna die Musikunterrichtspflege: „In manchen Klassenräumen hingen die Gitarren gleich dutzendweise.“ Handys und Kaugummi sind für Schüler nicht verboten. „Aber die wissen, was sich gehört!“ Lehrer werden sorgfältig von Beauftragten auf ihre Eignung hin geprüft. Abiturfeiern finden im ganz großen Stil statt, mehr, als bei allen anderen Anlässen. Das Mitsommerfest spielt eine Sonderrolle im skandinavischen Leben. „Sogar mit preußischem Kartoffelsalat!“ Mit großem Feuer, viel Musik und Harmonie. Weihnachten 2010 verbrachte Corinna über eine Woche in Bayern. Die Adventszeit mit ihren Märkten finden in Finnland fast nicht statt, aber der Weihnachtsbaum ist obligatorisch. Corinna bezeichnete den ganzen Erfahrungsrahmen in Finnland als „Ich war nicht unzufrieden!“ Ein bisschen Geld hat sie für ihre Tätigkeit natürlich verdient „… und ausgegeben!“ Der Deutsch-Finnische Club Puchheim e.V. mit seinem Vorsitzenden Dr. Manfred Paulus bemüht sich um eine Vertiefung bestehender Kontakte zur Partnerschaftsstadt Salo - über die offiziellen Kontakte auf politischer Ebene hinaus: Private Verbindungen sind dabei ein ganz wichtiger Baustein, um dem Partnerschaftsgedanken richtiges und verbreitertes Leben einzuhauchen. Vom 3. bis 13. August 2012 wird der Puchheimer Club mit seinem bereits 3. Besuch seit der Gründung 2006 nach Salo reisen. Kontakt/Mail: manfred.paulus@paulus-muenchen.de

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