Am Schauplatz des Olympia-Attentats - 17 junge Ingenieure der Israel Aerospace Industries erstmals in Fursty

Anfang Mai landeten wieder 17 junge israelische Ingenieure der Israel Aerospace Industries Ltd. zu einem 14-tägigen bundesweiten Seminar in Deutschland. Im Rahmen dieses Projektes des Deutsch-Israelischen Forums DIF e.V. besuchen junge Leute aus Israel Deutschland, und junge Deutsche fahren zu einer Studienreise nach Israel. Nicht nur zahlreiche Firmenpräsentationen in Deutschlands Vorzeigeunternehmen wie Thyssen Krupp AG und Deutsche Bank München waren im Programm enthalten, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte - wie in Dachau. Erstmals ermöglichte die 1. Luftwaffendivision am 15. Mai in Fürstenfeldbruck einen Besuch in Fursty, wo auch der Schauplatz des Olympia-Attentats von 1972 ein Thema war.

Im Rahmen ihres Seminars „Annähern durch Begegnung – Unsere Zukunft liegt im Dialog“ wurde am vergangenen Freitag auch die kurze Stippvisite im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck realisiert. Projektträger des Seminars ist das Deutsch-Israelische Forum, ein gemeinnütziger Verein, mit Sitz in Kerpen. Die Gruppe wurde betreut von dem Ehepaar Rose und Gerd Braun, Altphilologe. Im Mittelpunkt des Interesses standen in Fürstenfeldbruck bei den jungen Israelis der Besuch der Gedenkstätte des Olympia-Attentats vom 5. September 1972 vor der Hauptwache und der alte Tower im Fliegerhorst. wohin die beiden Helikopter UH-1D aus München mit den gefesselten und geknebelten israelischen Sportlern von den mit Handgranaten und Maschinenpistolen bewaffneten Terrroristen in jener September-Nacht dirigiert worden waren. Hauptfeldwebel Volker Kusch von der 1. Luftwaffendivision begrüßte die israelischen Gäste bei ihrer Ankunft an der Hauptwache und führte sie zunächst zur Gedenkstätte des Olympia-Attentats, wo zwölf gebündelte Flammenstrahlen als Stahlkorsett den Granitblock einfassen und an die zwölf getöteten Opfer erinnern - nach einer Erklärung des Künstlers Hannes L. Götz. Bevor er in englischer Sprache den Besuchern die Entwicklungsgeschichte der Gedenkstätte erläuterte, erinnerte Kusch an die blutigen Ereignisse während der Olympischen Spiele, bei denen im Olympiadorf ein Trainer und ein Sportler der israelischen Olympia-Mannschaft grausam ermordet wurden. Auf dem Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck waren dann beim missglückten Befreiungsversuch neun weitere israelische Sportler und ein deutscher Polizeibeamter dem palästinensischen Terroranschlag zum Opfer gefallen. Eine Verbindung zwischen der Gedenkstätte außerhalb des Fliegerhorstes zum eigentlichen Ort des tödlichen Anschlags innerhalb des militärischen Sperrbereichs am Flugfeld wurde dadurch geschaffen, dass an der Wand des alten Towers eine schmiedeeiserne Namenstafel in derselben Verarbeitung wie an der Gedenkstätte vor dem Eingang zum Fliegerhorst angebracht wurde. Die jungen Israelis - alle um die 30 Jahre alt - zeigten sich sehr interessiert an dem Vortrag, waren sie doch zum Zeitpunkt des schrecklichen Massakers noch nicht geboren. Man habe ihnen in der Schule diese Fakten vermittelt, wo neben dem säkularen Geschichtsunterricht auch explizit jüdische Geschichte unterrichtet werde. So nahmen sie in Fursty die Gelegenheit wahr, Fragen zu stellen, wie etwa diese, warum denn nicht die israelische Armee zur Hilfe gerufen worden war, oder warum nicht die Bundeswehr eingegriffen habe. Warum hieß es damals „the games must go on“? Warum wurden die Spiele nach diesem schrecklichen Terror-Akt nicht abgesetzt? Auch erkundigten sich die jungen Israelis danach, ob denn inzwischen Familienangehörige der Opfer die Gedenkstätte besucht haben. Nach den Besichtigungen der Gedenkstätten und einer anschließenden kleinen Stärkung im Offizierskasino wurden den Ingenieuren bei einer Rundfahrt durch den Fliegerhorst die weiteren am Standort ansässigen militärischen Dienststellen gezeigt und erläutert. Deutsch-Israelisches Forum DIF e.V. , Sitz Kerpen, Graf-Berghe-von-Trips-Ring 318, Kontakt: Tel./Fax: 02273-69106 Das Deutsch-Israelische Forum e.V., das auch die israelischen Ingenieure bei ihrer Studienreise durch Deutschland begleitete, ist ein gemeinnützig arbeitender Verein und hat sich zum Ziel gesetzt, Begegnungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen aus Israel, Palästina und Deutschland zu ermöglichen. Neben dem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit der besonderen Beziehung zwischen Deutschland und Israel, ist ein wichtiges Anliegen die Sensibilisierung für Menschenrechtsverletzungen und Fremdenfeindlichkeit. Die Arbeit des Vereins wird getragen von der Überzeugung, dass gegenseitiges Kennenlernen und Respekt voreinander die Grundlage für einen offenen Umgang mit der gemeinsamen und jeweils eigenen Geschichte und Gegenwart von Menschen jeglicher Nationalität bilden, sie sind Voraussetzung, um eine Zukunft zu gestalten, in der Minderheiten geschützt leben können und Menschenrechte unverletzlich sind. Schüleraustausch bildet auch einen Schwerpunkt in dem von Gerd Braun vor mehr als 29 Jahren gegründeten und geleitetem Israel-Seminar, das sich am Ville Gymnasium der Stadt Erftstadt etabliert hat. Bereits seit vielen Jahren besteht diesbezüglich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der israelischen Schule Makiv Yahud. Der Verein DIF e.V. fördert im Rahmen seiner Möglichkeiten israelische Studenten mit Stipendien und ermöglicht ihnen auf diese Weise für einige Semester ein Studium in Deutschland. Die Projektidee besteht darin, die Möglichkeit der Begegnung von Israelis, Palästinensern und Deutschen in Israel und Deutschland auf junge Erwachsene auszudehnen. Die Zielgruppe bilden Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Studenten im Alter zwischen 20 und 35 Jahren (Multiplikatoren).

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