80 Zuhörer kamen im Rahmen der Brucker Zeitgespräche zum Vortrag des LMU-Lehrbeauftragten Dr. Mehr Ali Newid

"Der schiitische Islam"

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Dr. Mehr Ali Newid, Lehrbeauftragter für den Bereich Iranistik an der LMU München referierte über "Der schiitische Islam - Grundlage der Islamischen Republik Iran".

Fürstenfeldbruck - Der Andrang zu dem Vortrag "Der schiitische Islam" war groß. Knapp 80 Zuhörer waren am 25. November in den Gemeindesaal der Erlöserkirche gekommen, um im Rahmen der Brucker Zeitgespräche den  Islam-Experten Dr. Mehr Ali Newid, Lehrbeauftragter für den Bereich Iranistik an der LMU München, zu hören.

 Islam-Experte Dr. Mehr Ali Newid, Lehrbeauftragter für den Bereich Iranistik an der Ludwig-Maximilian-Universität München und stellvertretender Vorsitzender der „Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur“,  sprach  über das Thema „Der schiitische Islam“. Ziel des Vortrags war es, Wissen über den Islam zu vermitteln und damit zugleich Vorurteile abzubauen.

Mit  einem solch großen Interesse hatten die Organisatoren der Brucker Zeitgespräche nicht gerechnet, denn der Gemeindesaal war mit knapp 80 Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass noch etliche Stühle herbeigeschafft wurden.

 Mit weltweit 1,6 Milliarden Anhängern ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Religion. Die Anhänger des Islam heißen Muslime, die vor allem in Saudi-Arabien, in Nordafrika, der Türkei, sowie in Zentral- und Südwestasien leben. In Deutschland bekennen sich etwa fünf Prozent der Bevölkerung zum Islam. Die Sunniten stellen mit 85 Prozent die größte islamische Glaubensrichtung dar, die Schiiten sind die zweitgrößte religiöse Gruppierung des Islam. Die beiden Richtungen des Islam unterscheiden sich in der Sicht auf die Herrschaft des obersten Führers - des "Kalifs" bei den Sunniten und des "Imams" bei den Schiiten.

 Für die Sunniten ist der Kalif ein Führer, der wegen seiner weltlichen und politischen Vermögen gewählt wird. Die Schiiten glauben hingegen an einen "gottähnlichen" und damit unfehlbaren Führer, der der rechtmäßige Nachfolger Mohammeds und Alis - des Schwiegersohns Mohammeds - ist. Nachdem Mohammed 632 n. Chr. gestorben war, entstanden unter der ersten muslimischen Gemeinde unterschiedliche Auffassungen über die Frage seiner Nachfolge. Mohammed selbst hatte wohl keinen Nachfolger bestimmt. So ergab sich die geschichtlich und theologisch folgenschwere Spaltung der islamischen Gemeinschaft in mehrere Gruppierungen unter denen die bedeutendste die hervorgingen, die später als Sunniten und Schiiten bezeichnet wurden. Die Glaubensinhalte von Sunniten und Schiiten unterscheiden sich zum Teil erheblich. Die Schiiten sehen sich oft als Verlierer der Geschichte.

Nicht nur Ali, sondern sämtliche seiner Nachfahren wurden getötet, so auch sein Sohn Hussein, der Anspruch auf die Führerschaft der Muslime erhoben hatte. Er starb 680 in der Schlacht von Kerbala (Irak) und wurde dort begraben. Die Schiiten entwickelten einen Märtyrerkult. Am Gedenktag Aschura versammeln sich Schiiten in Kerbala und geißeln sich in Erinnerung an den gewaltsamen Tod Husseins. Insbesondere die Zwölferschiiten verehren Hussein. Diese glauben, dass es zusammen mit Ali zwölf Nachfolger aus dem Geschlecht des Propheten gegeben hat, sogenannte Imame. Der zwölfte Imam Mohammed al-Mahdi ist nach ihrem Glauben auf mysteriöse Weise verschwunden und lebt in der Verborgenheit. Er wird ähnlich dem christlichen Messias auf die Erde zurückkehren und die Welt retten.

Die Schiiten im Iran und im Irak sind Zwölfer-Schiiten. Die Iraner sind größtenteils ethnische Perser, die Iraker Araber. Mit der Gründung der Islamischen Republik Iran 1979 hat das Schiitentum an Bedeutung gewonnen. Ajatollah Khomeini hatte aus dem Zwölferschiitentum eine politische Ideologie entwickelt, die zur Grundlage des neuen Staates wurde. Seiner Lehre zufolge herrschen die Rechtsgelehrten bis zu dem Tag, an dem der verborgene zwölfte Imam auf die Welt wiederkehrt und diese rettet. Der Erfolg der islamischen Revolution wurde zunächst auch in Kreisen von Islamisten mit sunnitischem Hintergrund bewundert, immerhin war es Khomeini gelungen, den vom Westen unterstützten Schah zu vertreiben. Die iranische Revolution nährte bei ihnen die Hoffnung, dass auch in der sunnitischen Welt Umstürze möglich seien.

 Dieter Metzler

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