Leitplanken-Dilemma

Schildbürgerstreich durch Leitplanken an der B2 ruft Landwirte, Motorradfahrer und Radler auf den Plan

Wundern sich über die neuen Leitplanken : Adi Stumper (ADFC), Markus Britzelmair (Biolandwirt und Stadtrat), Andreas Lohde (Stadtrat) und Paul Anderer.
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Wundern sich über die neuen Leitplanken (von links): Adi Stumper (ADFC), Markus Britzelmair (Biolandwirt und Stadtrat), Andreas Lohde (Stadtrat) und Paul Anderer (Staatsgut).

Fürstenfeldbruck – Die B2 zwischen Puch und der Ziegelei wurde auf beiden Fahrbahnseiten mit Leitplanken versehen. Dadurch können nun aber Feldwege teilweise nicht mehr überquert oder genutzt werden, was vor allem Bauern, Radler und Fußgänger kritisieren. Die Stadt sowie die Polizei waren bei den Baumaßnahmen nicht einbezogen worden. Die CSU-Fraktion habe das Problem beim Straßenbauamt bereits angesprochen und Kritik an der Beplankung geäußert – und eine Antwort erhalten.

Nach Auskunft des Straßenbauamtes hängen die neuen Schutzplanken an der B2 bei Puch mit dem Verkehrssicherheitsprogramm 2030 des Bundesverkehrsministeriums zusammen. Grundlage dieses Verkehrssicherheitsprogramms sei die Sicherheitsstrategie „Vision Zero”. „Vision Zero“ ist ein qualitativer Strategieansatz mit dem Ziel, ernsthafte Personenschäden im Straßenverkehr möglichst zu vermeiden. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem mit verschiedenen baulichen Maßnahmen, erklärt das Straßenbauamt auf Anfrage der Brucker CSU. Eine dieser Maßnahmen ist auch das Nachrüstprogramm für Schutzplanken an Bundesstraßen: An Bundesstraßen sollen überall dort Schutzplanken aufgestellt werden, wo Hindernisse dichter als 4,50 Meter an den Fahrbahnrändern stehen und eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von mindestens 70 Stundenkilometern erlaubt ist, unabhängig vom bisherigen Unfallgeschehen.

„Ich war selbst in den letzten 30 Jahren immer wieder bei schweren Verkehrsunfällen an der B2 als Feuerwehrmann im Einsatz. Die Schutzplanken mögen nun zwar vor einer Kollision mit einem Baum bewahren, führen aber dafür eher zu Frontalzusammenstößen mit dem Gegenverkehr, weil ein Ausweichen zwischen den Bäumen nicht mehr möglich ist“, befürchtet Feuerwehrreferent und CSU-Fraktionssprecher Andreas Lohde und ist sich hier mit der Polizei einig. „Für die Motorradfahrer ist eine derartige Beplankung gefährlich und nicht zeitgemäß“, erklärt der Brucker Motorradfahrer Andreas Bernhard. Kommt ein Kradfahrer ins Rutschen, schlittert er unweigerlich auf die Trägerpfosten der Schutzplanken zu. Das kann zu schwersten Verletzungen führen.

Leitplanke kappt Verbindung von Fahrrad- und Feldwegen

Adi Stumper vom ADFC hat die Länge der beplankten Fahrbahnstrecke abgemessen. Er bemängelt, dass die Leitplanken auf knapp 600 Metern an mehreren Stellen die Verbindung von Fahrrad- und Feldwegen kappen. „Wenn Fußgänger und Radfahrende nun vom Geh- und Radweg, der nur auf einer Seite existiert, zur Gärtnerei Henninger oder auf einen gegenüberliegenden Feldweg queren wollen, müssen die Radler rechtzeitig auf die B2 wechseln, einige Meter auf der Bundesstraße fahren, um dann zur Gärtnerei oder in den Feldweg abbiegen zu können“, erklärt Stumper. Das sei äußerst risikoreich.

Ein ähnliches Gefahrenpotential sehen die Landwirte. Wo vorher das zügige direkte Queren der B2 mit dem Schlepper möglich war, müssen die Bauern nun mit Traktor und Pflug auf die Bundesstraße auffahren, nach wenigen Metern auf der B2 halten, um dann bei einer passenden Lücke im Gegenverkehr mit dem weit ausscherenden Anbaugerät auf den anvisierten Feldweg abbiegen zu können. „Die Leitplanken wirken wie Barrikaden, die uns die Zufahrt zu unseren Feldern erschweren“, erklärt Biolandwirt und Stadtrat Markus Britzelmair (CSU).

Auch Mitarbeiter des Staatlichen Versuchsguts in Puch, das über besonders breite Spezialfahrzeuge verfügt, bedauern, dass das Straßenbauamt nicht zuvor mit den landwirtschaftlichen Anliegern die Folgen der Schutzbeplankung diskutiert hat. „Es kann nicht im Sinne von ‚Vision Zero‘ sein, dass Fußgänger, Fahrradfahrer, Landwirte und die übrigen Verkehrsteilnehmer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt werden, weil bauliche Maßnahmen realisiert werden, die vielleicht in einem Waldstück zu rechtfertigen sind. Die Flächen links und rechts der B2, zwischen Puch und der Ziegelei, sind durch kleinteilige landwirtschaftliche Nutzung geprägt und verlangen nach einer anderen Lösung. Das sinnvollste wäre eine Temporeduzierung gewesen – dann hätte man sich die Schutzplanken sparen können. Jetzt muss nachgebessert werden – zumindest was die Querungsmöglichkeiten angeht“, fordert Lohde. Durch den Stadtrat soll nun die Verwaltung den Auftrag bekommen, die Argumente der Beteiligten zu bündeln, um beim Straßenbauamt eine Nachbesserung zu erwirken.

red

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