Deutschlandweite U-18 Wahl

Wahlurnen im Klassenzimmer

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Auch die Schülersprecher Lucas Dexle (15) und Jonas Walcher (15) gaben bei der U-18 Wahl ihre Stimme ab.

Eigentlich ist es keine große Sache zwei Kreuze auf ein Blatt Papier zu kritzeln und dennoch stehen die Schüler vor dem Raum 056 Schlange, um genau das zu tun. Während sich die einen noch schnell, die vor dem Klassenzimmer aufgestellten Plakate der verschiedenen Parteien durchlesen, können es die anderen kaum erwarten in den Raum zu gelangen. Genau neun Tage vor der Bundestagswahl dürfen im Gymnasium Olching die unter 18-Jährigen bei der deutschlandweiten „U18-Wahl“ zeigen, welche politische Landschaft sie im Bundestag haben wollen.

Zweitstimmenauswertung am Gymnasium Olching. Die Erststimme wird im deutschlandweiten Vergleich nicht gewertet.

Olching – Es ist 9.30 Uhr – Pause. Nacheinander ruft Referendar Tony Ziegler fünf bis acht Schüler in den Klassenraum. „Wir haben eine Klassenliste und die arbeiten wir ab“, sagt er. Wählen darf hier jeder, müssen tut es aber keiner, wie bei einer richtigen Wahl eben. Dennoch nehmen so gut wie alle ihren Wahlschein in die Hand und begeben sich zu einer der fünf provisorisch aufgestellten „Kabinen“. Bei der letzten Wahl 2013 hatte die Schule versucht, die Wahllokale so originalgetreu wie möglich nachzubilden, um die Schüler langsam an die Wahl ran zuführen, das hatte aber nicht den gewünschten Effekt.

"Einfach nur Videos abspielen funktioniert nicht"

„Die Jüngeren wurden damals durch den Nachbau eines Wahllokals eher abgeschreckt“, erklärt Tobias Ketzel, früherer Abiturient und ab Herbst Politikwissenschaftsstudent an der Ludwig-Maximilians Universität. Um diese Folgen in diesem Jahr zu verhindern wurde diesmal mit Tischen und Sichtblenden vorlieb genommen. Ketzel erhofft sich, dass die Wahl diesmal noch besser läuft, als vor vier Jahren. Unter anderem gefiel ihm damals nicht die Art, wie auf das Projekt aufmerksam gemacht werden sollte. „Einfach nur Videos abspielen funktioniert nicht, man muss die Klassen daraufhin arbeiten“, sagt er. Aus diesem Grund können sich die Schüler in diesem Jahr mit Hilfe der selbst gestalteten Plakate über die Parteien informieren und auch die Lehrer stehen für Fragen offen. „Die Plakate sollen die grundlegenden Punkte der Parteien aufzeigen“, erklärt er. Ketzel setzte sich schon früh mit der Politik auseinander, in gewisser Weise musste er das sogar.

"Es geht darum, dass sie Bescheid wissen"

Bei der U18-Wahl im Gymnasium Olching gaben von den gemeldeten 908 Schülern, 559 ihre Stimme ab. Davon waren 535 Stimmen gültig und somit 24 ungültig. Es wählten nahe zu genauso viele Jungen wie Mädchen. Die Geschlechterverteilung lag bei 47,8 Prozent bei den Jungen und 47,9 Prozent bei den Mädchen. 4,3 Prozent gaben kein Geschlecht an. Die größte Wählergruppe war bei den 11-Jährigen zu verzeichnen, hier nahmen 110 an der Wahl teil. Es folgen die 14-Jährigen (82 Stimmen), dann die Zwölfjährigen (78 Stimmen) und die Zehnjährigen mit (75 Stimmen).

„Mein Familienhaus ist aufgeteilt zwischen den beiden großen Volksparteien CDU/CSU und SPD“, sagte er. Für ihn steht vor allem das „Bewusstmachen sich zu beteiligen“ im Vordergrund. Die Schüler müssten nicht über alles informiert sein, sondern es gehe darum, dass sie einfach Bescheid wissen. „Unser Wahlverfahren ist angelehnt an das echte Wahlverfahren“, erklärt Seminarlehrkraft für Sozialkunde Sonja Zimmermann. Das Gymnasium Olching ist eines von mehr als 1660 Wahllokalen in ganz Deutschland. Die Herausforderung insbesondere in Bayern – die Sommerferien. „In den anderen Bundesländern fängt die Schule schon viel früher an“, erzählt sie. Somit mussten die Planungen im Gymnasium Olching bereits im März beginnen. Auch die Schülermitverwaltung (SMV) brachte sich ein und übernahm die Werbung, indem sie auf das Projekt aufmerksam machte. Nun noch falten, dann in die Wahlurne und anschließend noch ein Stempel auf den Handrücken, um auszuschließen, dass niemand doppelt seine Stimme abgibt. Fertig.

Wahlvorgang sei nicht schwer

Unter den Schülern ist auch die Zwölfjährige Fiona. Die Siebtklässlerin informierte sich, wie ein Großteil der Schüler über die Plakate und hat schon eine Vorstellung, weshalb sie wählen möchte: „Ich will nicht, dass jemand an die Macht kommt, den ich nicht gut finde.“ Schwierig empfindet Fiona den Wahlvorgang nicht, nur das mit der Ersten und Zweiten Stimme, sei „ein bisschen kompliziert“. Bei der nächsten Gruppe ist Fabio dabei. Nachdem er seine Kreuze gesetzt hat, reiht auch er sich ein, um seine Stimme abzugeben. Der Zwölfjährige hat sich schon im Voraus informiert, wem er seine Stimme gibt. „Ich war mir schon sicher, wen ich wählen wollte und auf dem Blatt waren die Namen drauf, die ich dann kannte“, erzählt der Zwölfjährige.

"Ich finde es cool, dass Minderjährige wählen dürfen"

Der Junge aus der 6c höre viel im Fernsehen und es interessiere ihn, wer Deutschland regiert. Michael informierte sich selbst und es freut ihn, dass er wählen darf: „Ich finde es cool, dass auch Minderjährige wählen dürfen“, sagt der Siebtklässler. Fiona und Fabio werden sich wohl noch etwas gedulden müssen, bis sie dann bei einer Bundestagswahl in echten Wahlkabinen ihre Kreuze setzen dürfen, anders sieht es da bei den beiden Schülersprechern Lucas Dexle (10a) und Jonas Walcher (10c) aus. Für die beiden 15-Jährigen ist die heutige U18-Wahl schon so etwas wie ein Probetermin. „Ich wollte mir mal anschauen, wie die Wahl abläuft, um das erlebt zu haben. In vier Jahren betrifft es einen“, erzählt Lucas Dexle. Und Jonas Walcher fügt an: „Ich will mich vorbereiten, wie es in vier Jahren aussieht, wenn ich wählen darf.“

Felix Hamann

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